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Vor 80 Jahren an Bord der „Prince of Wales“: Franklin D. Roosevelt und Winston Churchill (sitzend, von links)
Foto: MauritiusVor 80 Jahren an Bord der „Prince of Wales“: Franklin D. Roosevelt und Winston Churchill (sitzend, von links)

Atlantik-Charta

Als die USA zur globalen Führungsmacht wurden

Vor 80 Jahren legten Franklin D. Roosevelt und Winston Churchill ihre Prinzipien einer weltweiten Kooperation dar. Diese gilt als wichtiger Markstein auf dem Weg zur Gründung der Vereinten Nationen

Erik Lommatzsch
13.08.2021

Die hehre und zugleich naive Idee, die Menschheit könne einen dauerhaften Weltfrieden herstellen, ist alt. Als konkretes Unterfangen, Kriege zwischen den Staaten künftig ganz zu unterbinden, gelten die Haager Friedenskonferenzen von 1899 und 1907. Mit seinem 14-Punkte-Programm vom Januar 1918 wollte der US-amerikanische Präsident Woodrow Wilson nicht nur das weltkriegserschütterte Europa ordnen, sondern er dachte global und sprach davon, dass eine „allgemeine Gesellschaft der Nationen“ geschaffen werden müsse. Apostrophiert wird Wilson gern als „Initiator des Völkerbundes“, der im Januar 1920 gegründet wurde.

Angesichts des Zweiten Weltkrieges hat der Völkerbund, der formal bis zum April 1946 bestand, bei seiner Hauptaufgabe, der friedlichen Beilegung von Konflikten, versagt. Die Interessengegensätze ließen sich nicht annähernd ausgleichen. Das Deutsche Reich etwa erklärte im Oktober 1933 seinen Austritt, die Sowjetunion wurde 1939 ausgeschlossen, die USA hatten ihm gar nicht erst angehört.

Treffen auf der „Prince of Wales“

Vor 80 Jahren, am 14. August 1941, wurde die Atlantik-Charta bekannt gemacht. Diese Erklärung gilt als maßgeblich für das Zustandekommen der nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges gegründeten Vereinten Nationen (UN). Die Initiative hatten der britische Premierminister Winston Churchill und abermals ein US-Präsident, Franklin D. Roosevelt, ergriffen. Nach dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 war der Handlungsdruck verstärkt worden.

Keine zwei Wochen zuvor hatten zudem Vertreter Großbritanniens und anderer Commonwealth-Staaten mit den Repräsentanten von acht Exil-Regierungen sowie Vertretern von France libre (freies Frankreich) in London die Erklärung von St. James verabschiedet. Diese gilt als erste gemeinsame Zielfestlegung von alliierten Verbündeten des Zweiten Weltkrieges. Unter anderem heißt es dort, die einzige Basis eines dauerhaften Friedens sei „die Bereitschaft freier Völker zur Zusammenarbeit in einer von der Bedrohung der Aggression befreiten Welt“.

Churchill und Roosevelt waren vom 9. bis zum 12. August 1941 zusammengetroffen, unter höchster Geheimhaltung. Die beiden Regierungschefs vereinbarten auf dem britischen Schlachtschiff „Prince of Wales“ vor der kanadischen Insel Neufundland die Atlantik-Charta.

Im Vorsatz betonen sie, es handle sich um „gewisse allgemeine Grundsätze der nationalen Politik ihrer beiden Länder“, von denen sie „eine bessere Zukunft für die Welt erhoffen“. In acht Punkten erfolgt die Darlegung. Erstens erklären sie, ihre Staaten „streben nach keiner Vergrößerung“, zweitens, sie „wünschen keine territorialen Änderungen, die nicht mit dem frei zum Ausdruck gebrachten Wunsch der betreffenden Völker übereinstimmen“. Drittens sei es „das Recht aller Völker, sich die Regierungsform zu wählen, unter der sie leben wollen“, dort, wo die Selbstregierung „mit Gewalt genommen“ wurde, solle sie wieder hergestellt werden. Viertens wird postuliert, dass „künftig alle Staaten ... Zugang zum Handel und den Rohmaterialien der Welt haben“ sollten. Die „engste Zusammenarbeit aller Nationen auf wirtschaftlichem Gebiet“ wird im fünften Punkt „gewünscht“. Sechstens erklären Roosevelt und Churchill, sie hofften „nach der endgültigen Vernichtung der Nazityrannei ... auf einen Frieden, der allen Nationen die Möglichkeit bietet, innerhalb der eigenen Grenzen sicher zu leben“. Der siebente Punkt führt fort, ein solcher Friede müsse es gestatten, „ungehindert die Meere und Ozeane zu überqueren“. Unter dem abschließenden achten Punkt erklären sie, dass „sie glauben, dass alle Nationen der Welt ... dazu kommen werden, auf Gewaltanwendung zu verzichten“.

