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Mit Angehörigen der Zyprischen  Nationalgarde, die  wenige Monate später versuchen sollte, ihn zu stürzen und zu  beseitigen: Zyperns  Staatspräsident  Erzbischof Makarios III. Anfang des Jahres 1974
Foto: Ullstein/Nicholas TsikouriasMit Angehörigen der Zyprischen Nationalgarde, die wenige Monate später versuchen sollte, ihn zu stürzen und zu beseitigen: Zyperns Staatspräsident Erzbischof Makarios III. Anfang des Jahres 1974

Südosteuropa

Als Griechenlands Militärdiktatur endete und Zyperns Teilung begann

Vor einem halben Jahrhundert putschte die Zyprische Nationalgarde mit griechischer Unterstützung letztlich erfolglos gegen ihren Präsidenten Erzbischof Makarios III.

Wolfgang Kaufmann
11.07.2024

Am Morgen des 15. Juli 1974 attackierten Angehörige der Zyprischen Nationalgarde den Palast des Präsidenten der Republik Zypern, Erzbischof Makarios III., eigentlich Michail Christodoulos Mouskos. Daraus folgten zwei historische Ereignisse: die bis heute bestehende politische Teilung der Insel Zypern und der Sturz der Militärdiktatur in Athen, durch den Griechenland seinen Weg in die Europäische Union fand.

Ziel des Putsches gegen Makarios war der Anschluss Zyperns an Griechenland unter Verletzung der Züricher und Londoner Abkommen vom Februar 1959, die der ehemaligen britischen Kronkolonie Zypern mit ihrer gemischten griechisch-türkischen Bevölkerung die Unabhängigkeit garantierten. Der Entschluss, Makarios zu beseitigen, resultierte nicht zuletzt aus einem Schreiben des Präsidenten an die Junta in Athen vom 2. Juli 1974, in dem er den Abzug aller griechischen Militärangehörigen aus Zypern forderte und das sogenannte Regime der Obristen in Athen kritisierte.

Griechenlands Militär hatte am 21. April 1967 unter der Führung von Oberst Georgios Papadopoulos, Brigadegeneral Stylianos Pattakos und Oberst Nikolaos Makarezos in einem Militärputsch die Macht an sich gerissen. Obwohl die Militärjunta wenig Ansehen im In- und Ausland genoss, konnte sie sich jahrelang an der Macht halten, weil die USA wie auch die von diesen geführte NATO aufgrund der Entwicklungen im Nahen Osten auf die militärische Kooperation mit ihr angewiesen zu sein glaubten. So stellte die Junta beispielsweise Stützpunkte für die 6. US-Flotte im Mittelmeer zur Verfügung, wofür Washington im Gegenzug Waffen an die griechische Armee lieferte.

Kontraproduktive Zypernpolitik des Regimes der Obristen
Allerdings gelang es der von Athen aus gesteuerten Zyprischen Nationalgarde unter dem Kommando von Brigadegeneral Michalis Georgits und Oberst Konstantinos Kombokis nicht, Makarios in seinem brennenden Palast in Nicosia zu ermorden. Der Präsident konnte nach Paphos im Südwesten der Insel fliehen. Dort rief er zum Widerstand gegen die Putschisten auf. Danach flog er mit einer britischen Militärmaschine via Malta nach London.

Die Türkei nahm die Aktion der Nationalgarde zum Anlass, auf Zypern militärisch zu intervenieren. Dazu war sie als Schutzmacht der zyprischen Unabhängigkeit gemäß den Artikeln II und IV des Londoner Abkommens von 1959 berechtigt. Fünf Tage nach dem Putsch gegen Makarios und der Installierung der Athener Marionette Nikos Sampson, eigentlich Nikolaos Georgiades, als Nachfolger des Erzbischofs startete das türkische Militär die Operation Attila, die Invasion auf Zypern. Diese verlief zunächst fast ungestört, weil die Fahrt der türkischen Invasionsflotte Richtung Zypern in Athen als „Übung“ fehlinterpretiert wurde. Dann machte die Junta gegen die Türkei mobil, indem sie 200.000 Mann für eine Bodenoffensive in Thrakien bereitstellte und weitere Truppen mit Panzern auf die griechischen Inseln verlegen ließ.

