16.02.2026

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Mit äußerster Brutalität bekämpften sich der Deutsche Orden und die Krieger der Prußen in den vielen Schlachten
Bild: ChatGBTMit äußerster Brutalität bekämpften sich der Deutsche Orden und die Krieger der Prußen in den vielen Schlachten

In Dusburgs Chronik festgehalten

Unvorstellbare Gräueltaten im Prußenland

Im erbitternden Kampf der Prußen gegen den Deutschen Orden scheuten beide Seiten vor blutigen Abscheulichkeiten nicht zurück

16.02.2026

Im Zuge der Eroberung des Prußenlandes durch den Deutschen Orden sowie der Prußenaufstände auf dem Gebiet des späteren Ostpreußen kam es zwischen 1234 und 1283 zu etlichen Gräueltaten auf beiden Seiten, wobei die wenigen erhalten gebliebenen zeitgenössischen Quellen allerdings nur die Perspektive der Invasoren wiedergeben, weil die Prußen selbst keinerlei schriftliche Aufzeichnungen hinterließen. Jedoch berichtete auch der Ordenschronist Peter von Dusburg über brutale Übergriffe seiner Brüder wie die Ermordung prußischer Geiseln. Dabei waren solche Exzesse oft Reaktionen auf vorherige Gewaltakte der „Heiden“. Und von denen gab es anscheinend genug – manche richteten sich sogar gegen die eigenen Leute, wenn sie der Kollaboration mit den Christen oder anderer verräterischer Handlungen für schuldig befunden wurden. So gossen die Prußen einem ihrer Adligen, der Namile hieß, kochendes Wasser in den Schlund, weil er heimlich konvertierte.

Mit aufgeschlitzten Bäuchen
Ansonsten versklavten, verstümmelten oder töteten die Prußen etliche ihrer Kriegsgefangenen. Besonders häufig scheinen dabei Geistliche und Frauen zur Zielscheibe der Gewalt geworden zu sein. So kam es im Jahre 1249 kurz vor dem Ende des ersten Prußenaufstands zu einem kurzen Waffenstillstand zwischen dem Deutschen Orden und den Prußen, den die Ordensvertreter mit Geiseln aus den eigenen Reihen absichern mussten. Diese Übereinkunft stieß allerdings auf heftigstes Missfallen des Vizekomturs von Balga namens Johann, weshalb er den fatalen Entschluss fasste, „im Vertrauen auf den Herrn furchtlos weiterzukämpfen“.

Das wiederum führte zu einem blutigen Gemetzel, in dessen Verlauf Johann und die Geiseln starben. Wie von Dusburg berichtet, musste einer seiner Brüder dabei folgendes erleiden: „Die Prußen banden ihn lebend mit den Händen an einen Baum, schnitten ihm den Nabel heraus, an dem sein Gedärm hing, und hefteten diesen an den Baum. Darauf zwangen sie ihn unter vielen Schlägen, um den Baum zu laufen, bis alle seine Gedärme daran klebten, und so gab er mit dem Bekenntnis des wahren Glaubens Gott seinen Geist zurück und starb. Du magst alle Schriften des Martyrologiums durchblättern, sooft du willst, eine solche Art des Martyriums wird dir nicht begegnen. Auch Tarquinius Superbus, der erste Erfinder aller Foltern, hat eine solche Qual nicht erdacht.“

Verbrechen an Schwangeren
Später wiederum ergriffen die Prußen des Samlandes „einen Priesterbruder ... , der zu ihnen gesandt war, um sie zu taufen, pressten seinen Hals mit zwei Hölzern zusammen, bis er erstickte, und versicherten, diese Art des Martertodes stünde heiligen Männern zu, deren Blut sie nicht zu vergießen wagten.“ Ähnlich übel erging es manchen Frauen. Als sich zwei „Heiden“ um eine in ihre Hand gefallene christliche Schönheit stritten, trat den Quellen zufolge ein Dritter hinzu und hieb das Mädchen mit Schwertstreichen mittendurch, wonach er höhnte, nun möge sich jeder der Beiden den ihm zustehenden Teil nehmen.

Ein noch abstoßenderes Ereignis soll sich laut von Dusburg 1243 im Sumpf von Rensen zugetragen haben. Während der Scharmützel zwischen den Sudauern unter der Führung des Herzogs von Pomerellen Swantopolk II. und den Ordensbrüdern unter ihrem Marschall Berlwin gerieten Martin von Golin und dessen schwangere Schwester in die Hand der Prußen, woraufhin sich angeblich folgendes Drama abgespielt haben soll: „Als Golins Schwester wegen des Gewichts ihrer Leibesfrucht dem eiligen Marsch des Heeres nicht folgen konnte, öffnete der Pruße, welcher sie als Gefangene mit sich führte, ihr den Leib mit dem Schwert; das Kind fiel lebendig in den Sand, sie selbst aber starb.“ Weiter berichtete der Chronist: „Diese abscheuliche Tat flößte Martin solches Entsetzen und solchen Hass auf die Ungläubigen ein, das er ihnen nach seiner Befreiung oftmals große Plage bereitete.“

Überfall auf eine Hochzeit
Tatsächlich führte von Golin dann als „Christlicher Freibeuter“ (Latrunculus Christianus) einen erbitterten Privatkrieg gegen die Prußen sowie ebenso gegen die Litauer, in dem reichlich Köpfe rollten und zugleich massenhaft Beute gemacht wurde. Das bezeugt nicht zuletzt die Passage in Dusburgs Chronik, in der es über einen besonders gelungenen Überfall Gollins und seiner Helfershelfer auf eine Hochzeitsgesellschaft der „Heiden“ heißt: „Während sich alle Gäste nach üblicher Sitte betrunken auf ihren Lagern ausruhten, fielen sie über sie her und töteten außer vielen anderen 70 adelige Herren samt dem Gastgeber. Bräutigam und Braut sowie die Frauen der Herren mit Gesinde und Kindern, 100 Pferde mit Gold und Silber und dem gesamten Hausrat führten sie mit sich fort.“

Natürlich hat die Härte der Auseinandersetzungen im späteren Ostpreußen das Prußenbild des Deutschen Ordens und der deutschen Siedler negativ geprägt. Deswegen enthalten Werke wie Dusburgs „Chronicon Terrae Prussiae“ ausgesprochen polemische Passagen, in denen die Prußen als einfältig, primitiv, schmutzig, abergläubisch, trunksüchtig, brutal und auch sonst kulturlos hingestellt wurden.


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