15.04.2024

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OECD-Bildungsstudie

1,7 Millionen junge Deutsche haben keine Ausbildung

Ob mit Abitur oder mittlerem Schulabschluss – Die Zahl derer, die trotz Schulabschluss keine Berufsausbildung beginnen, steigt beständig an

Peter Entinger
26.09.2023

Der Anteil junger Erwachsener mit einer klassischen Berufsausbildung ist in Deutschland stark zurückgegangen. Dies geht aus der Studie „Bildung auf einen Blick“ hervor, die von der OECD herausgegeben wird. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ist eine internationale Organisation mit 38 Mitgliedstaaten, die sich der Demokratie und Marktwirtschaft verpflichtet fühlen. Ihre Mitglieder gelten als Länder mit besonders hohen Pro-Kopf-Einkommen und als gut entwickelt.

Gerade in diesen Ländern spielt Bildung eine wichtige Rolle. Umso mehr müssen die Zahlen, welche die Forscher für die Bundesrepublik genannt haben, aufhorchen lassen. Der Anteil derjenigen, die maximal einen mittleren Schulabschluss haben, aber keine weitere Qualifikation wie Abitur oder eine Ausbildung, hat sich von 13 auf 16 Prozent erhöht, was einer Zahl von rund 1,7 Millionen Personen entspricht. Im vergangenen Jahr konnten lediglich 38 Prozent der 25- bis 34-Jährigen einen Berufsabschluss vorweisen, 2015 waren es noch 51 Prozent dieser Altersgruppe.

Der Rückgang im Bereich Berufsbildung in Deutschland ist damit der größte in allen OECD-Ländern. Die Leiterin des „OECD Berlin Centre“, Nicola Brandt, sieht die Politik in der Verantwortung, bereits „in den jüngsten Jahren“ mit der Förderung anzusetzen, um zu verhindern, dass junge Leute zurückfielen und am Ende ohne eine guten Abschluss dastünden. Sie machte zwei Faktoren für die Probleme in Deutschland verantwortlich. Es gebe mehr Migration als in anderen Ländern und auch der Lehrkräftemangel spiele eine entscheidende Rolle.

Mehr Migranten als in anderen Ländern
In absoluten Zahlen haben Deutschland, Polen und die Vereinigten Staaten die größte Zahl an ukrainischen Flüchtlingen aufgenommen, während Estland, Litauen und Tschechien den höchsten Anteil an Geflüchteten im Verhältnis zu ihrer Bevölkerung empfingen. Die deutschen Probleme liegen demnach wohl eher an den mangelhaften Zuständen in den Schulen. Denn die Qualität der Ausbildung ist nach Einschätzung der OECD-Autoren nicht so schlecht.

Deutschland stehe mit dem System der dualen Berufsausbildung eigentlich gut da. Mit einer abgeschlossenen Ausbildung waren demnach zwei Jahre nach Abschluss einer Berufsausbildung 94 Prozent der Absolventen erwerbstätig. Nur Island verzeichnete unter den OECD-Ländern eine höhere Quote. In der Studie, die seit mehr als 30 Jahren jährlich erscheint, wird das Modell der dualen Ausbildung in Deutschland mehrfach hervorgehoben. Schulische Theorie und Praxis in einem Betrieb sind dabei eng verzahnt. „Viele andere OECD-Länder wollen von diesem System lernen, auch weil es marktgerecht ausbildet“, sagte Brandt.

Mit Blick auf Deutschland sprechen die Autoren allerdings von einer immer stärkeren Bildungspolarisierung. So gebe es deutlich mehr junge Menschen mit Hochschulabschluss. Ihr Anteil ist seit dem Jahr 2015 von 30 auf 37 Prozent gestiegen. Demgegenüber sind – wie bereits geschildert – die Berufsabschlüsse stark rückläufig. „Diese Entwicklung ist besorgniserregend“, sagte Brandt. In vielen OECD-Ländern sei der Trend gegenläufig. In Deutschland dagegen werde die Schere zwischen den Bildungsgruppen immer größer.

