29.01.2026

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Gewalt an Schulen: Atmosphäre von Angst und Aggression
Bild: IMAGO / imagebrokerGewalt an Schulen: Atmosphäre von Angst und Aggression

Bildung

Die Schulkrise kocht hoch

Zumeist migrantische Kinder: Landesregierung sucht nach Lösungen für massives Gewaltproblem

Hermann Müller
29.01.2026

Die Gewalt an Brandenburger Schulen hat mittlerweile solche Ausmaße angenommen, dass sich die Landesregierung mit dem Problem beschäftigt. Elternsprecher hatten am 11. Dezember vergangenen Jahres einen Brandbrief veröffentlicht, mit dem sie auf die Zustände an der Cottbuser Regine-Hildebrandt-Grundschule aufmerksam machten. In dem Brief war von Gewalt, Angst und Sprachbarrieren wegen eines vergleichsweise hohen Migrationsanteils die Rede: „Es kam wiederholt zu Schlägen, Tritten und Stürzen, deren Folgen ärztlich behandelt werden mussten“, so die Eltern.

Mitte Januar war die Situation in Cottbus Thema im Bildungsausschuss und im Innenausschuss des Landtages. Dort wurde bekannt, dass seit Ende Juni des vergangenen Jahres von einer polizeilichen Ermittlungsgruppe „Schule“ mittlerweile 108 Ermittlungsverfahren im schulischen Umfeld in Cottbus eingeleitet wurden. Die Palette der Delikte reicht von gefährlicher Körperverletzung über Bedrohungen und Beleidigungen bis zur Nötigung. Aggressivität und Gewaltbereitschaft hätten dabei eine hervorstechende Dimension, so Brandenburgs Innenminister René Wilke (SPD). Ein Großteil der Straftaten an Cottbuser Schulen soll auf eine Gruppe von etwa 60 zumeist migrantischen Jugendlichen zurückgehen.

Anstieg um 67 Prozent
Landesweite Zahlen zur Gewalt an Schulen legte am 15. Januar Innenstaatssekretär Frank Stolper im Bildungsausschuss des Landtages vor. Demnach stieg die Zahl der Fälle von Körperverletzung an märkischen Schulen von 2020 bis 2024 von 510 auf 853 – ein Zuwachs von mehr als 67 Prozent.

Als Reaktion auf die Gewaltvorfälle reagiert die Landesregierung mit einer Kurskorrektur in der Migrationspolitik. Nach einem Treffen mit dem Cottbuser Oberbürgermeister Tobias Schick (SPD)kündigte Innenminister Wilke Mitte Januar unter anderem an, die Verteilung von Migranten künftig gezielter zu steuern; dazu will Brandenburg eine Wohnsitzauflage einführen. Damit sollen Migranten mit Aufenthaltserlaubnis verpflichtet werden, an einem bestimmten Ort zu wohnen. Es gebe Viertel und Schulen, an denen sich „Probleme bündeln“, so der frühere Linke-Politiker Wilke.

Schick kündigte außerdem an, dass gewalttätige Schüler an anderen Stellen unterrichtet werden sollen: „Eines meiner Ziele bleibt es, wiederholt straffällig gewordene Kinder zunächst zeitweise an anderen Schulen außerhalb der Stadt Cottbus/Chóśebuz zu unterrichten.“ Die von der Gewalt betroffene Regine-Hildebrandt-Grundschule plant vorübergehende Lerngruppen für auffällige Schüler, um die Situation zu entschärfen. Die Erfahrungen, die andere Bundesländer mit solchen Lerngruppen gesammelt haben, lassen indes daran zweifeln, dass Brandenburg die Gewaltprobleme an den Schulen auf diese Weise wieder in den Griff bekommt.

Etwa in Berlin: Dort standen nach der Jahrtausendwende Schulen in Bezirken wie Neukölln nach dem PISA-Schock und Gewaltvorfällen unter enormem Druck. Als Reaktion machte die Behörde an Brennpunktschulen gesonderte Kleinklassen oder auch Beobachtungsklassen zum Standardmittel. Dabei wurden Schüler mit hohem Aggressionspotenzial oder massiven Lernrückständen aus dem Regelunterricht herausgenommen. An Brennpunktschulen betraf dies überproportional oft männliche Jugendliche mit Migrationshintergrund. Zum Teil entstanden Klassen mit komplett nicht-deutscher Herkunftssprache.

Projekt in Berlin gescheitert
Das Resultat war allerdings ernüchternd. Mit den sogenannten Beo-Klassen waren Parallelwelten innerhalb der Schule entstanden, in denen sich die Probleme konzentrierten. Es entwickelte sich oft genug sogar eine negative Eigendynamik, bei der sich die Gewaltneigung und Aggressivität in den Klassen zuspitzten.

Wie in Berlin stellten auch Nordrhein-Westfalen, Hessen und Hamburg fest, dass Schüler erst in den Sonderklassen eine „Karriere“ als Schwererziehbare einschlugen, von der sie nie wieder wegkamen. Auch die um das Jahr 2010 eingeleitete Kehrtwende, der Versuch einer radikalen Inklusion von Problemschülern, war kein Erfolg. In Klassen mit bis zu 25 Schülern fehlten gerade im Alltag des Berliner Schullebens die eigentlich notwendigen Sonderpädagogen.

Jüngster Trend ist nun ein hybrides Modell mit temporären Lerngruppen und „Schulstationen“. Dabei werden Kinder, die im Unterricht massiv stören, nur vorübergehend aus dem regulären Unterricht genommen. Allerdings ist auch hierfür zusätzliches pädagogisches Personal nötig. Jedoch fehlen in den Hauptstadtschulen angesichts von einem Höchststand der Schülerzahlen jede Menge Lehrer. Auch in Brandenburg ist im vergangenen Herbst das neue Schuljahr mit einem Lehrermangel mit so vielen sogenannten Quereinsteigern wie noch nie gestartet. Derweil erreichte Brandenburgs Schülerzahl den höchsten Stand seit dem Jahr 2015.


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