20.09.2021

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Evangelische Kirche

Aktivismus statt Glaubensverkündigung

Mit der Wahl ihrer neuen Präses setzen die Protestanten ihren Weg zur politisch ausgerichteten NGO fort

Johannes Eisleben
19.05.2021

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) setzt ihren Weg zu einer politischen Aktivistenorganisation fort. Nach der Verkündung von „Zwölf Leitsätzen für eine aufgeschlossene Kirche“ im vergangenen Jahr, die von Kritikern eher als Programm einer NGO denn einer Hüterin des Glaubens interpretiert wurde, wurde vor wenigen Tagen die 25-jährige Studentin Anna-Nicole Heinrich zum neuen Präses der EKD-Synode gewählt. 

Sie hat damit das Amt inne, das nach dem Krieg zuerst von Gustav Heinemann bekleidet wurde. Der Präses leitet die Synode der EKD. Diese ist das gesetzgebende Organ der organisierten Protestanten und wählt den Rat, das exekutive Leitungsgremium der EKD. Der Präses ist auch Mitglied des Rates, der vom Ratsvorsitzenden, derzeit Heinrich Bedford-Strohm, geleitet wird. Seit 2003 war der Präses der Synode immer eine Politikerin, von SPD, Grünen oder zuletzt der FDP. Heinrich ist unverheiratet, kinder- und parteilos, sie hat einen Bachelor in Philosophie und ist 25 Jahre alt. Derzeit studiert sie den Masterstudiengang „Digital Humanities“. 

Funktionärin ohne Inhalte

Wofür steht Heinrich? Ihre öffentlichen Äußerungen nach der Wahl geben nicht viel her. Ihre theologische Position kann sie „nicht benennen“, sie möchte sich in der Kirche weiterhin für Digitalisierung einsetzen, nachdem sie andernorts bereits solche Projekte mitorganisiert hatte. Mit welchen Inhalten? Schwer zu sagen, denn Texte der Digitalaktivistin sind schwer zu finden, ihre Twitter- und Facebook-Accounts sind weitgehend inhaltsleer. Insbesondere finden sich keine theologischen oder politischen Inhalte, ihr Profil ist vielmehr das einer eifrigen Organisatorin im ehrenamtlichen Kirchenbereich, die mit dem Emoji-durchsetzten Jargon der Netzjugendsprache operiert. 

Einen Hinweis gibt allerdings die Forschungsausrichtung von Professor Ute Leimgruber, für die Heinrich als „Hiwi“ arbeitet: Sie arbeitet an Themen wie Diskriminierungs- und Exklusivierungsdynamiken wie Rassismus und Sexismus, Rezeption postkolonialer Theorien der Theologie sowie theologisch-feministische Forschung unter Berücksichtigung von Intersektionalitätsansätzen. Leimgruber ist eine Vertreterin des autodestruktiven, selbstnegierenden Denkens, das sich in den letzten Jahrzehnten von französischen und US-amerikanischen Dekonstruktivisten und Identitätstheoretikern wie Derrida und Butler ausgehend in die Geisteswissenschaften hineingefressen hat. Das Ziel ist die Überwindung der Kultur des Abendlandes, die zivilisatorische Errungenschaften wie die Menschenrechte, die doppelte Buchführung und die Infinitesimalrechnung hervorgebracht hat, und ihr Ersatz durch einen sozialistisch-pseudohumanitären Weltstaat. 

Heinrich wird kaum bei Leimgruber arbeiten, ohne deren Forschungsinhalte zumindest nicht abzulehnen. Sie ist eine Aktivistin aus dem Milieu der Zivilisationsnegierer, aber mit den allerbesten moralischen Absichten. Es ist bezeichnend, dass die Synode solch eine Frau gewählt hat. 

