25.10.2020

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Das 1923 auf dem Jakobsberg errichtete zentrale Abstimmungsdenkmal in Allenstein
Foto: Bildarchiv OstpreußenDas 1923 auf dem Jakobsberg errichtete zentrale Abstimmungsdenkmal in Allenstein

Gedenken

100 Jahre Volksabstimmung in Ost- und Westpreußen

Am 11. Juli 2020 jährte sich zum 100. Mal ein schicksalhaftes Datum in der preußischen und deutschen Geschichte: Die damaligen Bewohner der südlichen Kreise Ostpreußens und einiger Kreise Westpreußens waren dazu aufgefordert zu entscheiden, ob ihre Heimat nach dem Ersten Weltkrieg bei Deutschland verbleiben oder künftig zu Polen gehören sollte. Mit überwältigenden Mehrheiten stimmten die Bewohner damals für den Verbleib ihrer Heimat bei Deutschland.

Landsmannschaft Ostpreußen
11.07.2020

Die Preußische Allgemeine Zeitung (PAZ) und die Landsmannschaft Ostpreußen erinnern auf verschiedene Weise an dieses denkwürdige Ereignis. Ursprünglich geplant war ein Gedenkakt in Allenstein – zu preußisch-deutscher Zeit Sitz des Regierungspräsidiums, heute Zentrum der Woiwodschaft Ermland und Masuren – am 11. Juli. Wegen der Corona-Pandemie und der damit verbundenen unsicheren Lage musste diese Veranstaltung jedoch abgesagt werden.

Um dennoch der Volksabstimmung gedenken zu können, haben die Referenten – der Sprecher der Landsmannschaft Ostpreußen Stephan Grigat, der renommierte Historiker Manfred Kittel und sein Kollege Krzysztof Jachimowicz – ihre geplanten Vorträge per Kamera aufgezeichnet:

 

Diese virtuelle Gedenkveranstaltung wird aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales gefördert.

 

Außerdem erscheint in der PAZ 28/2020 eine Sonderbeilage zur Volksabstimmung vor 100 Jahren. Diese Sonderbeilage können Sie unter selke@paz.de oder telefonisch unter 040 – 4140080 bestellen.



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Kommentare

Wolfgang Mittag am 28.08.20, 09:56 Uhr

Sehr schöner Bericht, danke Herr Müller.
Diese Erfahrungen mit der Sprache habe ich auch gemacht. So sind Erklärungen in Friedeberg (bei Landsberg Warthe) in Polnisch, Deutsch und Englisch vorhanden. In Marienburg mit überwiegend vielen deutschen Touristen aber nicht in Deutsch. Und naja, die Polen gestalten ihre Geschichte nach ihren Vorstellungen ! Ganz anders war es Im Museum in Elbing. Mit deutscher Beteiligung wurde dort ein tolles Museum gestaltet, ziemlich neutral mit vielen Bildern und interessanten Gegenständen aus der Geschichte. Und natürlich alles auch in Deutsch. Kann ich Ihnen sehr empfehlen. Das Museum in Marienwerder am Schloss ist auch sehr sehenswert und das sogar in diesem wahnsinnigen alten Gebäudekomplex. Eine Führung gib’s dort in deutscher Sprache von einem netten Deutsch-Polen. Man erfährt auch viel von der Familie von der Groeben, auch RTL. Allenstein war ich noch nicht, bin damals vorbeigefahren nach Hohenstein wo der Arzt Emil von Bering zur Schule ging, (mit alter deutscher Gedenktafel) Interessant in Hohenstein, dort am Rathaus steht ein großer steinerner Löwe. Leute fanden ihn auf dem Müll, er stammt vom ehemaligen Tannenbergdenkmal. Was mir noch sofort einfällt: Schlossruine Schönberg (Szymbark) müssen sie sich auf der Rücktour ansehen! Ja, es gibt noch viel zu erkunden im ehemaligen Deutschland.
Grüße nach Kassel