Dabei steht Deutschland am unteren Ende immer noch recht gut da. Denn die Zahl derer, die gar keinen Schulabschluss haben, ist in Deutschland nach wie vor gering. Es gibt aber auch jene, die zumindest einen Abschluss haben, aber danach keine Ausbildung und auch kein Studium beginnen. Die OECD-Studie nennt diese Personen NEETs – not in Education, Employment or Training. Deren Chancen auf dem Arbeitsmarkt werden wörtlich als miserabel bezeichnet.

In Deutschland liegt die NEETs-Quote mit 8,6 Prozent vergleichsweise niedrig, im OECD-Schnitt sind es 14,7 Prozent. Ein Blick auf die weiteren Daten zeigt aber auch, dass der klassische Hauptschulabschluss kaum noch Wert hat.

Problem Lehrermangel
Einen interessanten Aspekt bietet die Antwort auf die Frage, ob der Lehrermangel in Deutschland finanzielle Gründe hat. Die OECD-Autoren beantworten diese Frage eindeutig mit Nein. „Nur in Luxemburg verdienen Lehrkräfte besser. Die aktuelle Personalnot ist also kaum mit schlechter Bezahlung zu erklären. Die Arbeitsbedingungen sind jedoch in manch anderen Ländern besser, so werde etwa häufiger im Team gearbeitet“, sagte Brandt. Die vorgesehene Unterrichtszeit beläuft sich der Studie zufolge von der ersten bis zur neunten Klasse im OECD-Schnitt auf insgesamt 7634 Stunden. In Deutschland sind es nur 7376 Stunden.


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Kommentare

Kersti Wolnow am 29.09.23, 07:03 Uhr

Neben den ganzen Miseren im bRD-Bildungswesen schlage ich, heute mal als Gutmensch, eine Bresche für die 1,7 Ungebildeten ohne Ausbildung. Die Jugendlichen haben keine echten Vorbilder, fragte ich vor 20 Jahren meine Schüler nach dem Berufswunsch, kam "Fußballer", "Rennfahrer", "Popsänger" oder "Model", alles natürlich in deren Jargon, die Sprache haben sie ja auch versaut.

Gregor Scharf am 27.09.23, 13:07 Uhr

Aus der Statistik geht nicht hervor, inwiefern sich die gute soziale Absicherung für Nichtarbeitswillige auf die Zahlen auswirkt oder wie hoch der Anteil reicher Wohlstandskids ist, die ein finanzielles Polster vor Arbeitsaufnahme schützt.
Der besagten Generation geht es einfach sauwohl, weil es genügend Dummköpfe, mich eingeschlossen, gibt, die durch ihren täglichen Einsatz den Laden am Laufen halten.
Es ist demzufolge nicht verwunderlich, dass wir bis 67 und darüber arbeiten sollen, um das Luxusleben der Faulpelze zu finanzieren, weil längst oben angekommen ist, dass Influenzer keine Volkswirtschaft am Leben halten können.
Es liegt an der grundsätzlichen Einstellung zum Leben aus eigener Kraft und auf eigenen Füßen stehend, ohne anderen zur Last zu fallen. Das wird nicht mehr vermittelt, bedeutet es doch Anstrengung, Ärger und Kampf im Alltag. In einer woken Gesellschaft gelten die Regeln einer rosaroten Sekte und alle haben sich lieb wie auf dem Ponyhof.
Ohne Fleiß kein Preis, gilt nicht mehr.

Michael Holz am 26.09.23, 13:53 Uhr

"So gebe es deutlich mehr junge Menschen mit Hochschulabschluss. Ihr Anteil ist seit dem Jahr 2015 von 30 auf 37 Prozent gestiegen."
Einige Hochschulabschlüsse sind des Namens nicht wert. Was soll ein Mensch mit "Politikwissenschaft", "Gender(wissenschaft)" und "Künstliche Intelligenz" anfangen. Damit kann er kein Brot verdienen, es sei denn als glücklicher Sklave in der aufgeblähten Wasserkopfverwaltung des Staates oder bei den dekadenten Gesinnungsparteien.
Wissen ist Macht, nichts wissen macht auch nichts.

Dr. Dr. Hans-Joachim Kucharski am 26.09.23, 09:14 Uhr

Über dieses reichliche Nachrückpotential kann sich die Politik nur freuen.

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