23.06.2024

Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung

Suchen und finden

Östlich von Oder und Neiße

Weihnachtsmarkt-Renaissance mit Defiziten

Fliegende Händler überlagern in Schlesien das traditionelle Weihnachtsgeschehen

Chris W. Wagner
27.11.2023

Die deutsche Tradition der Weihnachtsmärkte hat sich jenseits von Oder und Neiße längst durchgesetzt. Die meisten Adventsmärkte in Schlesien dauern nur zwei bis drei Tage und ähneln eher einem Jahrmarkt, auf dem Händler nicht allein Weihnachtsutensilien feilbieten. Es ist keine Seltenheit, Stände mit Büstenhaltern oder Haushaltsgeräten zu finden. Es wird auch eher weniger Wert auf regionale Produkte gelegt. Die typischen Fell-Hausschuhe der Tatra-Goralen und deren geräucherten Hartkäse (Oscypek), der aussieht wie ein gelber Tannenzapfen und auch dessen Größe hat, findet man polenweit.

In der schlesischen Metropole Breslau öffnet der Weihnachtsmarkt auf dem Ring (Rynek) am 24. November und schließt am 7. Januar. Der bekannteste und größte Weihnachtsmarkt Schlesiens lockt vor allem Menschen, die es laut mögen und auf grelle Effekte Wert legen.

Ganz anders geht es auf Schloss Lomnitz [Łomnitz] in Blickweite des Riesengebirges zu. Der dortige Adventsmarkt im Gutshof findet am 2. Dezember von 11 bis 17 Uhr statt und bietet tatsächlich noch regionales Handwerk, Weihnachtsschmuck und Kulinarisches aus Niederschlesien. Kein Wunder, denn ins Leben gerufen hatte ihn die dort seit dem Zusammenbruch der Volksrepublik wieder ansässige deutsche Familie von Köster.

Für die Berliner noch in Tagesausflugweite zählt auch Grünberg [Zielona Góra]eher zu den positiven Ausnahmen, weil es dort am 17. Dezember einen Stadtweihnachtsabend gibt. An diesem wandert der Weihnachtsmann, der in der Republik Polen in Gestalt des Nikolauses unterwegs ist, durch die Menge und verteilt Geschenke. Es gibt Weihnachtsgeschichten für Kinder, und der katholische Bischof hält zusammen mit dem Oberbürgermeister eine Ansprache. Auf der Grünberger Stadtpromenade mit dem Bacchus-Brunnen an der Straßenkreuzung ulica Kupiecka und ulica Żeromskiego wird zudem vom 15. bis zum 21. Dezember ein Weihnachtsmarkt aufgebaut. Einen zweiten Schauplatz für Weihnachtliches innerhalb der Stadtgrenzen bietet das Gelände des Freilichtmuseums Ochelhermsdorf [Ochla], ulica Ochla-Muzealna 5.

Der Weihnachtsmarkt in Hirschberg [Jelenia Góra] schert ebenfalls aus der Reihe, denn dort wird vom 15. bis zum
17. Dezember zusammen mit den tschechischen Nachbarn gefeiert. Auf dem Ring vor dem Rathaus kann man mit etwas Glück das böhmische Weihnachtsbrot – Vánočka oder Bramboráky, also Kartoffelpuffer, probieren. Weihnachtsmarkt-Touristen werden in Niederschlesien auch am Schloss Klitschdorf [Kliczków] vom 9. bis zum 12. Dezember fündig. Des Weiteren vom 15. bis 17. Dezember auf dem Ring in Freiburg in Schlesien [Świebodzice], am 10. Dezember im Amphitheater zu Herrnstadt [Wąsosz] – das liegt etwa zwanzig Kilometer südöstlich der Stadt Guhrau [Góra], am 8. und 9. Dezember auf dem Ring in Wohlau [Wołów] oder am 9. Dezember auf dem Museumsplatz in Ludwigsdorf [Ludwikowice Kłodzkie] bei Neurode [Nowa Ruda] im Glatzer Bergland. Auch in Neiße [Nysa] wird es vom

16. bis zum 23. Dezember weihnachtlich, ebenso am 16. und 17. Dezember auf dem Namslauer [Namysłów] Ring.
In Oberschlesien hat Kattowitz [Katowice] die Nase vorn, denn dort hat der Advent bereits am 17. November angefangen. Das weihnachtliche Treiben endet in Kattowitz am 7. Januar. In Oppeln wird vom 25. November bis zum 31. Dezember der Ring zum Weihnachtsmarkt. Es folgt Neustadt O.S. [Prudnik] vom 1. bis zum 3. Dezember; auf dem Ring in Gleiwitz [Gliwice] ist der Weihnachtsmarkt vom 2. bis zum 22. Dezember geöffnet. Die Ratiborer [Racibórz] starten am 7. Dezember – allerdings auch nur für drei Tage. Wer auf der Suche nach typisch Schlesischem ist, findet dies am ehesten auf dem Schlesischen Christkindelmarkt im bundesdeutschen Teil von Görlitz. Am Eröffnungstag, dem 1. Dezember, wird um 17 Uhr bei Klängen eines Posaunenchores der schlesische Stollen angeschnitten, und am 15. Dezember werden um 18 Uhr „Joseph Wittigs Weihnachtsgeschichten“ erzählt. Wittig (1879–1949) war Theologe, Schriftsteller und Heimatforscher der Grafschaft Glatz. Das Programm des Schlesischen Christkindelmarktes, der bis zum 17. Dezember auf dem Görlitzer Untermarkt geöffnet ist, gibt es auf
www.schlesischer-christkindelmarkt-goerlitz.de.


Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie die PAZ gern mit einer

Anerkennungszahlung


Kommentar hinzufügen

Captcha Image

*Pflichtfelder

Da Kommentare manuell freigeschaltet werden müssen, erscheint Ihr Kommentar möglicherweise erst am folgenden Werktag. Sollte der Kommentar nach längerer Zeit nicht erscheinen, laden Sie bitte in Ihrem Browser diese Seite neu!

powered by webEdition CMS