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Helmut Suter, Leiter des Jagdmuseums in Groß Schönebeck in der Schorfheide, hat mit akribischem Fleiß die vorhandenen Quellen zur Geschichte der Jagd als Freizeitbeschäftigung von Fürsten, Königs- und Kaiserhäusern ausgewertet
Helmut Suter ist unter Jagdfreunden in Deutschland kein Unbekannter, er leitet das Jagdmuseum Groß Schönebeck in der Schorfheide. Er hat zahlreiche Bücher zum Thema Jagd geschrieben. Das jetzige Werk beginnt mit der Einleitung: „Die Jagd gehörte ... zu den bedeutendsten Freizeitbeschäftigungen der Fürstenhäuser Askanien und später der Brandenburger Hohenzollern“. Es werden in chronologischer Reihenfolge die Kurfürsten, Könige und Kaiser des Kurfürstentums Brandenburg und seit 1701 des Königreiches Preußen in ihren jeweiligen Einstellungen zur Jagd dargestellt. Es ist ein Baustein der Geschichte Preußens. Die Quellenlage muss besonders in den Jahrzehnten der Kurfürsten als dürftig angesehen werden im Vergleich zu den Jahrzehnten der Monarchie, beginnend mit Friedrich I., König in Preußen seit 1701. Die Verwaltungen wurden ausgebaut zur Mehrung der Einnahmen des Königs und zur Befriedigung seiner politischen Bedürfnisse. Stellvertretend kann hier Friedrich Wilhelm I., der Soldatenkönig und Vater Friedrichs des Großen, genannt werden.
Die Archive des Fürsten und der im Aufbau befindlichen Verwaltungen wurden allmählich reichhaltiger bestückt und boten somit mehr Einblicke in das Leben der Höfe. Oberster Jagdherr war der Kurfürst und ab 1701 der König, das blieb unangefochten bis zum Ende der Monarchie 1918.
Nicht alle Monarchen waren begeisterte Jäger. Friedrich Wilhelm I. wird als Jäger-König charakterisiert, die Kaiser Wilhelm I. und Wilhelm II. als passionierte Jagdfreunde, Friedrich der Große hingegen als Jäger ohne Passion. Die Praxis der Jagd im beschriebenen Zeitraum unterschied sich von der heutigen fundamental; es waren Gesellschaftsjagden mit hohem Personalaufwand und dem Herrscher im Zen-trum. Das Wild, in erster Linie Rot- und Schwarzwild, wurde von Treibern und/oder Hunden in eingezäunte Areale getrieben und zum Abschuss freigegeben. Es wurden in der Regel beachtliche Strecken für die Hofküche zurückgelegt. Weitere Wildarten waren Rehe, Wisente, Bären, Dachse, Kaninchen und Hasen. Vorstellungen von einem hohen Wildbestand in den königlichen Forsten sind übertrieben.
Kriege wie der Dreißigjährige, der Siebenjährige Krieg oder die Befreiungskriege und auch Wilddiebe dezimierten die Bestände. Diese mussten durch Kauf oder Tausch aufgefüllt werden, eine Hege war anfangs überhaupt nicht bekannt. Durch Austausch unter den Fürstenhöfen entstand weit über Preußen hinaus eine Art Netzwerk, für Preußens Hauptjagdreviere waren die Schorfheide, Rominten in Ostpreußen und die Neumark von erheblicher Bedeutung für Hof und Hobby des Fürsten. Auch technisch wurden Spieß und Armbrust bald durch das Gewehr abgelöst, die Niederjagd – Falken- und Reiherbeizjagd – wurde hoffähig. Die erhöhten Anforderungen bei verschiedenen Wildarten, bei Waffen, beim Schießen und auch Hornblasen machten eine systematische Ausbildung notwendig, diese etablierte sich erst mit Beginn des 19.Jahrhunderts. Auch die Grundfarbe grün für eine einheitliche Bekleidung der Forstbediensteten begann sich durchzusetzen.
Erstaunlicherweise ist die Sucht nach Trophäen nicht sehr ausgebildet, das ist erst in unserem Zeitalter Motiv für den Erwerb des Jagdscheins. Überliefert ist, dass bereits der Soldatenkönig die Grundsatzfrage eines jeden Jägers bis heute stellte, die nach der Vereinbarkeit vom Töten einer gesunden Kreatur und der Lust und Befriedigung des Jägers. Hieraus entwickelte sich für heutige Jäger die Verpflichtung zum Schutz und zur Erhaltung einer artenreichen und gesunden Tierwelt und die Sicherung ihrer Lebensgrundlagen.
Der Autor hat eine aufwendige Arbeit in der Sichtung der Archive, Tagebücher und Erinnerungen sowie der einschlägigen Fachliteratur geleistet. Davon zeugen die umfangreichen Anmerkungen. Ausgesprochen gelungen ist die Bildauswahl von handelnden Persönlichkeiten und Standorten jagdlichen Geschehens. Das Buch ist interessant für jeden Liebhaber von Jagd und Natur in Geschichte und Gegenwart. Eine Fortsetzung mit den Etappen Weimarer Republik, „Drittes Reich“, geteiltes Deutschland und wiedervereinigtes Deutschland wäre eine sinnvolle Ergänzung.
Helmut Suter: „Jagd in Preußen. Von den ersten Kurfürsten bis zum Halali im Jahr 1918“, BeBra Verlag Berlin 2025 gebunden, 200 Seiten, 28 Euro