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Was die EU will, wollen die Verbraucher noch lange nicht: Zutaten aus Ekel-Insekten in Brot und Brötchen
Die Europäische Union versucht seit 2015, Insekten als „Neuartige Lebensmittel“ zu etablieren. Zu diesem Zweck verabschiedete sie bereits fünf Durchführungsverordnungen, mit denen verarbeitete Mehlwürmer, Wanderheuschrecken, Hausgrillen und Getreideschimmelkäfer für den allgemeinen Verzehr freigegeben wurden. Außerdem flossen EU-Fördermittel an die Hersteller von Insektenpulvern und -pasten. Davon profitierte nicht zuletzt die Limited Company Ÿnsect mit Hauptsitz in Évry-Courcouronnes südlich von Paris.
Das 2011 gegründete Unternehmen produzierte zunächst Tiernahrung mit Insektenproteinen sowie Dünger aus Insektenlarven. Dabei befand es sich bis zum Jahr 2022 sogar auf Wachstumskurs. Dann begann Ÿnsect vor dem Hintergrund der EU-Bemühungen, durch den Einsatz von „Speiseinsekten ... eine nachhaltige Lösung für die wachsende globale Proteinnachfrage“ zu finden und die „Menge der von den landwirtschaftlichen Lieferketten emittierten Treibhausgase zu reduzieren“, mit der Herstellung von Zutaten für die menschliche Ernährung auf Insektenbasis. Das wiederum honorierten zahlreiche private Risikokapitalgeber, indem sie mehr als 600 Millionen Euro zur Verfügung stellten. Dazu kamen schätzungsweise 200 Millionen an öffentlichen Geldern aus dem Haushalt der EU sowie anderen Töpfen.
Des Weiteren nahm Ÿnsect Anleihen in Höhe von 320 Millionen Euro auf. Mit diesem Milliardenkapital als Basis wollte das Unternehmen zum globalen Marktführer im Mehlwurmpulver-Sektor avancieren. Hauptproduktionsstätte sollte dabei eine neue Fabrik in Poulainville in der Picardie werden, zu deren Einweihung reichlich Politprominenz geladen war. Ÿnsect ging damals davon aus, dass diese größte vertikale Wurmfarm der Welt im ersten Jahr ihres Bestehens um die 20.000 Tonnen Insektenprotein ausliefern könne.
Allerdings lag die Auslastung der Anlagen in Poulainville dann nur bei rund 15 Prozent des Plan-Wertes, was 2023 zu einem Nettoverlust von 80 Millionen Euro führte. Das resultierte aus der geringen Nachfrage der Lebensmittelkonzerne aufgrund der weit verbreiteten Skepsis seitens der Verbraucher. Infolgedessen musste Ÿnsect im September 2024 ein formelles Sanierungsverfahren eröffnen, um einen zeitweisen Aufschub bei der Bedienung der aufgelaufenen finanziellen Verpflichtungen zu erreichen. Die Anteilseigner waren jedoch nicht bereit, noch mehr Geld in das Unternehmen zu investieren. Deswegen wurde es im März 2025 unter Zwangsverwaltung gestellt. Und da Ÿnsect auch weiterhin kein ausreichendes Rettungskapital zu akquirieren vermochte, ordnete das zuständige Handelsgericht im vergangenen Dezember die Liquidation der Limited Company an, was auch zur endgültigen Schließung der Fabrik in Poulainville führte.
Die Pleite von Ÿnsect ist dabei keineswegs ein Einzelereignis, wie die Insolvenz des großen dänischen Insektenmehlproduzenten Enorm Biofactory im November 2025 und die schwerwiegenden finanziellen Probleme von Agronutris, einem bekannten französischen Wettbewerber von Ÿnsect, zeigen.