12.08.2020

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Der Kartograf, Stadtplaner und Reiseleiter Dirk Bloch in seinem Büro
Foto: PrivatDer Kartograf, Stadtplaner und Reiseleiter Dirk Bloch in seinem Büro

Kartografie

Vom Samland bis ins Teschener Land

Der Berliner Städteplaner Dirk Bloch bietet stets aktualisierte Karten über den historischen deutschen Osten an

25.07.2020

Vielen Lesern der PAZ ist die Stadtplanerei Bloch seit Jahren ein Begriff: Dirk Bloch, Diplom-Ingenieur für Städtebau, entwirft und zeichnet Karten mit dem Schwerpunkt auf dem historischen deutschen Osten. Sie stellen eine unersetzliche Hilfe bei der Familien- und Ahnenforschung dar. Blochs Ziel ist es, die Geschichte eines Ortes oder einer Landschaft kartografisch sichtbar zu machen. Deshalb legt der Sohn eines Kartografen, dem die Freude am Reisen und dem Erkunden der Geschichte der bereisten Orte quasi in die Wiege gelegt wurde, großen Wert auf die gute Lesbarkeit seiner Karten. Welche Prioritäten der gebürtige Thüringer bei seiner Arbeit setzt, schildert er im Folgenden.

Herr Bloch, Ihre Karten speziell zu Ostpreußen decken die Region schon sehr gut ab. Welches Projekt nehmen Sie als nächstes in Angriff?
Tatsächlich habe ich Ost- (und West-)preußen in den Grenzen von 1937 mit Landkarten und vergleichenden Stadtplänen größerer Städte jetzt vollständig im Angebot. Ich arbeite derzeit an meiner sechsten Schlesien-Landkarte „Teschener Land/Mährisch-Schlesien und Schlesische Beskiden" – eine landschaftlich äußerst reizvolle Gegend, die reich an schönen Orten, Sehenswürdigkeiten und Geschichte mit deutschen, polnischen und tschechischen Einflüssen ist. Danach werde ich mich der Neumark – der Gegend östlich von Frankfurt (Oder) – widmen. Aber im nächsten Jahr wird es wahrscheinlich auch aktualisierte Neuauflagen meiner drei Masuren-Karten geben.

Aktuell liegen erweiterte Neuauflagen von Karten vor, die wir hier kurz vorstellen. Wie gehen Sie bei der Erstellung von Neuauflagen vor? Wonach entscheiden Sie, was noch aufgenommen werden soll?
Bei der Aktualisierung meiner Karten helfen mir einerseits Informationen meiner Kartennutzer über zwischenzeitlich eingetretene Änderungen. Gleichzeitig werte ich alle mir zur Verfügung stehenden Quellen in Druckprodukten und im Internet aus, um Straßenneubauten, neue Siedlungen, Ortsumbenennungen, neue Museen oder interessante neue Nutzungen der Gutshäuser und Schlösser, aber auch – gerade im russischen Teil Ostpreußens – das weitere Verschwinden kleinerer Ortschaften in meine Karten aufzunehmen, um die Karten immer auf einem für Reisende aktuellen Stand zu halten.

Sie bieten auch Ihre Dienste als Reiseleiter an, vorwiegend in Regionen, von denen Sie auch Karten gezeichnet haben. Wie haben Sie den Lockdown während der Corona-Krise genutzt?
Während dieser Monate war natürlich an Reisen nicht zu denken. Deshalb habe ich diese Zeit am Schreibtisch genutzt und die nun vorliegenden neuen Karten schneller als ursprünglich geplant erstellt. Da auch die meisten Buchhandlungen geschlossen hatten und weniger Menschen Karten kauften, war die Zeit für mich eine wirtschaftliche Herausforderung.

Finden seit Inkrafttreten der Lockerungen wieder Reisen statt?
Auch jetzt noch sind Gruppenreisen nur stark eingeschränkt möglich. Mit verminderten Gruppengrößen, Abstandsregelungen, Mundschutzpflicht im Bus und unterschiedlichsten Hygiene-Maßnahmen versuchen die Veranstalter und die Hotels wieder auf die Beine zu kommen, was sie bitter nötig haben. Die Reisen, die ich in diesem Frühjahr und Sommer leiten sollte, sind vorerst komplett um ein Jahr verschoben worden. Privatreisen nach Polen sind aber gut machbar und ich kann auch sehr empfehlen, dort einfach mal hinzufahren, da Polen ein gastfreundliches Land mit sehr vielen guten Unterkunftsangeboten ist.

Sie bieten auch Auftragsarbeiten für die Erstellung von Karten an. Wie ist die Vorgehensweise?
Ich bin als Freiberufler natürlich offen für die Erledigung von Kartenerstellungen aller Art. So hab ich im letzten Jahr für eine niedersächsische Samtgemeinde einen Ortsplan und eine Radwegekarte gezeichnet. Das Deutsche Kulturforum östliches Europa in Potsdam beauftragt mich glücklicherweise zuweilen mit Karten für Ausstellungen oder Bücher. So hab ich neulich die Dobrudschadeutschen kennengelernt, da ich deren Dörfer in einer Karte dargestellt habe. In Kürze werde ich für einen literarischen Reiseführer von Galizien Stadtpläne und Übersichtskarten machen.

Und natürlich wird alles am Computer und mit Hilfe des Internets erarbeitet. Heutzutage muss man als Kartograf nicht mehr mit dem Maßband und dem Zeichenbrett durch die Landschaft laufen - auch wenn ich mir gern vor Ort einen persönlichen Eindruck mache, denn Reisen bildet immer. Und das geht meiner Ansicht nach immer besonders gut mit einer gedruckten Karte in der Hand, in der man – im Gegensatz zur digitalen Karte immer gleichzeitig sowohl den Überblick als auch das Detail vor Augen hat.

Das Interview führte Manuela Rosenthal-Kappi.

• Informationen: Stadtplanerei Blochplan, Elisabethkirchstraße 14, 10115 Berlin, Telefon (030) 4495339, www.blochplan.de



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