17.04.2024

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Des Stromes felsenfester Hüter: Die oberhalb von Kaub gelegene Burg Gutenfels am Rhein
Foto: MüllerDes Stromes felsenfester Hüter: Die oberhalb von Kaub gelegene Burg Gutenfels am Rhein

Mittelrhein

Auf Blüchers Spuren

Wo Preußens Generalfeldmarschall einst den Rhein überquerte – Zu Besuch in Kaub, das vor 700 Jahren das Stadtrecht erhielt

Bettina Müller
31.03.2024

Touristen, die in der Hoffnung anreisen, in Kaub eine Art Rüdesheim im Kleinformat zu finden, werden enttäuscht sein. Kaub hat keine Drosselgasse, welche die Touristen mit Wein, Weib und Gesang bespaßt. Im Gegenteil. Es ist eher ein ruhiger, geschichtsträchtiger Ort, der vor allem für eine Attraktion im Mittelrheintal bekannt ist: die legendäre und auf einer Felseninsel mitten im Rhein gelegene Burg Pfalzgrafenstein. Die einstige Zollstation, heute in frischem Weiß aufgepeppt, gibt ein schönes Fotomotiv ab.

Es ist auch ein uralter Ort. 983 erstmals urkundlich als „Cuba“ erwähnt, erhielt er vor 700 Jahren durch den Pfalzgrafen und deutschen König Ludwig der Bayer das Stadtrecht. Große Bedeutung erlangte er nicht nur 1326 durch die Errichtung der Zollfestung Pfalzgrafenstein – zu dieser Zeit gehörten Ort, Burg und Rheinzoll den Herren von Falkenstein, die das ganze Ensemble später an den Pfalzgrafen Ludwig II. verkauften –, sondern auch durch den in dieser Gegend obligatorischen Weinanbau.

Hinzu kam der intensive Abbau von Schiefer. 1837 wurde der größte Stollen, der „Wilhelm Erbstollen“, gegründet, der ein 24 Kilometer langes Stollensystem hatte. Noch bis 1972 galt der Schieferabbau in dieser Gegend als einer der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren, vor allem weil der Kauber Dachschieber einen hervorragenden Ruf genoss und deswegen auch bis nach Istanbul und St. Petersburg geliefert wurde. Viele Faktoren, darunter günstigere Importe aus Spanien, führten zum Niedergang dieser Industrie, deren Geschichte man im Kauber Schiefer-Bergbaumuseum erkunden kann.

Für den aufmerksamen und historisch interessierten Besucher gibt es einige Kleinode in dem Städtchen zu entdecken, die man auf einem kurzen Spaziergang durch den Ort, der eher einen dörflichen Charakter hat, erkunden kann, während der Inhaber eines Schnellimbisses direkt am Rhein vor dem Laden auf Kunden wartet. Zumeist haben die Sehenswürdigkeiten, was nicht weiter verwundert, einen militärischen Charakter, wie zum Beispiel der nicht zu übersehende „Dicke Turm“, der 1485 bis 1487 als südliches Bollwerk der Stadt erbaut wurde. Sehr markant sind auch die spätgotische Stadtmauer und die ehemalige kurpfälzische Zollschreiberei aus dem 16. bis 18. Jahrhundert, die man in der Zollstraße 42 findet. 1803 endete die kurpfälzische Herrschaft, und Kaub ging zum Herzogtum Nassau über, der nassauische Marktbrunnen von 1828 bildet heute mit den beiden Pfarrkirchen den Ortskern.

1866 gelangte der Ort schließlich zum Königreich Preußen, das 1867 schließlich die Zollerhebung einstellte. Und nun galt es, einen neuen „Hüter des Stroms“ zu wählen. Noch heute konkurrieren – zumindest optisch – die Blücher-Statue und die Burg Gutenfels hoch oben auf einem Berg um diesen Titel. Blücher, einst seines Zeichens preußischer Generalfeldmarschall, gab und gibt in seiner Wiedergeburt als Statue wirklich alles.

Marschall Vorwärts weist den Weg
Zielstrebig, mit ausgestrecktem Arm, weist Gebhard Leberecht von Blücher seinen Mannen den Weg. Und so überquerte er in der Neujahrsnacht 1813/14 mit einem Heer von 50.000 Soldaten, 15.000 Pferden und 182 Geschützen den Rhein, eine Brücke hatten ihnen russische Pioniere gebaut. So konnte Napoleon weiter bekämpft werden, und der erlebte sein Waterloo schließlich in der von Blücher so bezeichneten Schlacht bei Belle-Alliance.

Seine Zielstrebigkeit und sein angriffslustiges Temperament brachten Blücher schließlich den Spitznamen „Marschall Vorwärts“ ein, und so dynamisch wirkt er auch noch heute als Statue. Vervollständigen kann man das Wissen um den Blücher-Coup in dessen ehemaligem Hauptquartier in der Metzgergasse, dem ehemaligen Gasthaus „Stadt Mannheim“, in dem heute das Blücher-Museum untergebracht ist, das natürlich auch die Geschichte der Freiheitskriege thematisiert.

Und dann bekommt der Mann im Schnellimbiss an der verwaisten Rheinpromenade doch noch etwas zu tun. Eine amerikanische Familie samt Großvater fällt dort ein und bestellt zweifelhafte Leckereien zum Mitnehmen. Dann entschwinden sie mit dem Auto gen Burg Gutenfels, um dort das Essenspaket auf der Terrasse zu verzehren. Sie sind nämlich Hotelgäste, betreiben so aber auch einen gewissen Stilbruch, denn eigentlich gehören in so ein Ambiente keine Pommes, sondern ein zünftiges Mittelalteressen. Geeignet wäre zum Beispiel ein Spanferkel samt Besteck, und Letzteres wirft man nach dem Essen dann nonchalant hinter sich.

Oben auf der Burg beantwortet sich die Frage nach dem Hüter des Stromes dann aber wie von selbst, General Blücher hin oder her. Die Aussicht ist grandios, hier hat man wirklich alles im Blick, schaut man nach rechts, kann man schon in Oberwesel die nächste Burg auf der anderen Rheinseite entdecken. Nicht umsonst ist die Gegend Teil des UNESCO Weltkulturerbes Mittelrhein. Der beliebte Fernwanderweg Rheinsteig, auf dessen Wegen man überall wieder dem Schiefer begegnet, führt ebenfalls an Burg Gutenfels vorbei, die neben Pfalzgrafenstein wohl das mit am meisten fotografierte Motiv in Kaub sein dürfte.

Die Burg, deren staufischer Kern noch aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhundert stammt, wurde im Dreißigjährigen Krieg zerstört, dann aber ab dem 19. Jahrhundert sukzessive aufgebaut und restauriert, so unter anderem stark historisierend von dem Kölner Architekten Gustav Walter. Seine heutige Funktion erkennt man schon von Weitem. „Hotel“ heißt es da für alle gut sichtbar. Nach mehreren Besitzerwechseln kaufte es schließlich vor ein paar Jahren eine Industriellenfamilie, die dort nun wieder ein Hotel betreibt.

Überall begegnet man ihm wieder, dem als Hüter abgeschlagenen Blücher. Von der Burg aus fährt man die Blücherstraße hinunter in den Ort, wo die „Blücherschänke“ jedoch schon lange niemand mehr betreten hat, denn auch hier kämpft man mit Leerstand. Neben dem Kauber Ortsschild findet sich dann der wenig dezente Hinweis – die Tafel ist mindestens drei Mal so groß – auf das Blücher-Museum: „Geschichte ganz nah erleben“. Es ist eigentlich das perfekte Motto für diesen Ort.


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