05.10.2022

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Kulturzentrum Ostpreußen

40 Jahre im Deutschordensschloss Ellingen

Landschaften, Bernstein und Geschichte von Kunst und Kultur – entstanden ist eine repräsentative Darstellung Ostpreußens

Manfred E. Fritsche
20.04.2022

Schon das Gebäude verzaubert! Seit 1981 hat das Kulturzentrum Ostpreußen seinen Sitz im Westflügel des imposanten barocken Deutschordensschlosses in Ellingen/Bayern.

Bevor aber in Ellingen das Kulturzentrum Ostpreußen seine Türen öffnen konnte, vergingen drei Jahre der Vorbereitung. Am 16. September 1978 übernahm der Freistaat Bayern die Patenschaft für die Landsmannschaft Ostpreußen. Hintergrund war, dass Bayern nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges rund zwei Millionen Flüchtlinge aufgenommen hatte, wobei neben den Sudetendeutschen auch Ostpreußen eine große Gruppe bildeten.

Drei Jahre Vorbereitungszeit

In der Patenschaftsurkunde hieß es: „Die Übernahme dieser Patenschaft will ein Zeichen der Verbundenheit mit den ostpreußischen Landsleuten, des Dankes für Einsatz und Leistung und der rückhaltlosen Gemeinschaft in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg sein.“

Namhafte Ehrengäste der Politik, der Wissenschaft und der Landsmannschaft Ostpreußen waren bei der Eröffnung des Kulturzentrums am 25. August 1981 in der prächtigen Schlosskirche anwesend. Sechs Räume standen damals zur Verfügung, in denen ein Archiv, eine Bibliothek und eine Ausstellungsabteilung eingerichtet wurden. Primär war die Einrichtung zuerst eine Auffang- und Sammelstelle für die weit verstreuten ostpreußischen Kulturgüter. Doch der Sprecher der Landsmannschaft Ostpreußen, Ottfried Henning, ließ bei der Eröffnung anklingen, dass ein weiterer Ausbau im Schloss unerlässlich sei, um eine wirklich repräsentative Darstellung Ostpreußens und seiner Bedeutung in Kunst, Wissenschaft, Wirtschaft und Verbindung zu Osteuropa geben zu können.

Aufgaben und Aktivitäten

An dieser Grundkonzeption wird seit 40 Jahren festgehalten, die Erweiterung konnte jedoch erst Anfang der 1990er Jahre erfolgen, nachdem der Freistaat Bayern die Räume umfassend hatte ausbauen und renovieren lassen. Seit Sommer 1993 stehen mehr als 1500 Quadratmeter Nutzfläche auf drei Etagen zur Verfügung.

In der nun erschienenen 50-seitigen Jubiläumsfestschrift „40 Jahre 1981–2021. Kulturzentrum Ostpreußen“ wird nach der Beschreibung der Bauphasen auf die verschiedenen Aufgaben und Aktivitäten eingegangen.

So befinden sich in den Sammlungs- und Archivbeständen Schriftquellen jeglicher Art, von privaten Aufzeichnungen über Zeitschriften und Zeitungen bis hin zu umfangreichem Verwaltungsschriftgut. In den Sammlungen sind materielle Zeugnisse in beachtlicher Menge vorhanden, kunsthandwerkliche Arbeiten wie Keramik oder Wandteppiche, Gebrauchsgüter wie Spielzeug, Trachten, Gläser und Geschirr sowie Jagdwaffen und vieles mehr.

Zum Anspruch eines kulturellen Zentrums gehören ferner Gemälde, Skulpturen und Graphiken ostpreußischer Künstler, aber auch Gold- und Silberschmiedearbeiten sowie die größte Bernsteinsammlung des süddeutschen Raumes. Ergänzt wird das Archiv durch Bildmaterial, Diapositive, Filme, Ansichts- und Landkarten sowie Tonträger aller Art.

Öffentlichkeitswirksam zeigt sich das Kulturzentrum in Ellingen neben einer Dauerausstellung mit seinen geschichtlich geprägten Sonderschauen, ergänzt durch regions- oder personenbezogene Kabinettausstellungen im eigenen Gebäude, aber auch in der gesamten Republik Polen und vorwiegend in der Region zwischen Weichsel und Memel. Um den Inhalt dieser Sonderschauen einem breiten Publikum präsentieren zu können, wurden rund 30 dieser Ausstellungen in Buchform beschrieben, die über das Kulturzentrum erhältlich sind.

Die Sonderschauen umfassen ein weites Spektrum, das seinen Ausgang in der über 700-jährigen Geschichte Ostpreußens nimmt. „Entlang der Weichsel und Memel“ – die historischen Landkarten und Stadtansichten wurden an 17 Orten in Polen gezeigt, und auch in der Dauerausstellung im Barockschloss sind ausgewählte Exponate zu sehen.

