23.05.2022

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Die Loyalität war eher einseitig: Kanzler Konrad Adenauer (links oben) und sein Minister Theodor Blank (rechts unten)
Foto: paDie Loyalität war eher einseitig: Kanzler Konrad Adenauer (links oben) und sein Minister Theodor Blank (rechts unten)

Theodor Blank

Adenauers Mann für das Unpopuläre

Vor 50 Jahren starb der Gewerkschafter, der die Bundeswehr aufbaute. In der Sozialpolitik konnte er sich mit notwendigen Reformen nur sehr bedingt durchsetzen

Erik Lommatzsch
13.05.2022

Reichlich unverblümt wusste Konrad Adenauer zu sagen, warum er seinen christdemokratischen Parteifreund Theodor Blank eifrig in Ämter beförderte. Auf Wunsch des späteren Bundeskanzlers wurde Blank im Sommer 1947 vom nordrhein-westfälischen Landtag als Abgeordneter in den Frankfurter Wirtschaftrat entsandt, weil er ihn dort als „aufgeschlossenen Gewerkschaftler“ brauchte.

Im Oktober 1950 betraute Adenauer, inzwischen Regierungschef der Bundesrepublik, Blank mit den Vorbereitungen zum Aufbau der Bundeswehr. Dazu erklärte der Kanzler im Rückblick, maßgebend gewesen sei nicht Blanks „Eigenschaft als CDU-Abgeordneter; maßgebend war vielmehr für mich, außer seinen persönlichen Eigenschaften, die Tatsache, daß er Stellvertretender Vorsitzender einer der wichtigsten Industrie-Gewerkschaften war. Ich wollte damit den Widerstand der Gewerkschaften paralysieren. Ich glaube, daß das auch gelungen ist.“

Äußeren Glanz sucht man in Blanks politischer Karriere in den ersten beiden Jahrzehnten der Bundesrepublik vergebens. Dennoch handelt es sich um den bemerkenswerten Weg eines hart arbeitenden, prinzipienfesten Aufsteigers. Geboren wurde er am 19. September 1905 im mittelhessischen Elz. Später zog die Familie nach Bochum. Er absolvierte Ausbildungen zum Modellschreiner und zum Metallarbeiter. Als Katholik stand er der Zentrumspartei nahe.

1930 wurde er hauptamtlicher Gewerkschaftssekretär beim Zentralverband der christlichen Fabrik- und Transportarbeiter. 1933 entlassen, machte sich der stets um Weiterqualifikation bestrebte Blank daran, sein Abitur nachzuholen. Zweimal nahm er ein Studium auf, erst eines der Naturwissenschaften, dann eines des Ingenieurwesens. Beide Male musste er abbrechen, zunächst aus finanziellen Gründen, 1939 aufgrund der Einberufung zur Wehrmacht wegen des bevorstehenden Zweiten Weltkrieges. Dort diente er bis Kriegsende, zuletzt als Oberleutnant.

„Aufgeschlossener Gewerkschaftler“

Bei einer Dortmunder Firma, die ihn auch schon zuvor beschäftigt hatte, fand er nach kurzer US-amerikanischer Gefangenschaft wieder eine Anstellung. Vor allem aber widmete er sich bald erneut der Gewerkschaftsarbeit. 1948 wurde er Dritter Vorsitzender der IG Bergbau. Zur seinerzeit entstehenden CDU war er bereits im Herbst 1945 gestoßen. In Nordrhein-Westfalen wurde er Landtagsabgeordneter, 1949 wurde er in den Bundestag gewählt.

Wenn Blank Aussagen tätigte wie „Meine politische Arbeit gilt der freien Persönlichkeit, eingegliedert in die Gemeinschaft und ausgerichtet auf den höchsten Wert: Gott“, handelte es sich um weit mehr als Lippenbekenntnisse. Der Historiker Hans-Otto Kleinmann urteilt über Blank: Kaum jemals sei „konkrete Politik in der Bundesrepublik mit einer so eindeutigen Standortbestimmung betrieben worden, wie von ihm, und kaum auch ist politisches Handeln so weltanschaulich fundiert ... begründet und vertreten worden“.

