01.10.2022

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Pommern-Forschung

Adolf Gustav Stubenrauch aus Golz

Namhafter Geschichtsforscher Pommerns

Martin Stolzenau
14.08.2022

Adolf Gustav Stubenrauch stammte aus dem Kreis Dramburg, vollbrachte als Archäologe und Restaurator in Stettin besondere Leistungen für die Aufarbeitung der Geschichte Pommerns und macht sich damit einen Namen, an den man sich auch nach seinen Tod vor 100 Jahren noch erinnert. Er ordnete und katalogisierte die vorhandenen Sammlungen im Stettiner Schloss, war an speziellen Nachforschungen sowie Ausgrabungen beteiligt und erstellte ein erstes umfassendes „Verzeichnis der Denkmäler der Kunst und Architektur für Pommern“.

Der Geschichtsforscher wurde am 30. Juni 1855 in Golz geboren. Sein Geburtsort liegt fünf Kilometer südwestlich von Dramburg im Kreis Dramburg. Die Kreisstadt östlich von Stettin entwickelte sich im Mittelalter unter den Rittern von Golz aus Prenzlau im Auftrag der Markgrafen von Brandenburg zur Stadt mit dem Magdeburger Stadtrecht und gehört heute zur polnischen Woiwodschaft Westpommern.

Die Eltern von Stubenrauch bewirtschafteten das Familiengut Golz und ermöglichten ihrem Sohn einen weiterführenden Bildungsweg. Dabei besuchte der Junge das einst renommierte Gröningsche Gymnasium in Stargard und dann die Provinzial-Gewerbeschule in Stettin.

Virchow ebnete ihm den Weg

Es folgten nach dem Militärdienst die Tätigkeiten als Buchhalter sowie Amtssekretär in der Umgebung von Berlin, wo er von Rudolf Virchow empfangen wurde. Virchow stammte ebenfalls aus Pommern, war mit Stubenrauchs Vater befreundet und hatte als Mediziner Karriere gemacht. Er erlangte als Pathologe, Anthropologe und Prähistoriker mit der Begründung der Zellularpathologie Weltgeltung, brachte die moderne Pathologie auf den Weg und ermöglichte dem geschichtsinteressierten Sohn seines Freundes den „Kontakt zur Berliner Anthropologischen Gesellschaft“. Die Empfehlungen des berühmten Mediziners öffneten Türen.

Der nächste Förderer des jungen Amtssekretärs mit historischen Neigungen hieß Hugo Lemcke. Das war ein Gymnasialprofessor und dann Rektor des Stettiner Stadtgymnasiums, der nebenbei als Vorsitzender der Gesellschaft für pommersche Geschichte und Altertumskunde fungierte und historische Forschungsarbeit betrieb. Dieser Mann war der zweite Weichensteller für Stubenrauch.

Lemcke vermittelte dem um 20 Jahre jüngeren Gesinnungsfreund 1890 die Stelle als Konservator im Museum der Gesellschaft für Pommersche Geschichte und Altertumskunde in Stettin. Das entsprach den Interessen Stubenrauchs, bot endlich auch eine materielle Sicherheit und ermöglichte ihm die Heirat mit Marie Elisabeth Helene Fischer aus Stargard, die um 14 Jahre jünger war. Der Junghistoriker erschloss sich sein neues Aufgabenfeld, bildete sich autodidaktisch weiter und brachte Ordnung in die Sammlungen der Gesellschaft im Bogislawbau des Stettiner Schlosses.

Der nächste Arbeitsschritt bestand in der systematischen Erweiterung des Bestandes. Dank Stubenrauch verzehnfachten sich die Sammlungen. In diesem Zusammenhang arbeitete er mit anderen Historikern und Archäologen systematisch zusammen. Außer mit Lemcke gab es eine besonders enge Zusammenarbeit mit dem Geologen Müller. Das reichte von Nachforschungen zur Lage der legendären Stadt Vineta über Skelettgräber bei Dramburg und Fundstellen bei Streckenthin im pommerschen Kreis Greifenberg bis zu Grabungsaktivitäten in Wollin.

Bedeutendes Denkmäler-Verzeichnis

Stubenrauch veröffentlichte in zahlreichen Zeitschriften wie den „Monatsblättern“ sowie den „Baltischen Studien“ viele Artikel über seine Arbeiten und Forschungsergebnisse, schuf sein aufsehenerregendes Denkmäler-Verzeichnis und illustrierte alles mit eigenen Zeichnungen. Damit erlangte er über Pommern hinaus Bekanntheit.

Der Geschichts- und Landesforscher wurde 66 Jahre alt, starb am 23. April 1922 in Stettin und hinterließ außer seinem Lebenswerk als Historiker und seiner Witwe, die ihn um 28 Jahre überlebte, aus seiner Ehe drei Kinder. Danach veröffentlichte sein väterlicher Freund und Mitstreiter Lemcke in den Monatsblättern der Gesellschaft für pommersche Geschichte und Altertumskunde einen Nachruf, der die Leistungen des Verstorbenen würdigte. Später wurde seine Arbeit auch in der polnischen „Encyklopedia Pomorza Zachodniego“ mit einem Beitrag bedacht.



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Kommentare

Gustav Leser am 16.08.22, 07:53 Uhr

Wieso Stettin auch noch???

Pommern
vor dem Mittelalter deutsches Siedlungsgebiet.
Ende des 10. Jahrhunderts für kurze Zeit polnisch.
Dann wieder deutsch,
800 Jahre bis zur Vertreibung von Haus und Hof.

RECHTS von Oder-Neiße seit 45 unter polnischer Herrschaft.
Aber Stettin liegt LINKS davon.
Wieso Stettin auch noch?

Was war da los?

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