19.01.2026

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Einzelhandel

Zahl der SB-Kassen massiv gestiegen

Senioren und Anhänger des Bargeldes sind am Erhalt von Alternativen zur Selbstbedienung interessiert

Peter Entinger
19.01.2026

Dass die Zahl der Selbstbedienungskassen im deutschen Einzelhandel in den letzten Jahren massiv gestiegen ist, wirft grundsätzliche Fragen auf. Laut aktueller Studie des EHI Retail Instituts stieg ihre Zahl von gut 16.000 im Jahr 2023 auf rund 38.650 Ende 2025, nachdem sie 2021 erst etwa 7.300 erreicht hatte. Von den rund 710.000 Kassen insgesamt steht damit inzwischen knapp jede 18. Kasse zur Selbstbedienung, überwiegend in Supermärkten und Drogerien. Immer mehr Verbraucher, besonders die ältere Generation, sehen darin ein Problem. Das bargeldlose Bezahlen wird zunehmend zum Politikum. Händler argumentieren, SB-Kassen verkürzten Warteschlangen und ermöglichten einen flexiblen Personaleinsatz.

Verbraucherschützer schlagen dagegen Alarm: Der Verbraucherzentrale-Bundesverband warnt, gerade Senioren würden durch die schrittweise Abschaffung des Bargelds benachteiligt. „Für Menschen ohne Smartphone oder Bankkarte droht sonst ein Ausschluss von gesellschaftlicher Teilhabe“, mahnte Dorothea Mohn, Finanzexpertin im Verband.

Viele Kunden meldeten Probleme: Rund 1.300 Verbraucher berichteten, sie müssten selbst Kleinstbeträge inzwischen häufig elektronisch begleichen. Das empfinden viele als unnötige Hürde für Senioren beim Wocheneinkauf. Nach einer Umfrage berichteten rund 30 Prozent der Befragten, sie hätten im letzten halben Jahr schon einmal an der Kasse kein Bargeld einsetzen können.

Der Handel weist darauf hin, dass die Automaten zwar Arbeitsabläufe erleichtern, aber Jobs nicht einfach überflüssig machen. Frank Horst vom Forschungsinstitut EHI betont: „Durch SB-Kassen fallen keine Arbeitsplätze weg.“ Vielmehr sei der chronische Personalmangel im Einzelhandel der eigentliche Treiber dieses Trends. Die SB-Kassen entlasten vorhandene Mitarbeiter, doch ganz ohne Aufsicht geht es nicht. Mancher Markt rüstet Überwachungskameras oder Waagen nach, um Diebstähle und Fehlbuchungen zu verhindern. Beträchtliche Verluste durch Ladendiebstahl relativieren mögliche Kostenvorteile. Nach EHI-Angaben wurden 2024 Waren im Wert von 2,95 Milliarden Euro unbezahlt mitgenommen.

Die Debatte ist damit nicht nur eine Frage der Effizienz, sondern auch der Generationengerechtigkeit. Viele ältere Menschen vertrauen nach wie vor dem Bargeld – es gilt als einfach, anonym und verlässlich. Fühlen sie sich an der Kasse gezwungen, auf Karte oder Handy umzusteigen, sorgt das für Frust. Kritiker fordern daher klare Regeln: etwa eine verpflichtende Quote von Kassen, an denen Bargeld möglich ist, oder zumindest stets eine besetzte Kasse. Bund und Länder haben im Koalitionsvertrag klargestellt, dass in jedem Laden Bargeld zusammen mit mindestens einer digitalen Zahloption angeboten werden muss – um die Wahlfreiheit der Kunden zu garantieren.

Die Politik ist hier gefordert, fairen Ausgleich zu schaffen. Bis dahin bleiben viele Senioren in der zunehmend digitalen Kassenwelt außen vor. Und man darf den psychologischen Effekt nicht vergessen. Das „Schwätzchen“ mit der Kassiererin war für viele älteren Menschen stets ein wichtiger sozialer Kontakt.


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