13.07.2024

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Aus Pommersche Lebensbilder, Band I. Stettin, Saunier 1934: Karl Robert Klempin, 1874 wurde er mit dem Roten Adlerorden 4. Klasse ausgezeichnet
Foto: WikimediaAus Pommersche Lebensbilder, Band I. Stettin, Saunier 1934: Karl Robert Klempin, 1874 wurde er mit dem Roten Adlerorden 4. Klasse ausgezeichnet

Pommersches Archivwesen

Tatkräftiger Archivar

Karl Robert Klempin – Maßgeblicher Wegbereiter der modernen pommerschen Geschichtsschreibung

Martin Stolzenau
02.07.2024

Der Historiker Karl Robert Klempin, der das pommersche Archivwesen mit großem Engagement vorantrieb, kam aus Swinemünde. Mit Leopold von Ranke hatte er zudem einen berühmten Lehrer und Förderer. Bis zu seinem Tod vor 150 Jahren war es sein Lebensinhalt, die Geschichte Pommerns zu archivieren.

Klempin entstammte einer pommerschen Pastorenfamilie, die in allen Generationen Theologen hervorgebracht hatte. Allein sein Vater bildete eine Ausnahme. Er ist als Kaufmann in Swinemünde überliefert, wo der Sohn am 19. November 1816 geboren wurde.

Nach gesicherten Verhältnissen in der Kindheit brach für die Familie 1829 eine Welt zusammen. Der Vater starb früh. Die verwitwete Mutter musste ihre insgesamt fünf Kinder nun allein großziehen. Karl Robert besuchte nach der Stadtschule in Swinemünde trotzdem das Gymnasium in Stettin und entwickelte unter dem Einfluss seines Lehrers Ludwig Giesebrecht früh ein besonderes Interesse für Geschichte.

Berühmte Lehrer
Klempin ging anschließend nach Berlin, studierte außer Philologie und Philosophie vor allem Geschichte und hatte berühmte Lehrer. Das reichte von Friedrich Adolf Trendelenburg über August Boeckh und Johann Gustav Adolf Droysen bis hin zu Leopold von Ranke, der ihn bald in sein Seminar integrierte und in seine persönliche Obhut nahm.

Ranke war es auch, der ihn zur Untersuchung der Vinetasage führte und dann zu einer Biographie des Bischofs Otto von Bamberg anregte. Das hatte seine erste „gelehrte kritische Abhandlung“ in den Baltischen Studien von 1842 zur Folge. 1845 wurde Klempin promoviert. Anschließend arbeitete er nach Rankes Vermittlung in Greifswald als Privatdozent. Er las zu Geschichtsthemen und arbeitete parallel zu verschiedenen Veröffentlichungen an seiner Habilitation. Allerdings musste er seine Tätigkeit aus Krankheitsgründen zeitweilig unterbrechen, da er sich arbeitsmäßig übernommen hatte.

Leiter des Provinzialarchivs
Danach war es erneut Ranke, der ihm nach seiner Genesung, die er in Swinemünde erreichte, einen Neustart ermöglichte. Klempin wurde 1855 wissenschaftlicher Hilfsarbeiter beim Stettiner Provinzialarchiv, das nach einer Modernisierung verlangte. Der neue Mann legte los, schuf neue Strukturen sowie Zugriffsbedingungen und begann, die ungenutzten Materialien aufzuarbeiten. 1857 übernahm er die Leitung des Provinzialarchivs.

Klempin führte das veraltete Archivwesen in die Moderne, sorgte für eine enge Zusammenarbeit mit der „Gesellschaft für pommersche Geschichte und Altertumskunde“ und erschloss nun systematisch die großen Bestände. Dazu gehörte die neuartige Erfassung des gesamten pommerschen Urkundenbestandes. Das war eigentlich eine Jahrhundertaufgabe, die Klempin aber in wenigen Jahren bewältigte. Damit legte er die Basis für die wissenschaftliche Erschließung der Geschichte Pommerns im Stile Rankes.

Dabei stieß der Neuerer auf riesige Bestände an Schriftstücken ohne jede Zuordnung, die vergessen schienen. Das war eine Fundgrube, die er nutzte. Im Ergebnis dessen veröffentlichte Klempin 1859 eine Quellensammlung mit dem Titel „Diplomatische Beiträge zur Geschichte Pommerns aus der Zeit Bogislaws X.“

Parallel erhielt der Archivchef mit Gustav Adolf Kratz einen tüchtigen Hilfsarbeiter, der ihm fortan zur Seite stand. Mit Kratz zusammen brachte er 1863 die nächste große Quellenpublikation über die pommersche Ritterschaft vom 14. bis zum 19. Jahrhundert heraus, die sich als grundlegendes Handbuch zur pommerschen Geschichte erweisen sollte.

Erneut wichtige Publikation
Dazu gesellte sich eine dritte große Sammlung: „Die Städte der Provinz Pommern“. Als Kratz 1865 starb, war das ein großer Verlust für Klempin, der danach den „Codex Pomeraniae diplomaticus“ allein weiterführen musste. Dabei kamen viele Urkunden ans Licht, die ebenfalls lange Zeit vergessen waren. Für dieses spektakuläre Urkundenbuch bewilligte der Landtag sogar ohne Diskussionen die erforderlichen Mittel.

Auch Klempin war es nicht vergönnt, diesen umfangreichen Codex zu beenden. Er kränkelte, litt an einem ausufernden Augenleiden und musste sich ab 1870 mehreren Operationen unterziehen. Seine Arbeit bedeutete ihm alles. Doch letztlich musste er seiner Überarbeitung gesundheitlichen Tribut zollen. Klempin starb am 29. April 1874 im Klosterhof in Stettin im Alter von 57 Jahren. Heute gilt er unter Fachleuten als maßgeblicher Wegbereiter der modernen pommerschen Geschichtsschreibung.


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