Der eigentliche Auftrag

Die Hauptaufgaben der Kirche sind jedoch Bekenntnis und Verkündigung einerseits sowie Seelsorge und Diakonie andererseits. Dabei muss der dreieinige Gott, der Mensch geworden ist, um uns zu erlösen und Gnade zu schenken, stets im Mittelpunkt des kirchlichen Handelns stehen. Die Kirche ist zuständig dafür, den Gläubigen dabei zu unterstützen, sein individuelles Verhältnis zu Gott zu finden und im aktiven Glauben zu leben. Aktiver Glaube ist der Versuch der Nachfolge Christi. Dem muss die Kirche dienen. 

Doch die Leitung der evangelischen Kirche setzt hauptsächlich auf politischen Aktivismus, wie ihre Leitsätze belegen. Diese skizzieren im Wesentlichen den Aufbau und die Ziele einer Aktivistenorganisation. Wie der Theologe Günter Thomas gezeigt hat, vertreten die Leitsätze: (1) die Vorstellung von der Kirche als einer politisch-moralischen „NGO-Bewegungskirche“, sie befürworten (2) ein Engagement ohne Kirchenmitgliedschaft, können (3) die Frage nicht beantworten, wie und warum Menschen zu Christen werden, schweigen (4) im Wesentlichen zur Gottesfrage, können (5) kein überzeugendes Verständnis der Rolle von Laien in der Kirche entwickeln, bieten (6) keine sinnvolle Beschreibung der Rolle der Kleriker in der Kirche und sind (7) nicht in der Lage zu definieren, was das unverwechselbare Kernprodukt der Kirche sein soll. 

Es wird interessant zu sehen, wie sich Heinrich hier inhaltlich positioniert. Am Ökumenischen Kirchentag, der am vergangenen Wochenende in Frankfurt stattfand, hat sie an einigen Veranstaltungen als Besucher, aber nicht in ihrer Funktion als Präses teilgenommen.



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Kommentare

Tom Schroeder am 20.05.21, 19:20 Uhr

Lieber sitra achra,

Ihre klare Haltung finde ich beachtenswert - meine Hochachtung, meine ich ernst. Dennoch habe ich einen Verwandten, der schwul ist, nicht ich selbst - ich bin schon lange mit Frau verheiratet und aufgrund meines Alters aus dem Hormon-Zeugs so gut wie raus, - er sagt, dass er mit Frauen einfach nicht "in die Gänge kommt" und er leidet sehr darunter, denn die Homo-Welt bietet seinen Aussagen dazu offenbar nur seltsames Gebaren und schnellen Sex, statt lebenslanger Beziehung. Das erkläre ich immer noch mit natürlicher Neigung - an der Erziehung der Eltern kann's nicht liegen, denn die sind eher verwundert. Mit "Erbträger" lässt sich das kaum ermitteln, vielleicht war ja ein Großonkel verdeckt schwul, wer weiß das schon. Dass Sie dann doch entspannt mit den Leutchen kommunizieren finde ich großartig. Es lebe die Akzeptanz!

Ach so: Bei der gesellschaftlichen Perspektive gebe ich Ihnen weitgehend Recht - das geht in die dafür vorgesehene Hose, wenn's so weitergeht oder noch grün gesteigert wird!

Gruß,
Tom

sitra achra am 20.05.21, 11:27 Uhr

Lieber Tom,

ich muss zu Ihrem Bedauern konstatieren, dass ich leider nicht schwul bin. Diese ausgrenzende Erfahrung habe ich auf einem reinen Jungengymnasium gemacht, wo dazu reichlich Gelegenheit gewesen wäre. Hätte ich gewusst, dass eine solche Einstellung mal mainstream werden würde, hätte ich vielleicht Konzessionen gemacht und zumindest zum erweiterten, demokratisch vorbildlichen Fankreis gehört.
Außerdem ist es genetisch nicht erwiesen, dass es homosexuelle Erbträger gibt. Deswegen halte ich es für falsch, dies pauschal auf die "Natur" zu schieben.
Meine Auffassung ist hingegen, dass die Verschwulung der Gesellschaft aus dubiosen Gründen staatlich gefördert wird. Und da landen wir analytisch wieder bei der linksgrünen Jauchegrube, die auf die Zersetzung der traditionellen und bewährten Familienstrukturen hinarbeitet. Diesem Auswurf will ich um keinen Preis angehören und selbst, wenn's blitzt und donnert.
Ich möchte noch ohne Selbstlob erwähnen, dass ich mit geschlechtlich anders Geprägten entspannt kommuniziere, sie sind nicht meine Feinde, im Gegenteil.
Da ich meinen Glauben aber ernst nehme, möchte ich, dass sie in meiner Kirche keinen Platz finden und somit gegen fundamentale christliche Glaubensinhalte verstoßen.
Auch der Koran hat mit Bezug auf dieses Problem dankenswerterweise eine klare Einstellung.
Shalom!

