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Atomkraft

Acht deutsche Meiler könnten wieder ans Netz

Chicagoer Beratungsunternehmen hat 18-seitige Studie vorgelegt mit dem Titel „Wiederinbetriebnahme der deutschen Kernkraftwerke: Ist das machbar?“

Wolfgang Kaufmann
07.08.2023

Mit der Abschaltung der letzten drei deutschen Kernkraftwerke am 15. April wurde die Bundesrepublik zum Strom-Nettoimporteur, und viele Unternehmen mit energieintensiver Produktion wanderten ins Ausland ab. Das ist zum akuten Wohlstandsrisiko geworden.

Deshalb befürworten inzwischen bereits 67 Prozent der Deutschen eine weitere Nutzung der Kernenergie im eigenen Land.

Vor diesem Hintergrund erstellten die Ingenieure und Energiewirtschaftsexperten Mark Nelson und Richard Ollington vom unabhängigen Beratungsunternehmen Radiant Energy Group mit Sitz in Chicago eine Studie, für die sie etliche Vorstandsmitglieder und leitende Mitarbeiter von deutschen Kerntechnikunternehmen und Atomkraftwerksbetreibergesellschaften detailliert und vertraulich befragten. Gleich auf dem Deckblatt des 18 Seiten umfassenden Papiers mit dem Titel „Wiederinbetriebnahme der deutschen Kernkraftwerke: Ist das machbar?“ findet sich folgende unmissverständliche Aussage: „Deutschland kann nach wie vor acht Reaktoren wieder in Betrieb nehmen.“ Und das entspricht auch vollkommen den Tatsachen, wie die weiteren Ausführungen belegen.

Jünger als US-Reaktoren
So wurde bei den Atommeilern Isar 2, Brokdorf, Grohnde, Krümmel, Neckarwestheim 2, Emsland sowie Gundremmingen B und C mit dem Rückbau der entscheidenden Komponenten noch nicht begonnen. Nelson und Ollington kommen aufgrund ihrer Recherchen zu dem Schluss, dass der gute Zustand dieser Reaktoren und der peripheren sicherheitsrelevanten Systeme die neuerliche Inbetriebnahme ohne weiteres erlaube. In diesem Fall könnte Deutschland über eine zusätzliche elektrische Nettoleistung von insgesamt 10,7 Gigawatt verfügen. Das entspricht etwa 30 Prozent des Mindest- beziehungsweise Grundlaststrombedarfs.

Anlass zu Optimismus bietet des Weiteren das Alter der acht genannten Reaktoren, das in keinem Falle über 40 Jahre liegt. Dahingegen sind die Atommeiler in den Kernkraftwerken der USA seit durchschnittlich 43 Jahren in Betrieb. Und weltweit laufen sogar mehrere Dutzend Reaktoren, die vor 45 bis 54 Jahren ans Netz gingen. Darüber hinaus belegen Nelson und Ollington, dass auch die Versorgung mit Brennelementen bei Weitem nicht so prekär ist, wie häufig behauptet wird.

Zwar bestellten die Betreiber tatsächlich keinen Kernbrennstoff für einen Normalbetrieb über den 31. Dezember 2022 hinaus. Jedoch könnten Unternehmen wie Westinghouse oder Framatome in ausreichenden Mengen Nachschub liefern – und das deutlich schneller als nach Ablauf der sonst üblichen 18-Monats- Frist. Westinghouse wäre beispielsweise in der Lage, diese auf 114 Tage zu verkürzen.

Ebenso gibt es die Möglichkeit, den Verbrauch des noch vorhandenen Urans zu optimieren, um längere Laufzeiten zu erreichen. Und auch das Problem der Arbeitskräfte ließe sich lösen. Die meisten Kernkraftwerksmitarbeiter sind offensichtlich bereit, wieder in den Normalbetrieb zurückzukehren. Zusätzlich könnten in rund drei Jahren neu ausgebildete Techniker und Ingenieure bereitstehen.

Desgleichen sehen Nelson und Ollington keine ernsthaften Schwierigkeiten, was den finanziellen Aspekt betrifft. Denn die Wiederinbetriebnahme der Kernkraftwerke würde nur Kosten in der ungefähren Höhe des Gewinns aus zwei Monaten Atomstromproduktion verursachen.

Mahnung zum „schnellen Handeln“
Im Gegenzug könnten diese Ausgaben enormen Nutzen bringen. Zum einen entstünde damit ein volkswirtschaftlicher Vorteil von 250 Milliarden Euro durch günstigere Großhandelspreise für Strom. Zum anderen ließen sich die Kohlendioxid-Emissionen bei der Elektroenergieerzeugung um bis zu 80 Millionen Tonnen pro Jahr senken. Oder anders ausgedrückt: Der Anteil von CO₂-arm produziertem Strom würde in Deutschland von 50 auf 74 Prozent steigen. Desweiteren blieben 5000 gut bezahlte Arbeitsplätze in strukturschwachen Regionen erhalten.

Und als Letztes könnte das Ganze zu einer Wiederbelebung der einstmals weltweit führenden deutschen Nuklearindustrie führen. Das wäre gerade jetzt von eminenter Bedeutung, da viele Länder wieder verstärkt auf Kernkraft setzen. Damit all diese positiven Effekte eintreten, ist jedoch – so Nelson und Ollington – „schnelles Handeln auf administrativer und politischer Ebene“ erforderlich.

Dazu gehöre vor allem die unverzügliche Änderung des Atomgesetzes sowie die Aufhebung der erteilten Stilllegungs- und Abbaugenehmigungen seitens der Bundesländer. Dann „könnten sechs Reaktoren innerhalb von neun bis zwölf Monaten und zwei weitere Reaktoren innerhalb von zwei bis drei Jahren wieder in Betrieb genommen werden.“


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Kommentare

Günter Musyczyn am 12.08.23, 20:28 Uhr

Ein sehr überzeugender Artikel. Leider wird er bei unserer Regierung keine Anerkennung finden, da sie in ihrem ideologischen Korsett nicht mehr in der Lage ist die bedrohliche Lage für Deutschland zu erkennen. Ein zögerlicher Kanzler und eine bornierte grüne Partei führen Deutschland in eine prekäre wirtschaftliche Abhängigkeit und steuern zielgerichtet ihren eigenen Absturz bei großen Teilen der Bevölkerung an. Damit wird der AfD eine Steilvorlage nach der anderen geliefert und ihr Weg zur stärksten Partei in Deutschland geebnet. Das Ergebnis kennen wir schon aus der deutschen Geschichte.

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