04.02.2026

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Wenig erfolgreich: Arbeitsvermittlungsstelle in Allenstein
Bild: D.K.Wenig erfolgreich: Arbeitsvermittlungsstelle in Allenstein

Allenstein

Anstieg der Arbeitslosenquote im südlichen Ostpreußen

Große Unterschiede zwischen Stadt und Land – Niedrigere Löhne in der Region führen zum Wegzug qualifizierter Arbeitskräfte

Dawid Kazanski
04.02.2026

Die jüngsten Zahlen zum Arbeitsmarkt im südlichen Ostpreußen zeichnen ein ernüchterndes Bild. Laut Statistik lag die registrierte Arbeitslosenquote im September 2025 bei 8,7 Prozent, was etwa 41.000 registrierten Arbeitslosen entspricht. Das zeigt einen deutlichen Abstand zum nationalen Durchschnitt und zeigt, dass die Region wirtschaftlich weiterhin hinterherhinkt.

Warum ist der Anteil Arbeitsloser hier vergleichsweise hoch? Man kann das als Folge mehrerer ineinandergreifender Faktoren verstehen. Erstens macht die starke Abhängigkeit von Landwirtschaft, Tourismus und kleineren, oft saisonalen Dienstleistern den Arbeitsmarkt verwundbar gegenüber jahreszeitlichen Schwankungen und Konjunkturabschwüngen. Zweitens wirkt sich die demografische Entwicklung negativ aus. Ein anhaltender Geburtenrückgang, die Abwanderung junger, gut ausgebildeter Menschen in wohlhabendere Regionen und ein überdurchschnittlich hoher Anteil älterer Erwerbsloser verschlechtern die Beschäftigungsfähigkeit und reduzieren die lokale Nachfrage. Drittens bleiben Löhne und produktionstechnische Investitionen hinter dem Landesdurchschnitt zurück, sodass sich Unternehmen mit moderneren Betrieben weniger häufig hier ansiedeln.

Schnitt zwischen Stadt und Land
Die Struktur der bestehenden Arbeitslosigkeit zeigt dabei überaus klare Muster: In vielen Landkreisen sind zweistellige Quoten zu finden, insbesondere in ländlichen Gebieten, während größere Städte wie Allenstein deutlich niedrigere Werte aufweisen. Es gibt einen hohen Anteil an Langzeitarbeitslosen, zugleich sind Jugendliche und weniger qualifizierte Arbeitskräfte besonders bedroht.

Diese Trennlinie zwischen Stadt und Land sowie zwischen den Qualifikationen unterstreicht die Abhängigkeit des regionalen Arbeitsmarkts von Bildungsangeboten, Mobilität und lokalem Investitionsklima. Sehr besorgniserregend ist außerdem die Meldung über angekündigte Personalentlassungen: Bereits im ersten Halbjahr 2025 hatten Arbeitgeber Entlassungsabsichten für mehrere Hundert Beschäftigte gemeldet. Solche Freisetzungen treffen lokale Arbeitsmärkte besonders hart, weil nachrückende Stellen meist nicht in gleichem Umfang vorhanden sind.

Behörden planen Gegenmaßnahmen
Statistische Vergleiche zeigen, dass das südliche Ostpreußen im Jahresverlauf stärker von Arbeitslosigkeit betroffen war als viele andere Regionen der Republik Polen: Die registrierte Arbeitslosigkeit hat gegenüber dem Vorjahr um fast ein Prozent zugenommen.

Vor diesem Hintergrund planen die regionalen Behörden und Arbeitsämter gezielte Gegenmaßnahmen. Geplant werden Programme zur beruflichen Weiterbildung und Umschulung, Förderungen für Unternehmensgründungen und Mikro-Unternehmen, Initiativen zur Anwerbung von Investoren in moderner Fertigung und grünen Technologien
sowie Ausbau von Beratungsdiensten zwischen Arbeitgebern und Arbeitsuchenden.

Zudem sollen Maßnahmen für strukturschwache Landkreise umgesetzt werden wie etwa Mobilitätszuschüsse, regionale Ausbildungszentren und Förderung digitaler Kompetenzen. Das Woiwodschafts-Arbeitsamt sowie regionale Behörden kommunizierten diese Pakete in Informationsbroschüren und regionalen Strategiedokumenten.

Entscheidend wird sein, ob es gelingt, junge Fachkräfte im Land zu halten oder zurückzugewinnen und ob private Investoren die Region als wettbewerbsfähig genug einschätzen, um sich hier niederzulassen. Eines bleibt jedoch klar: Ohne koordinierte, langfristige Strategie droht die Lücke zum nationalen Durchschnitt weiter zu wachsen.


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