Sonja Dengler am 20.05.21, 09:03 Uhr

Lieber Tom Schroeder, schwul-sein ist nicht von "der Natur vorgegeben" - es gibt kein Gen oder irgendeine Zelle im menschlichen Körper, die das "natürlich vorgeben" könnte. Es ist vielmehr eine Attitüde, irgendwann fand eine Verführung statt und, wie van Aardweg sagte, ist es vor allem eine "Deseas of selfpity" eine Krankheit aus Selbstmitleid. Eine Welle von Kirchenaustritten wird sicher folgen, davon ist auszugehen.

Daniel Oehler am 20.05.21, 07:40 Uhr

Ein dem aktuellen Zeitgeist angepasster politisch-korrekter Aktivismus ist für Kirchenführer(innen) so wichtig oder wichtiger als das Evangelium Jesu Christi? Das hatten wir bereits in den dunkelsten Tagen der deutschen Geschichte bei den sog. "Deutschen Christen".

Tom Schroeder am 19.05.21, 18:13 Uhr

Lieber sitra achra,

dass Sie sich an Segnungen von Schwulen stören finde ich selbst verstörend - Schwulsein ist keine Verirrung oder heilbare Krankheit, s0ndern von der Natur vorgegeben. Oft ist es so, dass die schwulen-feindlichsten Menschen selbst solche Neigungen in sich vorfinden und durch extreme Ablehnung das kaschieren wollen - sei's drum, ist jedem seine individuelle persönliche Sache.

Ich selbst bin schon nach den ersten 3 Monatsgehältern in den 80ern ausgetreten, weil ich mir das Geld sparen wollte, zuvor schickte mir damals irgend so eine Gemeinde, damals in München, einen Kirchgeldbescheid - sah aus wie ein Bescheid einer Behörde und ich wette viele haben es dann einfach bezahlt. Für mich ein Anstoß sofort am nächsten Tag auszutreten - "ich bin klein, mein Herz ist rein, darum komm ich in den Himmel rein" - habe ich schon als Kind nicht geglaubt! Für mich sind diese monotheistischen missionierenden Religionen schon eine seltsame Sache, insbesondere der Glaube an EINEN Grundgütigen im Himmel, wissenschaftlich völlig unmöglich und daher nichts mehr als eine Versinnbildlichung des Unerklärbaren. Schlaues Geschäft mit dem Jenseits - lässt sich nicht zu Lebzeiten überprüfen! Austreten ist die einzige Option, denn wer an Gott glaubt braucht nicht unbedingt desen angebliches Bodenpersonal.

sitra achra am 19.05.21, 11:26 Uhr

Dieser christenfeindliche Aktivistenverband der ehemals evangelischen Kirche wechselt wohl
jetzt vollständig zu Rotfront.
Ich kann mir vorstellen, dass daraufhin die Kirchenaustritte zunehmen werden. Der geistige Müll, den dieser Kadaver ausstreut, steht in Konkurrenz zu wesentlich erfolgreicheren Organisationen. Der Wettbewerb in diesem Politsektor ist einfach zu hart, um damit zu punkten.
Man kann nur hoffen, dass die katholische Kirche nicht den gleichen Irrweg einschlägt. Die stattgefundene Segnung von Schwulen lässt allerdings die Alarmglocken schrillen. Nur ein typisch deutsches Phänomen?

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