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Seit 2007 unter Denkmalschutz – Dennoch fristet die von Stüler entworfene Kirche das Dasein einer Ruine
Mehlauken (von 1938 bis 1946 Liebenfelde) [Salessje] war vor dem Zweiten Weltkrieg mit über 4.000 Einwohnern der zweitgrößte Ort im Kreis Labiau am Kurischen Haff. Das Dorf liegt etwa 30 Kilometer östlich der Kreisstadt und ist auch Bahnstation an der Bahnstrecke Königsberg–Tilsit. Im heutigen Liebenfelde befindet sich einer der größten Produzenten von Milcherzeugnissen „Salesski Farmer“. Berühmt ist der Ort aber vornehmlich durch eine der sehenswertesten Kirchenruinen in der Region. Die Pfarrkirche für das evangelische Kirchspiel Mehlauken wurde von 1843 bis 1846 unter Friedrich Wilhelm IV. errichtet und ist auch heute durch den danebenstehenden Glockenturm (Campanile) weithin sichtbar. Sie wurde von Friedrich August Stüler (1800–1865), dem Architekten des preußischen Königs, gebaut und gilt als Prototyp für den Bau der Potsdamer Friedenskirche.
Eine Skizze für den Bau der Friedenskirche hatte Friedrich Wilhelm IV. bereits als Kronprinz 1839 angefertigt. Dieser Entwurf orientierte sich an der frühchristlichen Kirche San Clemente in Rom. Stüler nutzte die Grundidee für den Bau der Mehlauker Kirche, die der Potsdamer Friedenskirche erstaunlich ähnlich sieht. Die Kirchenschiffe gleichen sich sogar im Detail, beide sind dreischiffige Säulenbasilika ohne Querhaus, während die Türme verschieden sind. Der Glockenturm in Mehlauken ist strenger und kompakter und nicht so hoch wie der in Potsdam.
Die Mehlauker Kirche blieb im Zweiten Weltkrieg beinahe unversehrt, wurde in der Nachkriegszeit allerdings zweckentfremdet als Turnhalle genutzt. Seit den 1990er Jahren ist sie eine Ruine. Zwar hat die örtliche Freiwilligenbewegung „Hüter der Ruinen“ mit Hilfe von Sponsoren einige Sicherungsmaßnahmen durchgeführt, doch ist der bauliche Zustand der noch vorhandenen Gebäudeteile desolat, obwohl die Kirche seit 2007 unter Denkmalschutz steht.
Stüler war Schüler Karl Friedrich Schinkels und einer der maßgebenden Baumeister seiner Zeit. Zu seinen bedeutendsten Schöpfungen gehören das Neue Museum in Berlin, mehrere Prachtanlagen im Park Sanssouci, die Nikolaikirche zu Potsdam, der Neubau der Albertus-Universität am Königsberger Paradeplatz (dessen neuromanische Bauelemente teilweise verloren gingen) sowie der neugotische Turmhelm des Königsberger Schlosses. Erhalten haben sich in Königsberg mehrere Stadttore von Stüler. Richtungsweisend waren Stülers monumentale Bauten des Nationalmuseums in Stockholm und der Ungarischen Akademie der Wissenschaften in Budapest.
Die kirchliche Architektur war wohl eine der beliebtesten Aufgabengebiete des Baumeisters. 1837 errichtete Stüler zusammen mit Johann Gottfried Schadow seinen ersten Kirchenbau, die Kirche St. Peter und Paul auf Nikolskoe in Berlin. Nach Angaben des Museums seiner Heimatstadt Mühlhausen (Thüringen) nennt Stülers Werkverzeichnis Ortsnamen von 262 Kirchen und elf Kapellen, bei denen er beteiligt war. Ein dieser Ortsnamen ist das ostpreußische Mehlauken.