Da künftig der Friede nicht aufrechtzuerhalten sei, solange Rüstungen „von Nationen weiterhin zum Angriff außerhalb der Grenzen eingesetzt werden“, hielten sie es für wesentlich, „diese Nationen zu entwaffnen, bis ein umfassenderes und dauerhaftes System der allgemeinen Sicherheit geschaffen wurde“. Zu unterstützen sei jeder Schritt, „der dazu dient, friedliebenden Völkern die erdrückende Last der Rüstung zu erleichtern“.

Wendepunkt in der US-Außenpolitik

Die Atlantik-Charta wird als endgültiger Wendepunkt in der US-Außenpolitik angesehen, die sich zuvor auf Neutralität berufen hatte. Eine Abkehr davon war allerdings schon mit dem im Februar 1941 verabschiedeten Lend-Lease Act (Leih- und Pachtgesetz) deutlich geworden. Damit waren US-amerikanische Waffenlieferungen an Kriegsgegner der Achsenmächte möglich. Im Dezember 1941 traten die USA schließlich selbst in den Krieg ein. Vor allem aber markiert die Atlantik-Charta den Beginn der weltpolitischen Führungsrolle der USA.

Die Sowjetunion, France Libre sowie neun europäische Exilregierungen unterzeichneten die Vereinbarungen am 24. September 1941. Die Declaration by United Nations (Deklaration vereinter Nationen) wurde am 1. Januar 1942 in Washington verabschiedet, auch China unterstützte damit die Prinzipien der Atlantik-Charta.

Mit der Akzeptanz der „Grundsätze“ war es nicht allzu weit her, sofern sie mit Interessen der Unterzeichner kollidierten. So hatte sich Churchill von Anfang an gegen eine Anwendung der Atlantik-Charta auf das Commonwealth verwahrt. Auch die Sowjetunion entschied später über ihren Einflussbereich nach eigenem Gutdünken. Polen wollte seine Ansprüche auf Danzig, Ostpreußen und Oberschlesien ebenso wenig zurückstellen wie die Tschechoslowakei auf das Sudetenland.

Dennoch war beharrlich an der Verfestigung der Idee des abermaligen allumfassenden internationalen Zusammenschlusses gearbeitet worden. Als weitere Stationen auf dem Weg zur UN gelten die Treffen von Vertretern Großbritanniens, der USA und der Sowjetunion auf der Moskauer Konferenz von 1943, auf der Konferenz von Dumbarton Oaks von 1944, hier unter Beteiligung Chinas, sowie Vereinbarungen zwischen Churchill, Roosevelt und Josef Stalin auf der Konferenz von Jalta im Februar 1945.

Die Charta der Vereinten Nationen trat schließlich am 24. Oktober 1945 in Kraft. Der Verlauf der weiteren Geschichte, die gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen den Staaten bis heute, wenn auch nicht im Weltkriegsmaßstab, sowie die Existenz freiheitsfeindlicher Regime zeigen die engen Grenzen der schlichtenden Wirksamkeit dieses globalen Zusammenschlusses und dessen Ausnutzbarkeit für Sonderinteressen.



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Kommentare

Michael Holz am 15.08.21, 14:17 Uhr

Die "Atlantik-Carta", die spätere NATO und die UNO sind Klubs der Heuchler und Machtgeilen. Auch wenn die Bosse dieser Vereine Krokodilstränen weinen, bleiben sie Heuchler, Unterdrücker und Diebe.
Diese Form der Organisation wäre theoretisch geeignet, in der Welt den Frieden zu erhalten und schaffen. Ihre Existenz hat bewiesen, das sie es nicht können und wollen.

