12.01.2026

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Ein Zeitfunkreporter des Reichssenders Königsberg 1939 während einer Reportage über Ostpreußens Pferdezucht zusammen mit einem Tierarzt in einem Gestüt für Trakehner
Bild: ullstein bildEin Zeitfunkreporter des Reichssenders Königsberg 1939 während einer Reportage über Ostpreußens Pferdezucht zusammen mit einem Tierarzt in einem Gestüt für Trakehner

Ostpreußens edle Trakehner

Vom Preußenkönig bis zur UNESCO

Was einst als Kostenersparnis begann, entwickelte sich zu einem der erfolgreichsten Zuchtprogramme der Welt

Wolfgang Kaufmann
12.01.2026

Preußens „Soldatenkönig“ Friedrich Wilhelm I. war ein ausgesprochen sparsamer Monarch, solange es nicht um die Anwerbung oder den Unterhalt der von ihm so überaus verehrten „Langen Kerls“ ging. Also befahl er aus Kostengründen am
11. Juli 1731 die Vereinigung aller Zuchtpferdebestände Ostpreußens in einem einzigen großen Gestüt unter seiner persönlichen Oberaufsicht. Dieses sollte nun künftig die Kavalleriepferde für das preußische Heer bereitstellen, die bislang größtenteils für sehr viel Geld aus dem Ausland eingekauft wurden.

Das Königliche Stutamt Trakehnen lag zwischen Stallupönen und Gumbinnen in einem trockengelegten Sumpfgebiet. Bei der offiziellen Eröffnung im Mai 1732 besaß es bereits 1.101 Pferde. Allerdings erfüllte das Gestüt die wirtschaftlichen Erwartungen des Soldatenkönigs nicht, weswegen er es 1739 kurzerhand seinem Sohn, dem Kronprinzen und späteren König Friedrich II., schenkte. Der ließ immer wieder wertvolle Hengste verkaufen, was ihm zwar jährlich rund 12.000 Taler bescherte, aber der Zucht schadete.

Brandzeichen als Gütesiegel
Nachdem Friedrich der Große 1786 gestorben war, ging das Gestüt in den Besitz des preußischen Staates über und hieß fortan Königlich Preußisches Hauptgestüt Trakehnen. Unter der fachkundigen Leitung des Obermarstallamtes in Berlin und von Landstallmeistern wie Carl von Brauchitsch wurde nun mit der Veredelung einer uralten Pferderasse – jetzt Trakehner genannt – begonnen. Diese zeichnete sich durch besondere Ausdauer, Anspruchslosigkeit und Intelligenz aus. Trakehner, die bald als die besten Kavalleriepferde der Welt galten, erkannte man künftig an dem Brandzeichen, das eine siebenzackige Elchschaufel zeigte.

Das Gestüt entwickelte sich ab dem 19. Jahrhundert in hervorragender Weise, wobei es seit 1848 unter der Oberaufsicht des Preußischen Ministeriums für Landwirtschaft stand. Besonders erfolgreich verlief die Zucht während der Amtszeit des Landstallmeisters Gustav Adolf von Dassel, die von 1864 bis 1888 währte. Am Ende nahm das Hauptgestüt mit seinen
15 Vorwerken eine Fläche von mehr als 6.000 Hektar ein. Außerdem waren ihm zudem die Landgestüte in Rastenburg, Marienwerder, Braunsberg und Georgenburg zugeordnet. Die Zahl der Bediensteten in Trakehnen lag bei mehr als 1.100 Personen, die sich um bis zu 1.200 Hengste und 25.000 Stuten kümmerten.

Nach dem Ersten Weltkrieg dominierte zunächst die Zucht von Rennpferden. Daher wurde in Trakehnen auch das Freiherr-von-der-Goltz-Querfeldein-Rennen veranstaltet, welches als eines der drei anspruchsvollsten Rennen seiner Art weltweit Furore machte. Etliche der Pferde aus dem Gestüt nahmen sogar an Olympischen Spielen teil und gewannen dort Goldmedaillen.

Ostpreußische Olympiasieger
So siegten bei den Sommerspielen von 1936 in Berlin die deutschen Reiter in allen sechs Wettbewerben, wobei deren Pferde in vier Fällen aus Trakehnen kamen. Zu diesem Zeitpunkt gab es dann auch wieder eine erhöhte Nachfrage nach Züchtungen aus Ostpreußen vonseiten des Militärs.

Ende August 1944 besaß das Gestüt noch Tausende von Pferden, doch dann änderte sich die Lage dramatisch. Denn am 1. September 1944 genehmigte der Gauleiter Erich Koch zunächst den Abtransport der 150 wertvollsten Zuchttiere in die Hauptgestüte Graditz bei Torgau und Neustadt (Dosse). Dabei kamen noch geschlossene Güterwagen zum Einsatz. Dem folgte am 17. Oktober 1944 angesichts der Offensive der Dritten Weißrussischen Front der Roten Armee die fluchtartige Räumung von Trakehnen. Die Pferde, darunter auch viele tragende Mutterstuten, mussten sechs Stunden bis Georgenburg traben, von wo aus es dann per Eisenbahn weiter nach Brandenburg, Pommern oder Schlesien ging. Zu Kriegsende gerieten die meisten Tiere aus Trakehnen aber in die Hände der Soldaten Stalins, die sie nach Osten schafften, wo sich ihre Spur verlor.

Herkunft der Trakehner als Name
In den Westen gelangten hingegen nur rund 700 Stuten und 60 Hengste. Darüber hinaus landeten knapp 500 Stuten und vier Hengste in der Sowjetischen Besatzungszone. Später setzte dann das DDR-Institut für Tierzuchtforschung in Dummerstorf bei Rostock die Reinzucht von Trakehnern fort.

In der Bundesrepublik wiederum wurde am 23. Oktober 1947 der Verband der Züchter und Freunde des Warmblutpferdes Trakehner Abstammung gegründet. Dieser fasste 40 Jahre später den Beschluss, nun auch die Herkunftsregion der Trakehner Pferde in seinem Namen festzuschreiben, was die Engländer noch 1947 verboten hatten. Also lautet die Bezeichnung jetzt: Verband der Züchter und Freunde des ostpreußischen Warmblutpferdes Trakehner Abstammung.

Das Letzte seiner Art
Die Deutsche Reiterliche Vereinigung, also die Dachorganisation aller deutschen Zucht- und Reitsport-Verbände, ordnet die Zucht der Trakehner inzwischen in die Abteilung der „Spezialzuchten“ ein. Dazu gehört ebenso die Zucht des englischen Vollblutes und der Araberpferde.

Im März 2022 wurde die Pferderasse der Trakehner von der UNESCO als „immaterielles Kulturerbe der Menschheit“ anerkannt. Zu diesem Zeitpunkt war der letzte in Trakehnen geborene Hengst namens Keith bereits 45 Jahre tot. Das im Jahr 1941 geborene Tier starb im November 1976 in Gilde bei Gifhorn auf dem Hof des Züchters Hans Steinbrück.


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