20.05.2024

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Östlich von Oder und Neiße

Auch in Ost-Guben wird das Stadion wieder schick

In den geteilten Städten liegen ruhmreiche Sportarenen auf der zur Republik Polen gehörenden Seite

Edmund Pander
12.04.2024

Mit der Grenzziehung an Oder und Neiße 1990 wurden die Städte Frankfurt (Oder), Guben, Forst (Lausitz) und Görlitz geteilt. Von Küstrin blieb der Bundesrepublik Deutschland nur ein ganz kleiner Teil. Die vier erstgenannten Städte verbindet, dass ihre legendären Sportanlagen an die Republik Polen fielen. Über die wohl markanteste Anlage verfügte Frankfurt, wo damals die Straßenbahn bis zum 1927 errichteten Stadion an der Kleisthöhe (später Ostmarkstadion) verlängert wurde. Das Stadion mit seinem imposanten Arkadenbogen wurde 2003 renoviert und steht als architektonisches Denkmal heute unter Schutz.

In Görlitz fiel der Schenkendorffplatz, ebenfalls ein Großprojekt der Zwischenkriegszeit, an die Republik Polen. Sowohl das durch die Radsport-Friedensfahrt bekannte Stadion der Freundschaft als auch die „Junge Welt“ des „Niederschlesischen FV Gelb-Weiß 09“ sind Neubauprojekte aus DDR-Zeiten.

In Forst (Lausitz) ist das ebenfalls in der Zwischenkriegszeit gebaute Großstadion am Wasserturm zwar auf bundesdeutscher Seite verblieben, doch das „Manchester an der Neiße“ verlor seine Osthälfte nicht nur an die Republik Polen, sondern zudem an die Natur. Die zur Republik Polen gehörende Stadthälfte wurde nämlich nach dem Krieg komplett abgerissen, womit die in der Pionierzeit des Fußballs überaus erfolgreichen Vereine Viktoria und Askania Forst und mit ihnen ihre Stadien im Dickicht verschwanden und heute „Fußballarchäologen“ anziehen. Immerhin waren beide Klubs einst südostdeutsche Regionalmeister und standen in Endrunden der Deutschen Fußballmeisterschaften.

Auf- und Abstieg einstiger Fußballsterne
Imposant wie das Stadion an der Kleisthöhe stellt sich auch das Stadion von Ost-Guben [Gubin] dar. Als der Forster Fußballstern in den 30er Jahren bereits im Sinkflug war, übernahm der 1. FC Guben an der Lausitzer Neiße das Zepter übernommen und 1934 die Aufstiegsspiele zur erstklassigen Gauliga Brandenburg gegen den Viktoria-Forst-Nachfolger FC 01 und gewann. In einer Liga, in der außer Guben sonst nur zehn Spitzenklubs der Hauptstadt Berlin spielten, folgte jedoch der umgehende Abstieg. Die am 1. Juni 1935 im Rahmen des NSDAP-Gautages eingeweihte „Jugendkampfbahn“ für 25.000 Zuschauer am Königpark im Norden der Stadt kam für große Fußballspiele deshalb wenige Wochen zu spät; der 1. FC blieb vor und nach dem Krieg am Westufer der Neiße ansässig.

Während der Adolf Hitler 1932 auf einer kleinen mobilen Tribüne auf einer Parteiveranstaltung im Frankfurter Stadion sprach, blieb er zur Eröffnung in Guben nur angekündigt. „Alle warteten stundenlang auf ihn, doch er kam nicht. Dann brach ein schweres Gewitter aus, alle wurden ganz nass. (...) Dann hat uns unser Lehrer zehn Pfennig gegeben, damit wir mit der Bahn nach Hause fahren konnten“, erinnerte sich die 1935 zehnjährige Waltraut Hoffmann 2009 in der Zeitung „Der Märkische Bote“. SA, HJ, BDM, NSDAP und Wehrmacht füllten die Anlage in den Folgejahren jedoch gut.

Nach dem Krieg schlug aber auch hier der Zahn der Zeit zu, wenngleich „Carina Gubin“ nach wie vor hier in der 4. Fußballliga, also sehr erfolgreich kickt. Denn die ersten drei Spielklassen spielen in der Republik Polen landesweit und in der 4. Liga gibt es somit noch namhafte Gegner aus weit größeren Städten. 1975 hatte die örtliche Carina-Schuhfabrik den Klub übernommen. Der Name blieb auch nach dem Konkurs 1997. Die Schuhfabrik hatte die Anlagen des Tuchfabrikanten Erich Wolf übernommen, dessen „Villa Wolf“ bis zur kriegsbedingten Zerstörung 1945 eine Attraktion am Ostufer der Neiße war, galt das Gebäude doch als modernes Erstlingswerk des Architekten Ludwig Mies van der Rohe. Eine Initiative setzt sich für den Wiederaufbau ein.

Modernes Erstlingswerk van der Rohes
Die architektonische Instandsetzung des Stadions ist indes seit wenigen Tagen in trockenen Tüchern. Umgerechnet knapp 4,7 Millionen Euro werden dafür aufgewendet. 2022 hatte der polnische Stadtrat schon einmal 3,5 Millionen Euro bereitgestellt, doch dann verstarb der beauftragte Architekt. Im Gegensatz zum Stadion an der Kleisthöhe regiert aber beim Stadion in Ost-Guben Funktionalität. Mit erheblichen Eingriffen in Wälle und Tribünen, mit einer Überdachung, einem Sprecherturm, Anzeigetafel und umfassender technischer Infrastruktur will man Auflagen des Polnischen Fußballverbandes PZPN bis hinauf für die 2. Liga erfüllen. Das wird man in West-Guben verschmerzen. Denn wie Forst braucht man solche Ausmaße auf deutscher Seite nicht mehr. Cottbus überstrahlt im Fußball heute das gesamte Umland.


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