Tom Schroeder am 13.08.21, 13:51 Uhr

Unter amerikanischer Hegemonie war ich bis heute jeden Tag satt, hatte warme Kleidung, konnte bis auf die letzte Zeit unter Merkel immer meine Meinung sagen und fast überall hinreisen - hoffentlich bleibt das so!

Siegfried Hermann am 13.08.21, 09:29 Uhr

Werter Herr Lommatzsch,

das ist doch links-bunte Folklore, die heute unserer Jugend eingetrichtert wird, ausgedacht in den US-Thinktanks, die mit der Wirklichkeit absolut nix tun hatte.
Einige Eckpunkte:
Auf den Zionistischen US-Weltkongress um 1900 (!!!) , wurden Kriegsvorbereitung gegen das Deutsche Kaiserreich beschlossen. Die britische Administration mit ihren MI-6 hat 15 Jahre akribisch das Attentat auf den österreichischen Thronfolger vorbereitet und mittels serbischer Knalltüten durchgeführt.
1918 waren die USA der größte Gläubiger der Welt und das Empire nur noch ein Schatten seiner selbst.
Das Vermögen der Deutschen wurde unter den Kriegsparteien als Beute aufgeteilt.
Weil das aber immer noch nicht reichte und besonders das Kabinett Hitler Deutschland wie ein Phönix aus der Asche aufstiegen ließ und der Great Deal sprichwörtlich in der Großen 30ziger Dürre versandete, wurde schon 1937 (!!) US-Kriegsvorbereitungen gegen das Reich getroffen. Gerade von Churchill und Roosevelt sind aus dieser Zeit Reden bekannt, die Deutschland (!!) und nicht Hilter vernichtet sehen wollten. Churchill hat nach den Krieg kein Hehl draus gemacht und 1946 in einer Rede vor dem Unterhaus den Krieg damit gerechtfertigt.
Ach ja. Die Zionisten haben 1932 (!!), also bevor Hitler überhaupt Reichskanzler wurde, Deutschland und nicht Hitler den Krieg erklärt.
Der Krieg gegen die Sowjetunion sollte man ab sofort als Präventiv-Krieg einordnen. Israel wird das zugestanden!! Uns nicht!!
Jetzt zur UNO.
Mag sein, das die UNO offiziell erst nach Kriegsende gegründet wurde, aber, es bestand vor allem auf Betreiben und massiven Druck der USA ein Zweckbündnis gegen das Deutsche Reich, denen alle Rohstoff-ergiebigen Länder unter US-Kontrolle, vor allen in Südamerika, beitreten mussten, ansonsten half die OSS/CIA kräftig nach. Was meinen Sie, warum die Amis bei Peron so verhasst war!? Hätten die Amis faire Preise gezahlt, wäre Argentinien aus den Miesen gekommen. Bolivien, Peru, Chile dito.
Die USA haben dieses "UNO-Abkommen" gnadenlos ausgenutzt, dass sie selbst weit NACH Kriegsende gigantische Rohstofflager zum peanuts-Preis aufbauen konnten.

Da müssen Sie sich die Frage gefallen lassen: Warum gibt es in der UNO immer noch eine Feindstaatenkausel gegen Deutschland 70 Jahre nach Kriegsende!!!??? Warum ist Deutschland immer noch besetzt, selbst 30/25 Jahre Mauerfall und WP-Bündnisende???
Warum wird die Kanzlerakte nicht veröffentlicht, in der bis 2090 Deutschland noch besetzt beleiben soll und jeder der Kanzler werden will, das unterschreiben muss. link Egon Bahr.
Fazit:
Die Uno ist und bleibt ein Vehikel der US imperalen Außenpolitik, egal wie viele Jesuse dort mit pease und Love-Gesänge auftreten. Es geht nur um Macht, Geld und Einfluss.
Deutschland sollte sich aus diesen miesen Kaspertheater verabschieden. Die über 300 Mio. Euro "Mitgliedsbeiträge" jährlich sind tausendmal in der Eifel besser angelegt.
Mahlzeit!

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