17.04.2024

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Schneeschuhwanderung

Auf großem Fuß unterwegs

Stille Wintermomente – Mit Schuhen in Übergröße die bayerische Voralpenlandschaft rund um Lenggries erleben

Eva Keller
29.02.2024

Schaut man sich die riesenhaften Fußabdrücke im Tiefschnee an, könnte man denken, ein Yeti hätte sich ins Alpenvorland verirrt. Tatsächlich aber waren Schneeschuhwanderer unterwegs. Wer auf so großem Fuß unterwegs ist, für den stehen nicht die Höhenmeter im Vordergrund, sondern viel mehr die Freude an der Bewegung, das Naturerlebnis und vielleicht die ein oder andere kulinarische Belohnung nach der immerhin kräftezehrenden Tour.

Im oberbayerischen Lenggries gibt es zahlreiche Touren, die bereits nach kurzen Aufstiegen mit herrlichen Ausblicken auf das Isartal bis zum Karwendelgebirge belohnen. Und auch für die gemütliche Einkehr ist gesorgt: Die Vielfalt an urigen Hütten ist einmalig. Bergwanderführer Blasius Heiß kennt sich selbst abseits der bekannten Routen bestens aus und zeigt Besuchern bei seinen geführten Schneeschuhtouren die schönsten Seiten des Lenggrieser Winters.

„Jetzt gibt's erst mal was Gutes zum Trinken“, sagt Heiß und reicht jedem Schneeschuhgeher ein Stamperl. „Das ist schon was G'scheits – ein echter Lenggrieser Obstler.“ Also prostet man sich zu und bestaunt dabei die Aussicht vom Gipfel des Seekarkreuzes auf 1600 Metern Höhe. Vor einem erstreckt sich das mit einer weißen Puderschicht überzogene Isartal. Unten entdeckt man die Gemeinde Lenggries und auf der anderen, östlichen Seite den Tegernsee. In Richtung Süden zeichnen sich die Umrisse des Karwendelgebirges vom Himmel ab. Die Halbzeitpause mit Stamperl gibt es bei den Schneeschuhtouren von Heiß übrigens immer. „Man muss sich nach dem Aufstieg schließlich belohnen“, meint er.

Ausgangspunkt seiner Tour ist die Gemeinde Lenggries, die rund 60 Kilometer südlich von München im idyllischen Isarwinkel liegt. Berggipfel wie das 1555 Meter hohe Brauneck umgeben eine der flächenmäßig größten Gemeinden Deutschlands, durch die sich die wilde Isar schlängelt, und die der Region eine unverwechselbare Landschaft verleiht.

Hier erstreckt sich neben einem erstklassigen Wanderparadies ein vielseitiges Winterwunderland für Skifahrer, Snowboarder und Langläufer. Der Ortsname Lenggries leitet sich vom „langen Gries“ ab, den riesigen Kiesbänken im Flussbett. Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Gemeinde im Jahr 1257. Mittlerweile darf sich Lenggries sogar Flößerdorf nennen und zählt damit zum erlesenen Kreis von acht europäischen Orten, deren Historie prominent mit dem Flößerhandwerk verknüpft ist.

Der gebürtige Lenggrieser Wanderführer Heiß ist hier mit Skifahren, Skitourengehen und Wandern quasi auf dem Berg aufgewachsen. Er lebt direkt am Fuße des Braunecks, dem Hausberg des etwas über 10.000 Einwohner zählenden Lenggries. Als er vor acht Jahren in Rente ging, wollte er trotzdem aktiv bleiben, absolvierte die Ausbildung zum Bergwanderführer und hat seitdem jeden Winter großen Spaß daran, Gäste auf seine liebsten Schneeschuhtouren in der Region mitzunehmen.

Man schleicht halt so dahin
Das Schöne hier: Selbst Genießer und Gelegenheitswanderer mit wenig Kondition werden schnell mit wunderbaren Ausblicken belohnt. „Zum Beispiel bei der Runde durchs Schwarzenbachtal. Da ist man gerade einmal zweieinhalb Stunden unterwegs, kommt aber schon auf 900 Meter rauf. Von da aus hat man eine super Aussicht über das Isartal und die Voralpenlandschaft“, schwärmt Heiß.

Aber zurück zum Seekarkreuz. Die heutige Tour gehört schon eher zur anspruchsvolleren Sorte und bietet während des fast dreistündigen Abstiegs genug Zeit zum Plaudern. Schneeschuhwandern als Freizeitvergnügen ist noch recht neu. Lange Zeit waren die Bretter ein praktisches Fortbewegungsmittel für Jäger und Holzfäller. Erst in den vergangenen Jahren ist daraus ein Sport geworden. „Früher hat man gesagt, wer nicht Skifahren kann, geht halt Schneeschuhwandern“, sagt der 73-jährige Bergführer und meint, dass heute niemand mehr über diese Form der Fortbewegung spöttelt.

Die Nachfrage steigt stetig. Immer mehr Wanderfreunde haben Lust, mit den Yeti-Schuhen durch den Tiefschnee zu wandern. Den Lenggrieser Heiß wundert es nicht: „Im Grunde kann jeder in die Treter einsteigen und loslaufen. Alles, was man braucht, ist funktionelle Kleidung nach dem Zwiebel-Prinzip, eine Brotzeit und Tee.“

Auch die Technik ist fix gelernt – breitbeinig laufen, die Schritte parallel setzen, beim Bergablaufen nach hinten lehnen und in die Knie gehen. Oder in Heiß' Worten: „Man schleicht halt so dahin.“

Dennoch sollte man nicht einfach draufloslaufen, sondern sich über die Strecke und die Wanderbedingungen informieren. Das liegt Heiß nicht nur wegen der Lawinengefahr am Herzen: „Das Wichtigste ist, auf die Natur Rücksicht zu nehmen.“ Im Winter befinden sich die Tiere im Energiesparmodus, finden nur schwer Nahrung und halten sich deshalb rund um die Wildfütterungen auf. Diese Stellen sollte man unbedingt meiden, um das Wild nicht zu erschrecken und es dadurch in Stress zu versetzen.

Die Gegend um Lenggries ist von mehr als 30 offiziellen Routen für Schneeschuhwanderer durchzogen. Am liebsten geht Heiß zur Lenggrieser Hütte, die auf 1338 Höhenmetern liegt. Über das verwunschene Hirschbachtal führen Serpentinen insgesamt etwas mehr als 600 Meter nach oben. Auch diese fünfstündige Tour verlangt zwar eine gute Portion Kondition, doch für den Profi punktet neben der Aussicht vor allem das Ziel.

„Es ist einfach herrlich, wenn am Berg oben eine urige Hütte steht. Da rastet man und genießt eine gute Mahlzeit“, sagt Heiß. Das scheint auch das Motto der Schneeschuhwanderungen in Lenggries zu sein: Egal, ob mit einem Schnapserl, einer guten Brotzeit, der Hütteneinkehr oder den Ausblicken – bei jeder Tour steht der Genuss im Vordergrund.

Urlauber bei „Lenggries PLUS“-Gastgebern profitieren von der Gästekarte PLUS, die zahlreiche kostenlose Angebote und attraktive Rabatte beinhaltet. Infos: Tourismus Lenggries, Rathausplatz 2, 83661 Lenggries, Telefon (08042) 5008-800, E-Mail: info@lenggries.de. www.lenggries.de


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