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Die monumentalen Ehrenmale der Sowjetarmee erhitzen neuerdings die Gemüter in der Hauptstadt
Ein Bus der Sowjetarmee, der Tag für Tag die Sektorengrenze überquert und den Tiergarten ansteuert, gehört zu den mittlerweile fast vergessenen Kuriositäten des Kalten Krieges. Ziel des Busses war eine sowjetische Enklave im Westteil Berlins: das Sowjetische Ehrenmal im Tiergarten.
Die dortige Ehrenwache gehörte seit der Einweihung des Ehrenmals im November 1945 zu den Konstanten im geteilten Berlin: Die Soldaten wurden nicht einmal am 17. Juni 1953 abgezogen, als sowjetische Panzer den Volksaufstand in Ost-Berlin niederwalzten, auch nicht, als sich im Oktober 1961 amerikanische und sowjetische Panzer kampfbereit am Checkpoint Charlie gegenüberstanden. Erst am 22. Dezember 1990, Wochen nach dem Mauerfall, verschwanden die Wachposten aus dem Stadtbild.
Mehr als drei Jahrzehnte später stehen nun das Ehrenmal im Tiergarten sowie die monumentalen Soldatenfriedhöfe der Roten Armee im Treptower Park und in der Schönholzer Heide in Pankow im Zentrum einer Debatte. Allesamt sind diese Ehrenmale unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg errichtet worden – als Gedenkstätten für gefallene Soldaten, unübersehbar aber auch als Propagandamittel des Stalinismus. Am Ehrenmal in der Schönholzer Heide prangt ein großflächiges Stalin-Zitat. Darin wird die Rote Armee als eine Streitmacht dargestellt, die „im Geiste der Gleichberechtigung aller Völker und Rassen“ erzogen worden sei.
Hinweis auf Hitler-Stalin-Pakt
Bereits im Mai 2020 hat die lettische Botschaft mit Blick auf die Ehrenmale in Berlin einen Facebook-Beitrag veröffentlicht, in dem auf die Perspektive der baltischen Staaten hingewiesen wurde. Lettlands diplomatische Vertretung erinnerte daran, dass die Ehrenmale nicht nur für den Sieg über den Nationalsozialismus stünden, sondern auch für den Beginn einer neuerlichen sowjetischen Besetzung ihres Landes, die fast fünf Jahrzehnte angedauert hat. In diesem Zusammenhang warnte die Botschaft, der sowjetische „Befreiungsmythos“ werde erneut zur Rechtfertigung von Grenzverschiebungen in Europa herangezogen.
Mit dem russischen Angriff auf die Ukraine hat die Debatte eine neue Dynamik gewonnen. Dabei geht es nicht um die Existenz der Anlagen, sondern darum, ob den historischen Erfahrungen von Polen, Balten, Ukrainern und anderen Völkern des ehemaligen Ostblocks ausreichend Rechnung getragen wird. Bereits wenige Wochen nach Beginn des Ukrainekriegs wurden etwa Forderungen laut, die sowjetischen Panzer am Ehrenmal im Tiergarten zu entfernen. Der Berliner Senat lehnte dies mit Verweis auf den Charakter der Anlagen als Soldatenfriedhöfe ab.
Vergangenen Mai hat die Grünen-Fraktion nun in einem Antrag im Berliner Abgeordnetenhaus Änderungen an den Ehrenmalen vorgeschlagen. Der Antrag sieht eine „verbindliche historisch-kritische Kontextualisierung“ der Anlagen vor. Geplant sind unter anderem mehrsprachige Informationstafeln und digitale Angebote. Diese sollen „die Befreiung Deutschlands vom Nationalsozialismus durch die Rote Armee würdigen und zugleich die Entstehung, Gestaltung und Funktion der Ehrenmale im Kontext der stalinistischen Erinnerungspolitik und des Zweiten Weltkriegs einschließlich des Hitler-Stalin-Pakts beleuchten“.
Deutsche Perspektive bleibt draußen
Zudem zielt der Antrag auf eine „Sichtbarmachung der Vielfalt der Roten Armee“ ab. Hervorgehoben werden soll dabei, dass „die Gefallenen aus zahlreichen damaligen Sowjetrepubliken stammten, insbesondere aus der Ukraine, Belarus, dem Kaukasus und Zentralasien“. Ziel ist es, „deren Beitrag zur Befreiung Deutschlands sichtbar zu machen und einer einseitigen nationalen Vereinnahmung entgegenzuwirken“. Der Antrag der Grünen knüpft an ähnliche Forderungen der SPD an. Der Treptow-Köpenicker SPD-Abgeordnete Oliver Igel sprach sich bereits im vergangenen Jahr dafür aus, die monumentale Anlage im Treptower Park um zusätzliche Informationstafeln zu ergänzen. Besucher müssten erfahren, dass Stalin nicht nur Oberbefehlshaber der Siegermacht war, sondern zugleich für Massenrepressionen, Deportationen und Millionen Opfer des stalinistischen Terrors verantwortlich gemacht wird.
