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Daytrading

Aktienhandel mit Suchtpotential

Stundenlang auf die Kurse starren: Börsenspekulation für Jedermann birgt ein hohes Risiko

Dagmar Jestrzemski
16.05.2023

Im Homeoffice durch eine selbstständige Tätigkeit ein hohes Einkommen zu erwirtschaften, davon träumen nicht wenige, vor allem junge Leute. Weniger attraktiv ist solch ein Modell mit der zusätzlichen Option, sich täglich mit dem Einsatz von eigenem oder geliehenem Geld auf kurzfristige Börsenspekulationen einzulassen und damit auf ein beständiges, hochriskantes Gewinn- und Verlustspiel, das zudem oftmals mit vielen Stunden Stillsitzen vor dem Computerbildschirm verbunden ist.

Dennoch gibt es passionierte Börsenzocker, die sich dem sogenannten Daytrading oder Intraday-Handel als hauptberuflicher Einkommensquelle verschrieben haben. Daytrading ist im Finanzwesen die Bezeichnung für den taggleichen Handel mit Wertpapieren an einer Börse unter Ausnutzung der Kursschwankungen. Man muss ein geduldiger Spielertyp sein, dem es nichts ausmacht, täglich in Spähposition vor dem Computerbildschirm zu verharren „wie die Katze vor dem Mauseloch“. Diese Form der kurzfristigen Börsenspekulation hat ein hohes Suchtpotential.

Kauf und Verkauf an einem Tag
Während Investoren ihr Kapital langfristig über viele Jahre anlegen, eröffnen und schließen Daytrader ihre Wertpapierpositionen innerhalb eines einzigen Tages. Dabei versuchen sie, mittels geringer Kursschwankungen Profit zu erzielen. Beim einfachen Finanzprodukt wie einer Aktie treten in der Regel an einem einzigen Tag keine großen Volatilitäten auf, sodass sich das Trading lohnen würde. Daytrader handeln daher mit Derivaten, also Finanzprodukten, deren Preisentwicklung von einem zugrundeliegenden Basiswert (Aktien, Zinsen, Rohstoffe, Indizes, Währungskurspaare oder Geldmarktinstrumente) abhängt. Es wird gewettet, dass sich der Basiswert in eine bestimmte Richtung bewegt. Dabei werden kleine und kurzfristige Kursschwankungen des einzelnen Wertes beobachtet. Der Trader kann innerhalb von wenigen Minuten handeln oder im Verlauf des Tages seine Wertpapiere verkaufen.

Um Erfolg als Daytrader zu haben, muss man sich das notwendige Wissen selbst aneignen. Erfolgversprechend ist eine monate-, mitunter jahrelange Schulung bei einem Broker zum Preis von mehreren Tausend Euro. Häufig sitzen die Broker in Nord- oder Südamerika und unterrichten täglich ihre Schüler in aller Welt. Wer beim Üben mit fiktivem Geld auf einem Demokonto Erfolge verzeichnen konnte, die Glücksgefühle auslösen, ist diesem Geschäft vielleicht schon verfallen. Man glaubt, kein allzu hohes Risiko einzugehen, da die Mindesteinzahlung bei den meisten Brokern unter 100 Euro liegt. Das Geschäftsmodell ist jedoch hochrisikoreich. Das eingesetzte Kapital kann durch Totalverluste verloren gehen.

Wurden die Transaktionen durch Kredite bei dem Broker finanziert, erhöht sich dementsprechend das Risiko. Daytrading entstand vor rund zwei Jahrzehnten. Heute ist der private Daytrader Konkurrent von unzähligen Akteuren im Hochfrequenzhandel (High-Frequency-Trading, HTF). HTF hat die Profitabilität der Daytrader zunehmend negativ beeinflusst. Nach Studienlage liegt die Wahrscheinlichkeit für einen dauerhaften Erfolg im Daytrading bei unter einem Prozent.


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