23.10.2021

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Das Loddiner Höft, im Hintergrund Kölpinsee
Foto: RosenthalDas Loddiner Höft, im Hintergrund Kölpinsee

Usedom

Usedomer Bernsteinbäder – Natur statt Glamour

Die Usedomer Bernsteinbäder Kölpinsee und Ückeritz – ein vielfältiges Angebot erwartet den Gast

Erwin Rosenthal
02.10.2021

Die Usedomer Ostseebäder Zempin, Koserow, Kölpinsee und Ückeritz haben mit dem Ziel der optimalen Vermarktung den Bäderverbund „Usedomer Bernsteinbäder“ gegründet. Die Frage, ob die Bernsteinsucher an den Stränden dieser Ostseebäder eher fündig werden als in Heringsdorf, kann man wohl mit Recht bejahen. Zwar spült die See hier je Kilometer Strand und Tag nicht mehr Bernsteine an als in den Kaiserbädern, dort gibt es allerdings beim Suchen mehr Konkurrenz, „Miehr Adebars as Poggen“, wie der Pommer sagt. Auch der schöne Strand von Stubbenfelde lädt zur Bernsteinsuche ein. Stubbenfelde ist neben Kölpinsee ein Ortsteil der Gemeinde Loddin. Loddin liegt zwei Kilometer landeinwärts, am Achterwasser.

Von Naturgewalten gestaltet

Ebenso wie in Koserow hat seinerzeit auch bei Kölpinsee der Nordost-Sturm die Insel geteilt. Zweimal, jeweils in der Silvesternacht 1904/1905 und 1913/1914, wurde die Düne durchbrochen. Das Ostseewasser ergoss sich zunächst in den Kölpinsee und – zwei Kilometer weiter – ins Achterwasser. Eine Düne und ein Deich sollen heute ähnliche Szenarien verhindern.
Kölpinsee kann – ebenso wie der Nachbarort Ückeritz – nicht mit einer glamourösen Einkaufsmeile, einem Spielcasino oder Nachtclubs werben, sondern vor allem mit seiner einzigartigen Natur. Das Angebot an modernen Ferienwohnungen und anspruchsvollen Hotelzimmern rundet das Bild ab. Noch immer erinnert man in der „Seerose“ gerne daran, dass in den 1920/30er Jahren UFA-Filmstars wie Willy Fritsch, Lilian Harvey, Grethe Weiser, Anny Ondra und Hans Söhnker hier logierten.

Auch Wernher von Braun, der technische Direktor der ehemaligen Heeresversuchsanstalt Peenemünde, war vor 1945 wiederholt Gast des Hauses.

UFA-Künstler logierten hier gerne

Gut besucht ist auch der Campingplatz in Stubbenfelde, der 2021 bis Ende August ausgebucht war. Zu den Naturschätzen des Ortes gehören neben dem schönen breiten Sandstrand und dem Kölpinsee auch die bewaldete Steilküste, das Loddiner Höft und die Teufelsinsel beziehungsweise der Teufelsberg in Stubbenfelde. Der Kölpinsee, ein Strandsee mit einer Wasserfläche von zirka 28 Hektar, ist nur 200 Meter von der Ostsee entfernt. Das benachbarte Ostseebad Ückeritz, wenige Kilometer südöstlich gelegen, ist wohl das waldreichste Usedomer Ostseebad. Das einstige Fischer- und Bauerndorf liegt am Achterwasser. Der Strandweg führt durch den Wald am sogenannten „Pisselberg“, auf halber Strecke zwischen dem Ort und den Fischerbuden auf den Dünen gelegen, vorbei.

Nach getaner Arbeit am Strand und einem Feierabendbier legten hier früher die Fischer, als es am Strand noch keine sanitären Einrichtungen gab und man noch zu Fuß gehen musste, auf ihrem Heimweg eine kleine Pause ein.

Ückeritz kann mit seinem schier endlosen Sandstrand, zwei Seglerhäfen am Achterwasser, einem Kletterwald, einem Campingplatz hinter den Dünen, einer Rehaklinik auf dem Kliff, dem Wockninsee, in dem unter anderem die Europäische Sumpfschildkröte vorkommt und einem Gesteinsgarten werben.

Eiszeit-Zeugen in Neu-Pudagla

Der sehenswerte Gesteins- und Geschiebegarten, am Forstamt Neu Pudagla gelegen, wurde in Zusammenarbeit mit Geologen der Greifswalder Universität angelegt. Der Ursprung der Steine geht bis zur letzten Eiszeit zurück. Ein besonderes Exponat ist der „Nexösandstein“ mit einem Volumen von etwa 2,3 Kubikmetern. Der älteste Stein unter den Exponaten könnte zwei Milliarden Jahre alt sein, der schwerste wiegt etwa sieben Tonnen.

In DDR-Zeiten gab es im Dünenwald zwischen Ückeritz und Bansin einen fünf Kilometer langen Zeltplatz für etwa 20.000 Camper. Scherzhaft wurde er auch „der größte Campingplatz Europas“ genannt. Die Versorgung der Camper verlief nicht immer reibungslos. Einige von ihnen gaben in Heringsdorf vor einem ZK-Heim ihrem Unmut darüber lautstark Ausdruck. Der DEFA-Film von 1963 „Die Glatzkopfbande“ stellt diese Ereignisse verfälscht und propagandistisch überhöht dar.

Künstlerkolonie seit 1930

Erwähnenswert ist eine bereits in den 1930er Jahren in Ückeritz angesiedelte, exklusive Künstlerkolonie. Bekannte Maler wie Herbert Wegehaupt, Otto Manigk, Susanne Kandt-Horn, Manfred Kandt, Karen Schacht und Vera Kopetz wirkten dort jahrzehntelang. Heute ist Ückeritz die Heimat der Künstler Oskar Manigk und Matthias Wegehaupt.



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