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Königsberg

Alles rund um Bernstein im Wrangelturm

Leerstand seit 2015 – Jetzt soll der ehemalige Festungsturm ein Zentrum für Hersteller und Verarbeiter werden

Jurij Tschernyschew
24.07.2020

Der Wrangelturm wird zur Nutzung an den Verband der Bernsteinindustrie übergeben, zu dem private Unternehmen für die Verarbeitung von Bernstein und der Herstellung von Bernsteinprodukten sowie das Bernsteinwerk gehören. Gegenwärtig laufen Gespräche mit der Regionalregierung über einen entsprechenden Vertrag. Als Ergebnis ist ein multifunktionales Bernsteinzentrum für den Turm geplant. Es wird erwartet, dass das Zentrum die Zusammenarbeit von Designern und Entwicklern neuer Arten von Fertigprodukten aus Bernstein ermöglichen wird. Touristen sollen künftig nicht nur den Prozess der Herstellung von Bernstein-Produkten beobachten können, sondern auch an deren Bearbeitung teilhaben.

Die Mitglieder des Verbands stimmten dem Vertragsentwurf mit den regionalen Behörden zu. Die Gesamtkosten und die Finanzierungsquellen sind noch nicht festgelegt. Es gibt eine vorläufige Vereinbarung, dass Mittel für die Grundsanierung des Wrangelturms aus dem regionalen Haushalt bereitgestellt werden können.

Der Verteidigungsturm wurde zwischen 1853 und 1858 als Teil der Königsberger Stadtbefestigung erbaut. Während des Ersten Weltkriegs beherbergte er das städtische Lazarett für die Verwundeten, später befand sich in dem Turm ein Jugendklub für Touristen. Während der Bombardierung im Zweiten Weltkrieg wurden die Mauern zwar beschädigt, aber nur leicht. Nach dem Krieg blieb das Gebäude lange Zeit ungenutzt, danach befand sich dort ein Gemüsedepot. Durch den Erlass des russischen Ministerrats vom 30. August 1960 wurde der Wrangelturm unter staatlichen Schutz gestellt. Mitte der 1990er Jahre wurde das Anwesen unter der Bedingung, dass er es restauriert, an einen Pächter übergeben, doch seit Anfang 2015 steht der Wrangelturm leer. Damals wurde der Pächter der Einrichtung, die Firma „Art and K", von dort vertrieben, die den Turm ab 1996 betrieben hatte. Im April 2014 kündigten die regionalen Behörden den Pachtvertrag mit „Art and K", da es viele Beschwerden gegen den Pächter gab. Die Direktorin der Privatfirma, Inna Krylowa, die das Architekturdenkmal für 49 Jahre mietkostenfrei erhielt, unter der Bedingung, das Gebäude zu restaurieren, behauptete, es sei nach und nach so weit wie möglich in Ordnung gebracht worden.

Sie hatte ein Restaurant und ein Antiquitätengeschäft eröffnet. Der Wrangelturm wurde auch als Veranstaltungsort für Konzerte von Königsberger Rockbands genutzt, und das Königsberger Rock-Festival hatte dort jährlich stattgefunden. Der Fall landete schließlich vor Gericht.

Im Februar 2015 versiegelten Gerichtsvollzieher den Eingang zum Turm, weil die Pächter ihre Berufung vor dem Schiedsgericht verloren hatten. Der Turm wurde seither nicht mehr genutzt, dennoch wurden Mittel aus dem Stadthaushalt für seine Erhaltung bereitgestellt.

In den folgenden Jahren wurden verschiedene Konzepte der Gebäudenutzung vorgestellt, die sich alle auf Bernsteinthemen bezogen. Es wurde vorgeschlagen, eine Kopie des Bernsteinzimmers dort aufzustellen. Es wurde über Sponsoren und Mäzene berichtet, die im Turmgebäude ein Museum eröffnen wollten. Später wurden die Eröffnung eines paläontologischen Zentrums und eine Ausstellung über die Geschichte des Bernsteins angekündigt.

Im Jahr 2019 versprach Gouverneur Anton Alichanow, im Jahr 2020 neue Mittel für Restaurierungsarbeiten bereitzustellen. Gleichzeitig wurde über Pläne berichtet, einen kostenlosen Raum für Künstler einzurichten, die mit Bernstein arbeiten. Nun soll hier tatsächlich ein multifunktionales Bernsteinzentrum entstehen.

 



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