Ob die Vorschläge tatsächlich umgesetzt werden, ist offen. Für den Erhalt und die Finanzierung der Ehrenmale ist formal der Bund zuständig. Berlin handelt bei der Pflege der Anlagen im Auftrag des Bundes. Dieser hat sich vertraglich zum Erhalt verpflichtet. Realistisch erscheint daher vor allem eine historische Einordnung durch Tafeln, Ausstellungen oder digitale Angebote. Allerdings spricht wenig dafür, dass die von den Grünen geforderte „verbindliche historisch-kritische Kontextualisierung“ auch die Perspektive der Ost- und Mitteldeutschen einbeziehen wird, die zum Opfer von Stalins Roter Armee und der sowjetischen Geheimpolizei NKWD geworden sind.
Kersti Wolnow am 30.06.26, 07:12 Uhr
Da waren die zritlich begrenzten Triumpfmärsche der Römer nur ein "Fliegenschiß" (nach Gauland) der Demütiguing der Gegner. Im Baltikum wurden die alle Anfang der 90er abgebaut. Ist die fehlende Forderung nach Abbau wieder Teil der Selbstgeißelung?
Peter Wendt am 27.06.26, 13:55 Uhr
Es geht um die Ehrung der vielen russischen Toten im 2. Weltkrieg, nicht um billige deutsche Wokeness. Im übrigen erwarten wir ja, dass die deutschen Soldatenfriedhöfe auch unangetastet bleiben. Die Diskussion zeigt wes Geistes Kind die Linken in Deutschland sind.
sitra achra am 26.06.26, 15:27 Uhr
Mir ist nicht bekannt, dass die Deutschen von antideutschen rassistischen Völkermördern befreit werden wollten. Eine Befreiung würde darin bestehen, dieses grausige Pack, von dem wir immer noch unterjocht werden, so schnell wie möglich loszuwerden. Vielleicht kann Xi einmal die Wende einleiten und den wahren Weltfrieden durchsetzen. Dann würde Stalins heuchlerischer Propagandaspruch Wirklichkeit werden (im positiven wortgetreuen Sinn).
Darüber hinaus frage ich mich, was ausgediente Panzer auf einem "Fried"hof zu suchen haben.
Den Kontextualisierungsunsinn bürokratischen Auswuchses kann man sich auch sonstwohin stecken.
Übrigens sind die 2+4 Verträge extremst völkerrechtswidrig, weil die über die Köpfe des deutschen Volkes hinweg geschlossen worden sind.
Alle anderen gegen Deutschland verhandelten Verträge seit Versailles sind ungültig, weil sie ungeheure Verbrechen legalisiert haben.
Ich will unser altes Ostpreußen zurück!
Gregor Scharf am 25.06.26, 07:21 Uhr
Ich bin Gegner jeglicher Diktaturen. Was hier versucht wird, finde ich anmassend.
Es handelt sich um Ehrenmale, die aus der Zeit gefallen scheinen, dabei sind sie lebendige Zeitzeugen. Zugleich sind sie aus heutiger Sicht auch Mahnmale. Der 2+4-Vertrag verpflichtet uns zu ihrem Erhalt. Aber hier geht es auch um eine innere Einstellung zu Ehre, Anstand und Moral.
Auf beiden Seiten gaben Millionen Soldaten ihr Leben hin, in dem festen Glauben auf der richtigen Seite der Geschichte zu stehen. Den größten Blutzoll zahlten die Völker der Sowjetunion. Und die Rache der Sieger forderte noch Millionen Opfer unter den Deutschen lange nach dem Schweigen der Waffen.
Die heutige Respektlosigkeit im Umgang damit hätte uns vor gar nicht all zu langer Zeit mindestens eine Ohrfeige eingebracht und soziale Aufbaustunden.
Wer die Geschichte verzerrt und vernebelt darstellt, legt den Grundstein für den nächsten Wahnsinn.
Den Stalinismus kann man auf angemessene Weise kritisieren und aufarbeiten. Ein Ehrenmal darf man nicht entweihen. Dort liegen Soldaten, die nur so kämpfen konnten, weil die Propaganda sie voran trieb und sie die Gräuel des Krieges erlebten. Das ist ein Faktum und gilt für beide Seiten.
Niemals besudelt man die Ehre eines Soldaten.