Marc Müller am 13.07.20, 15:29 Uhr

Der Bedeutung dieses Datums bewußt, war ich am 10. Juli von Memel aus aufgebrochen um nach Treuburg zu reisen. Den Vortrag in Lyck zur Abstimmung am 9. Juli konnte ich leider nicht wahrhnehmen. Aber wenigstens Treuburg wollte ich besuchen. Treuburg, ehemals Marggrabowa, heute Olecko. Mir war bewußt, dass es keine Erinnerungsfeier oder sonstiges geben wird. Dennoch habe ich mich auf den Weg gemacht und in Treuburg dann mich stilecht im Hotel "Mazury" einquartiert. Scherzhaft muss ich noch anfügen, dass ich nach Memel per Schiff gekommen war, ebnso stilecht also, mit einem Nachfolger des "Seedienst Ostpreußen".
Da Pillau nicht angefahren wird, mußte ich auf Memel ausweichen. Schikanen dieser oder anderer Art (keine Durchreise durch den polnischen Korridor) kannten auch schon unsere Altvorderen.
In Treuburg also habe ich mich auf Spurensuche begeben. Ich fand das vorzüglich restaurierte Kreiskriegerdenkmal, den sehr verwahrlosten evangelischen Friedhof, auf dem aber noch heute ein kleiner Soldatenfriedhof und ein Ehrenmal vorhanden sind und einen merkwürdigen Gedenkstein, auf dem die Worte stehen, dass man heute "in einer freien Heimat leben" kann.
Ich dachte mir meinen Teil und ging weiter.
Die Geschichte erzählt etwas anderes. Bei der damaligen Volksabstimmung fühlten sich die Bürger Treuburgs frei. So frei, dass sie zu 100 Prozent für Deutschland stimmten. Dies war der Grund für die Umbenennung ihrer Stadt von Marggrabowa zu Treuburg. Hatten doch auch im Kreisgebiet Olecko am 11. Juli 1920 nur zwei Personen für Polen optiert.
Mehr als ein paar Häuser aus deutscher Zeit, den Wasserturm und ein Stadion konnte ich aber nicht finden. Der Krieg hat Treuburg sehr zugesetzt und auch die ehemalige evangelische Kirche wurde durch einen, nun katholischen, Bau ersetzt.
Am 11. Juli, nachdem ich noch einmal Treuburg kurz gegrüßt hatte, fuhr ich weiter. Durch masurische Dörfer und Wälder ging es nach Allenstein. Mehrmals hielt ich um einen See, Störche oder ein schönes Gebäude zu fotografieren.
In Allenstein wollte ich unbedingt die Ausstellung über das Plebiszit von 1920 sehen. Also erst einmal Maske auf, Fieber messen lassen, Hände desinfizieren und rein in das alte Schloß, denn dort befindet sich die Ausstellung am Ende der für mich diesmal nicht so interessanten Kopernikus-Ausstellung.
Rührend war, dass mich die Wärterinnen des Museums immer wieder darauf hinwiesen, dass ich doch erst einmal die Kopernikus-Ausstellung sehen sollte. Die andere Ausstellung würde sich doch sowieso am Ende des Rundganges befinden.
Die Ausstellung an sich war dann gut gemacht. Allerdings hatte ich das Gefühl, dass die geschichtliche Einordnung nicht ganz korrekt war. Schließlich fand sich nirgendwo ein konkreter Hinweis auf den tatsächlichen Ausgang der Volksabstimmung. Dafür aber Karten von Polen, wie es hätte aussehen sollen und Passagen des Versailler-Vertrages in großer Reproduktion.
Dennoch sehenswert, wenn man die geschichtlichen Hintergründe kennt. Besonders beeindruckte ein Bild des Abstimmungsdenkmals mit originalen Steinplatten, die man davor drapiert hatte.
Meine Frage nach einem Ausstellungskatalog wurde zunächst abschlägig beantwortet aber auf einmal war doch einer aufzutreiben. In Polnisch und Englisch. Ich bekam ihn sogar kostenlos und bedankte mich artig und machte mich auf den Weg, denn abends wollte ich in Kassel sein.
Ein kleiner Wehrmutstropfen bleibt. In Ostpreußen muss man heutzutage Literatur in fremder Sprache nutzen um sich über die eigene Geschichte zu informieren.

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