Die katholische Soziallehre war bei Blank mit ordoliberalen Ideen verbunden, die soziale Marktwirtschaft vertrat er vehement. Sympathien mit dem „Christlichen Sozialismus“ blieben Episode. In der Bildung, hier wohl auch an seinen eigenen Weg denkend, sah Blank die „Sozialchance Nummer Eins“. Arbeitnehmermitbestimmung und die Förderung von Arbeitnehmereigentum waren für ihn wesentlich.

Der Sozialpolitiker Blank, der dem älteren Fraktionskollegen Anton Storch den Vortritt gelassen hatte, als es 1949 um die Besetzung des Bundesarbeitsministeriums ging, obwohl Adenauer ihn gern in dieser Position gesehen hätte, wurde im Folgejahr „Beauftragter des Bundeskanzlers für die mit der Vermehrung der alliierten Truppen zusammenhängenden Fragen“. Aufgabe der Arbeitsstelle mit der sperrigen Bezeichnung, die als „Amt Blank“ zum Begriff wurde, war es, die Voraussetzungen für die Remilitarisierung Westdeutschlands zu schaffen. Zum einen oblagen Blank damit die Verhandlungen mit den Westmächten, zum anderen galt es, das Vorhaben innenpolitisch – gegen heftigen Widerstand – zu vertreten.

An einen tatsächlichen Aufbau westdeutscher Streitkräfte war allerdings erst mit den Pariser Verträgen von 1954 zu denken. Gegen die damals verbreitete „Ohne-mich-Haltung“ verwahrte sich Blank mit klaren Worten. Er war beteiligt an der Etablierung der Leitidee, die den Soldaten als „Staatsbürger in Uniform“ betrachtet.

Einerseits von seinen Mitarbeitern geschätzt, stand er andererseits unter erheblichem Druck. Die unvorteilhafte öffentliche Vermittlung einer Notwendigkeit der Aufstellung einer Armee und das deutliche Verfehlen der angestrebten Truppenstärke – innerhalb von drei Jahren eine halbe Million – waren nicht die einzigen Defizite. Allerdings erfuhr er aus der Regierung auch kaum die erforderliche Unterstützung.

Namensgeber eines ganzen Amtes

Als er im Juni 1955 erster Bundesverteidigungsminister wurde, war es eine Ernennung auf Abruf, zumal der ehrgeizige Franz Josef Strauß auf die Position drängte. Adenauer gab dem stets loyalen, sich auch immer wieder unbequemen Aufgaben stellenden Blank keinen Rückhalt. Zu dessen Entlassung im Oktober 1956 im Zuge der großen Kabinettsumbildung Adenauers bemerkte Hans Speidel, später Oberbefehlshaber der alliierten Landstreitkräfte in Mitteleuropa bei der NATO, Blank habe sich „um die Bundeswehr hochverdient gemacht“. Der Kanzler seinerseits habe es verstanden, sich der Fähigkeiten seiner Mitarbeiter zu bedienen, konnte sie aber auch, sobald entbehrlich geworden, „kühl fallenlassen“.

Im Oktober 1957 wurde Blank für acht Jahre Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung, nicht nur unter Adenauer, sondern auch noch im ersten Kabinett von Ludwig Erhard. Damit war er in sein ursprüngliches Metier zurückgekehrt. Es komme darauf an, so Blank, „eine Sozialpolitik zu treiben, die den Willen zur Selbsthilfe ermuntert und das Gefühl für Verantwortung und Gemeinsinn wachruft“. Mit seinen Reformplänen, etwa zur gesetzlichen Krankenversicherung, bei der Novellierung des Bundesversorgungsgesetzes oder mit dem „Sozialpaket“ von 1962/63, die allesamt unpopuläre Kürzungen enthielten, konnte er sich nur sehr bedingt durchsetzen. Aus den eigenen Reihen versagte man ihm abermals die Unterstützung.

Auch hier war es insbesondere Adenauer, der seinen Minister bei „seinem Sozialpaket, einer schon damals notwendigen systematischen Remedur der Sozialgesetzgebung, im Stich ließ“, wie der langjährige Bundestagspräsident Eugen Gerstenmaier, ebenfalls CDU, später beklagte.

Nach seinem Ausscheiden aus dem Ministeramt im Oktober 1965 wirkte Blank weiter in der Fraktion und der Partei. Am 14. Mai 1972 ist er in Bonn gestorben.



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