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100 Jahre Yachtclub Meteor Danzig – Auf Umwegen von der Danziger Bucht an die Eckernförder Bucht

Manfred E. Fritsche
05.11.2023

Das 100. Jubiläum seiner Gründung feierte nun der „Yachtclub Meteor Danzig“. Nach mehreren Stationen nach dem Zweiten Weltkrieg hat der Verein seine Heimat in Eckernförde gefunden.

Am 6. September 1923 wurde der „Yachtclub Meteor Danzig“ in Bohnsack bei Danzig durch fünf ehemalige Schüler des königlichen Gymnasiums zu Danzig an Bord der Segelyacht „Marianne“ von Herbert Rode gegründet, der danach auch zum 1. Vorsitzenden gewählt wurde. Die zur Gründung bereitgestellte Flasche Weinbrand kostete damals wegen der Inflation bereits 3000 Reichsmark.

Der Name des Vereins geht auf den kleinen Küstenkreuzer „Marianne“ von Herbert Rode zurück, auf dessen Stander die Buchstaben „YMD“ für „Yacht Marianne Danzig“ zu lesen waren. Bei der Gründung des Clubs sollten diese Buchstaben bestehen bleiben – so wurden diese in „Yachtclub Meteor Danzig“ umgedeutet.

Bohnsack und Heubude
Die ersten vier Boote des Vereins wurden auf dem Gelände der Bootswerft Herbst in Heubude untergebracht und bereits ein Jahr später das alte Fährbett Heubude II gepachtet, in dem zwölf Schiffe liegen konnten. 1926 war der Verein erstmals im Jahrbuch des Deutschen Segler-Bundes, einer der drei damaligen deutschlandweiten Zusammenschlüsse der Wassersportvereine, aufgeführt. Verzeichnet sind dort als Vereinslokal das Fährhaus Heubude, 31 Mitglieder und sieben Segelyachten.

Ein Jahr später hatte sich die Gruppe Ost des Segler-Bundes mit dem YMD, dem Kurländischen Yacht-Club in Libau und der Segler-Vereinigung Altpreußen Königsberg gebildet. Der YCM hatte 40 Mitglieder und zwölf Yachten. Bei einer Regatta vor Zoppot, an der 28 Schiffe teilnahmen, konnte auch der YMD mehrere Preise mit nach Hause nehmen.

Da das Vereinsgelände nicht mehr ausreichte, zog der Verein 1927 nach Groß Plehnendorf, acht Kilometer von Danzig entfernt. Dort war an der Toten Weichsel ein nicht mehr genutztes Schleusenbecken vorhanden, das gepachtet werden konnte. Die Mitglieder bauten diesen Hafen in Eigenleistung aus, und zu Beginn der Segelsaison 1928 konnte er unter dem neuen Vorsitzenden Ernst Krajewski in Betrieb genommen werden.

1929 erklärte der Verein seinen Austritt aus dem Deutschen Segler-Bund. Ein Clubhaus mit Sanitär- und Geräteraum sowie Boots- und Mastschuppen, Mastkran, Slipanlage, Winterlager und Signalmast wurde bis 1934 erbaut. Bis 1939 beteiligten sich die Yachten des YMD regelmäßig an den Zubringer-Regatten von Zoppot nach Kiel zur Kieler Woche. Die Clubflotte umfasste 40 Yachten, und über 90 Mitglieder gehörten dem Club an.

Zubringer Zoppot–Kiel
Durch die Einwirkungen des Zweiten Weltkrieges kam das Clubleben zum Erliegen. Fast alle Männer wurden zur Wehrmacht eingezogen. Die Clubyacht „Meteor II“musste 1944 der Kriegsmarine zu Ausbildungszwecken übergeben werden. 1945 wurden durch die Kämpfe bei Groß Plehnendorf sämtliche Clubanlagen zerstört, die noch lebenden Mitglieder wurden in alle Winde verstreut.

Schließlich wagten 1951 acht Mitglieder einen Neubeginn: Am 5. August 1951 wurde der Verein in Lübeck neu gegründet – mit Herbert Rode als 1. Vorsitzenden, der den Club dann 18 Jahre leitete. Vereinssitz wurde Flensburg.

1969 wurde der Sitz des Clubs nach Damp verlegt, und Ulrich Heydasch übernahm den Vorsitz für elf Jahre. Nach dem 50. Jubiläum 1973 pachtete der Verein ein Jahr später das rund 60 Bojen umfassende Bojenfeld des Segelclubs Eckernförde am Borbyer Ufer, das dieser mit dem Neubau eines Hafens aufgab.

Ab etwa 1980 begannen durch einen Mitgliederschwund für den Club schwierige Zeiten. Die Ausgaben für das Bojenfeld übertrafen die Einnahmen. Eine Beruhigung trat erst ein, nachdem Kristian Rode, der Sohn des Vereinsgründers, den Vorsitz übernommen hatte. 1993 wurde der Vereinssitz nach Kiel verlegt, 1995 die Sporthafen Kiel GmbH gegründet. Der YMD war Mitbegründer und Gesellschafter, da der Bestand des Eckernförder Bojenfeldes nicht gesichert war und so Bootsliegeplätze in Kiel belegt werden konnten.

Der benachbarte Segelclub Eckernförde (SCE), der 1978 aus seinem 1952 errichteten alten Clubhaus in einen Neubau umgezogen war, verpachtete den noch für die Jugendarbeit verwendeten Altbau an den Segelclub Oevelgönne und den Yachtclub Meteor. Der 1948 von den Briten neben dem alten Clubhaus errichtete Bootssteg verfiel nach etwa 50 Jahren Nutzung immer mehr.

1997 konnte der SCE die Steganlage erwerben und erreichte die Ausweisung als Sportboothafen. Damit war der Weg frei für die Erneuerung des Seesteges, die zum Beginn der Saison 1998 abgeschlossen wurde.

Endlich angekommen
Der damalige YCM-Vorsitzende Jens Löwer besaß die notwendigen Verbindungen zum Eckernförder Bürgermeister Klaus Buß, der beim SCE erreichte, dass dieser erlaubte, an sein altes Clubheim einen Sanitärtrakt anzubauen. Dann wurde 1999 der Sitz des Vereins von Kiel nach Eckernförde verlegt. Der Anbau wurde 2001 unter Anwesenheit von Buß – er war zwischenzeitlich Innenminister geworden – eingeweiht. 2009 wurde die Seebrücke als Anlegemöglichkeit für Yachten zu logistischen Zwecken auf 50 Meter verlängert.

Der seit 2015 amtierende Vorsitzende Carsten Begro sagte bei der Feier zum 100. Jubiläum des Vereins, der Mitglied im Seglerverband Schleswig-Holstein ist: „Wir sind heute ein Eckernförder Segelclub mit Danziger Wurzeln, ein familiärer Club mit überschaubarer Struktur und nahezu 150 Mitgliedern, die etwa 70 Boote im Club haben.“


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