Die Beschreibung der Natur – des „Landes der dunklen Wälder und kristall'nen Seen“ nahm mit Fotoausstellungen wie „Das Ermland – ein Vogelparadies“ mit Bildern von Andrzej Waszczuk oder „Die vier Jahreszeiten in Ermland und Masuren“ von Mieczysław Wieliczko in all den Jahren breiten Raum ein.

Städtebeschreibungen von Saalfeld, Lyck, Königsberg, Cranz, Goldap, Lötzen, Rastenburg, Johannisburg und Tilsit, meist zweisprachig in Deutsch und Polnisch oder Deutsch und Russisch wurden so gestaltet, dass sie in diesen Städten an exponierter Stelle als Dauerausstellung den heutigen Einwohnern einen Einblick in die Geschichte geben.

Dauerausstellung Bernstein

Bernstein – das „Gold der Ostsee“ – seine Herstellung, seine Verarbeitung und besondere Exponate sind in einer Dauerausstellung in Ellingen zu sehen. Ergänzt wurde das Thema in Zusammenarbeit mit dem Bernsteinmuseum in Königsberg in gegenseitigen Sonderschauen. Die Wirtschaft des Landes wurde mit Keramik aus Cadinen und der Bierherstellung in zahlreichen Brauereien beleuchtet, wobei die Brauereigeschichte bis in die heutige Zeit dargestellt ist.

Kurt Frick, Johann Gottfried Herder, Immanuel Kant, Nikolaus Copernicus. E. T. A. Hoffmann und Arno Holz sind Beispiele für die geistigen und künstlerischen Impulse, die aus Ostpreußen kamen.

Ein besonderes Kapitel ist die 800-jährige Geschichte des Deutschen Ordens, die in einem besonderen Zusammenhang mit dem Deutschordensschloss steht, in dem das Kulturzentrum in Ellingen untergebracht ist. Die architektonischen Leistungen beim Bau der Burgen und Schlösser werden durch zahlreiche vorhandene Gemälde dokumentiert, wurde die Leistung des Kulturzentrums auch durch mehrmalige Besuche der Hochmeister gewürdigt.

Weitere wichtige Personen und Schlüsselereignisse fanden mit Dokumentationen zu „Krönungen in Preußen“, „Königin Luise, Napoleon und der Frieden von Tilsit 1807“, „August 14“ und „Volksabstimmung in Ost- und Westpreußen“, „Die Wolfsschanze“ und dem Luftangriff auf Ellingen Eingang in Ausstellungen, bei denen wertvolle Originalexponate und internationale Leihgaben gezeigt wurden.

In den letzten Jahren wurden zudem zweisprachige Zeitzeugenprojekte durchgeführt, um originale Stimmen über die Jugendjahre in Allenstein, auf ostpreußischen Gütern oder in Königsberg zu erhalten, aber auch, um Erfahrungen der „Neubürger“ im Westen festzuhalten.

Geschichten aus der Künstlerkolonie Nidden mit Carl Knauf, Georg Gelbke, Richard Birnstengel, Alfred Teichmann, Ernst von Glasow wechseln sich mit Spezialthemen wie der Pferdezucht in Ostpreußen, besonders mit der Geschichte in Trakehnen ab. Diese Themen gehen auch in den Bildungsauftrag ein, den das Kulturzentrum Ostpreußen neben den Ausstellungen mit einem „Frühlingserwachen“ und einem Herbstmarkt, bei dem auch ostpreußische Handwerkskunst wie das „Doppelstricken“ gezeigt und gelehrt wird, ausführt. Dazu kommen Ferienaktionen für Schüler, Besuche von Kindergartengruppen und die Durchführung von Kindergeburtstagen in der nicht alltäglichen Umgebung eines Museums.

Das farbige Jubiläumsheft des Kulturzentrums Ostpreußen erläutert ausführlich all diese Themen, zählt die bis Ende 2021 durchgeführten insgesamt 144 Ausstellungen in polnischen, russischen und litauischen Kultureinrichtungen auf und bietet ein Verzeichnis aller lieferbaren Publikationen aus den vergangenen Jahren.

• Bezugsquelle Das unter Mitwirkung des Fördervereins Kulturzentrum Ostpreußen entstandene Heft kann vom Kulturzentrum Ostpreußen Ellingen in der Schloßstraße 9, 91792 Ellingen, Tel. 09141/86440, Fax: 09141/864414, E-Mail: info@kulturzentrum-ostpreussen.de zum Preis von 5 Euro zuzüglich Porto und Versandkosten bezogen werden. Weitere Informationen unter http://www.kulturzentrum-ostpreussen.de



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