Am 22. Juli 1974 begann die zweite türkische Angriffswelle in Nordzypern. Daraufhin ergriff die Opposition innerhalb der griechischen Armee die Initiative. Zunächst erklärten einige hohe Militärs, dass es keine Möglichkeit gebe, die Zyprische Nationalgarde in ihrem Abwehrkampf gegen die Türken zu unterstützen, dann forderten 250 Offiziere in Makedonien die Demission der Regierung in Athen und die Rückkehr des Königs. Anschließend führten Generalleutnant Ioannis Davos, der Kommandeur des kampfstarken III. Armeekorps in Thessaloniki, und der Marinechef Vizeadmiral Petros Arapakis den finalen Schlag gegen die Junta, indem sie diese am Morgen des 23. Juli für abgesetzt erklärten.

Dem folgte die umgehende Ankündigung, die Macht im Lande wieder an eine zivile Regierung zu übergeben. Daraufhin trat bereits am Folgetag ein entsprechendes Kabinett unter Konstantinos Karamanlis zusammen, der bereits 1955 bis 1963 Griechenlands Ministerpräsident gewesen war. Karamanlis gelang es, den Übergang von der Diktatur zur Demokratie zu meistern. In diesem Zusammenhang fand auch eine strafrechtliche Verfolgung der Putschisten von 1967 und weiterer Junta-Mitglieder statt. Papadopoulos, Pattakos und Makarezos wurden im August 1975 wegen Hochverrates zum Tode verurteilt, eine Strafe, die später in lebenslange Haft umgewandelt wurde. Ebenso kam der Brigadegeneral und Chef der Militärpolizei ESA, Dimitrios Ioannidis, für immer hinter Gitter. Er galt als die graue Eminenz der Junta und war der Drahtzieher des Putsches gegen Makarios gewesen. Ioannidis saß bis zu seinem Tod im August 2010 im Korydallos-Gefängnis bei Piräus ein.

Die Türkei erhält eine Rechtferti­gung zur Invasion Zyperns
Karamanlis erklärte sofort nach der Regierungsübernahme, er werde „Zyperns Unabhängigkeit und territoriale Integrität mit aller Macht verteidigen“, während auf der Insel der erste Parlamentspräsident der Republik Zypern nach Erlangung der Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich, Glafkos Klerides, an die Stelle von Sampson trat und verlautbarte, er betrachte Makarios „nach wie vor als rechtmäßigen Präsidenten“ und agiere daher nur als dessen Stellvertreter. Makarios selbst kehrte am 7. Dezember 1974 unter frenetischem Jubel der griechischstämmigen beziehungsweise griechischen Bevölkerung nach Zypern zurück und amtierte bis zu seinem Tode am 3. August 1977 weiter als Präsident der Republik Zypern.

Mit der beschriebenen Entwicklung Richtung Status quo ante begnügte sich Ankara jedoch nicht. Am 14. August 1974 überschritt es seine Kompetenzen als Garantiemacht. Seine Landungstruppen auf Zypern starteten eine Großoffensive, in deren Verlauf diese mehr als ein Drittel der Insel besetzten. Die Streitmacht Ankaras rückte immer weiter nach Süden vor, um ein möglichst großes Gebiet zu erobern, in dem die türkischen Zyprioten dann Autonomierechte genießen sollten. Karamanlis wollte massiv zurückschlagen, wurde aber von seinen eigenen Generälen gebremst.

Damit war der Weg frei für eine schrittweise Teilung Zyperns. Am 1. Oktober 1974 wurde die bereits vor dem Putsch gegen Makarios bestehende Türkische Verwaltung Zyperns für die mehrheitlich von Türken beziehungsweise Türkischstämmigen bewohnten Gebiete der Insel zur Autonomen Türkischen Administration auf Zypern aufgewertet. Am 13. Februar des Folgejahres wurde mit dem Türkischen Föderativstaat von Zypern ein türkischer Teilstaat im zyprischen Gesamtstaat ausgerufen. Und am 15. November 1983 schließlich erklärte sich der Teilstaat als Türkische Republik Nordzypern für unabhängig. So führte der Putsch auf Zypern vor einem halben Jahrhundert zum Ende der griechischen Militärdiktatur und zur Teilung Zyperns.


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