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Kampf dem Unterholz: Schüler befreien den alten Friedhof von Döhringen vom Gestrüpp
Foto: U.H.Kampf dem Unterholz: Schüler befreien den alten Friedhof von Döhringen vom Gestrüpp

Heimatkunde

Auf der Suche nach Erhaltenswertem

Europäischer Tag des kulturellen Erbes – Döhringer Schüler beschäftigten sich aktiv mit ihrem Dorf

Uwe Hahnkamp
04.10.2023

Die Europäischen Tage des kulturellen Erbes sollen überall in Europa Menschen auf Geschichte in ihrem lokalen Umfeld aufmerksam machen. In der Gemeinde Osterode gab es dazu am 22. September die Freiluftwerkstatt „Döhringen an der Dölewka. Lebendiges Wasser, lebendige Erinnerung“. 25 Personen, der größte Teil davon Schüler der Grundschule des „polnischen Soldaten“ in Döhringen, tauchten voller Eifer in die verschiedenen Aspekte der Heimatkunde ein.

Gestartet wurde an der Kreuzung im Dorf, bei einem auffallenden eiszeitlichen Granitfindling aus dem schwedischen Småland, der Heimat von Astrid Lindgren. Die Geologin Alicja Szarzyńska vom Ermländisch-Masurischen Zentrum für Lehrerfortbildung und Wiesław Skrobot, der Beauftragte für Fragen des kulturellen Erbes der Gemeinde Osterode, haben ihn nach der Familie, der früher das Herrenhaus im Dorf gehörte, Weissermel-Stein getauft.

Geschichte der Familie Weissermel
Die beiden Leiter der Freiluftwerkstatt hatten zu dieser Familie auch als ersten Programmpunkt das Freilegen des Grabs von Alfred Weissermel, einer wichtigen Figur der Geschichte des Dorfs, geplant. Es war aber im Unterholz des älteren Teils des Dorffriedhofs nicht zu finden, weshalb die Schüler den imposanten Grabstein von Major Justus Druschki nahe der Überreste einer Krypta freilegten und anschließend auch den Weissermel-Stein an der Kreuzung von seinem Bewuchs befreiten. Szarzyńska erklärte den Teilnehmern verschiedene für Friedhöfe typische Pflanzen wie Efeu, Schneebeeren, Linden, Thujen und Brennnesseln. Zu Beginn des zweiten Teils der Exkursion, der Wanderung durch den Landschaftspark in Döhringen, hatte sie außerdem für die Teilnehmer ein Pflanzenmemory vorbereitet, nach dem diese die dort dargestellten Pflanzen suchen mussten.

Thema der historischen Erläuterungen von Skrobot war zum einen die Familie Weissermel. Die früheren Pächter der Familie von Finckenstein hatten bei Döhringen eine Landwirtschaft, den Katharinenhof. Benannt ist er nach einer Tochter der Familie, die in den pommerschen Adel einheiratete, wodurch die Familie Weissermel zu Geld kam und 1791 das Gut in Döhringen übernehmen konnte. Alfred Weissermel beschäftigte sich Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts mit der Verbesserung der Landwirtschaft. 1871 beauftragte er den bekannten Landschaftsarchitekten Johann Larass mit der Gestaltung des Parks des Herrenhauses in Döhringen, der als ein Meisterwerk von Larass gilt.

Ein anderer Döhringer war wesentlich früher je nach Blickwinkel zu einem Helden oder Verräter der Geschichte geworden. Nikolaus von Döhringen kämpfte, so Skrobot, in der Schlacht bei Tannenberg 1410 auf der Seite des Deutschen Ordens. Nach dem Tod seines Befehlshabers wechselte Nikolaus die Seiten und lieferte den Polen Osterode aus. Am Fluss Dölewka erinnert noch ein Stein an ihn. Dort soll er dem Vernehmen nach manchmal als schwarzer Hund erscheinen, wenn jemand den Schatz unter diesem Grenzstein heben will.

Suche nach dem Grenzstein
Auf die Suche nach diesem Stein und einer mittelalterlichen Siedlung aus der Zeit von Nikolaus von Döhringen machten sich die Teilnehmer vom Standpunkt des Weissermel'schen Herrenhauses aus. Dieses existiert nicht mehr, lediglich einige Steine deuten die Treppe an, die von dort in den Park hinabführte. Dort, am Eingang des heutigen Parks, ist die streng geometrische Formgestaltung eines französischen Parks immer noch zu erahnen.

Die vor wenigen Jahren erfolgte Wiederbelebung des Geländes durch die Gemeinde umfasste auch den zweiten Teil, den englischen Landschaftspark, der mit Laternen, Bänken, verschiedenen erzieherischen Stationen und zwei Findlingen namens „Freundschaft“ und „Liebe“ aufwarten kann. Und mit einem Wegenetz, das sich nicht zufällig an dem von Johann Larass orientiert.

Ihre Spurensuche führte die jungen Menschen aber noch weiter, in den Wald hinter dem Park, an die Dölewka, in wilderes und feuchtes Terrain. Am Ende des anstrengenden Tags wartete ein Picknick am Parkeingang auf sie, und die Erkenntnis, wie viel an einem einzigen Tag über ihre Region zu erfahren war. Und außerdem zwei Aufgaben: sich um das zu kümmern, was in ihrem Dorf die Erinnerung erhält – und wenn möglich das Grab von Alfred Weissermel auf dem Friedhof wiederzuentdecken.


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