23.05.2024

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Geschichte

Barnim IX. führte die Reformation ein

Vor 450 Jahren gestorbener Pommernherzog – Bewegte Geschichte durch Erb- und Gebietsansprüche

Martin Stolzenau
12.11.2023

Herzog Barnim IX. von Pommern regierte in der Zeit der Reformation und des Schmalkaldischen Krieges und war oft genug zur politischen Anpassung gezwungen. Seine Regentschaft war geprägt von der Teilung des Landes, die im Laufe der Geschichte leider in Ermangelung einer Primogenitur oft wiederholt wurde, durch den ständigen Anspruch Kurbrandenburgs auf die Lehnshoheit über Pommern und durch die Einführung der Reformation im Territorium der Greifen.

Letztlich war dieser Glaubenswechsel mit dem Anschluss an das Luthertum aber bei seinem Ableben vor 450 Jahren die einzige größere positive Hinterlassenschaft, die seine Regierungsbilanz in den Geschichtsbüchern vorteilhafter erscheinen lässt.

Herzog Barnim IX. wurde am 2. Dezember 1501 geboren. Sein Vater war Herzog Bogislaw X. von Pommern, der zu den positivsten Erscheinungen im Fürstenhaus der Greifen gehörte. Er vereinigte zu seiner Zeit ganz Pommern unter seiner Regierung, modernisierte die Landesverwaltung und erlangte am Ende seiner Herrschaft die angestrebte Anerkennung Pommerns als Reichsfürstentum. Die Geschichtsschreiber verliehen ihm deshalb den Beinamen „der Große“.

Verteidiger des Friedens
Dieser Greifenherzog war in zweiter Ehe mit Anna von Polen verheiratet, einer Tochter von König Kasimir IV. Sie war die Mutter von Barnim IX., dessen Vorname eine besondere Bedeutung besitzt. Barnim ist eine Kurzform für Barnimir, stammte vom altslawischen Begriff „borniti“ ab, der für einen „Verteidiger des Friedens“ galt und im Mittelalter von den Pommernherzögen bevorzugt für ihre Söhne als Namen gewählt wurde.

Doch diese Namenswahl blieb meist eine reine Willensbekundung ohne praktische Folgen. Barnim IX. hatte noch einen Bruder: Georg. Beide Greifensöhne wurden standesgemäß erzogen und auf die gemeinsame Regierungsausübung vorbereitet. Barnim IX. studierte in Wittenberg, erwarb dabei ein vielgestaltiges Wissen und wurde in der Frühzeit der Reformation aus allen Träumen gerissen. Der Vater starb am 5. Oktober 1523 und wurde in der Stettiner Ottenkirche beigesetzt.

Er hinterließ seinen beiden Söhnen für die Nachfolge ein geeintes und geordnetes Land mit einem kaiserlichen Lehnsbrief. Barnim IX. und Georg I. regierten zunächst getreu der väterlichen Vorgabe gemeinsam und erlebten durch die Verheiratung ihrer Schwester Sophia mit dem Dänenkönig Friedrich I. eine zusätzliche Aufwertung. Sie wurde 1525 Königin von Dänemark.

Doch parallel entwickelten sich die Ansprüche Kurbrandenburgs erneut, zumal den Pommernherzogen in der Nachfolge ihres Vaters die neuerliche Verleihung des Reichslehens zunächst verweigert wurde. Deshalb ging Barnim IX. in die Offensive. Seine Räte warben um Anna von Braunschweig-Lüneburg, die er am 2. Februar 1525 heiratete. Das war eine Vernunftehe, die machtpolitischen Erwägungen folgte. Mit dieser Ehe bekamen die Greifen einen starken Partner, mit dem sie ein Schutzbündnis abschlossen. 

Andererseits aber gingen Barnim IX. und Georg I. immer stärker eigene Wege. Besonders Georg I. suchte die Eigenständigkeit. Nach seinem frühen Tod setzte Philipp I., sein Sohn, diese politische Abnabelung fort. Das führte zu starken Differenzen und am 21. Oktober 1532 zur Teilung in die Teilherzogtümer Pommern-Stettin und Pommern-Wolgast. Cammin teilten sich Onkel und Neffe. Zur gleichen Zeit schlugen die Wellen der sich ausbreitenden Reformation auch im Pommernland immer höher. Die Forderung der Bewohner und der Stände nach einer Neuordnung der kirchlichen Verhältnisse im geteilten Herzogtum nahm ständig zu. Hier reagierten Barnim IX und Philipp I. gemeinsam. Beide beriefen 1534 den vereinten Landtag nach Treptow a. R. ein und gewannen Johannes Bugenhagen aus Wollin in Pommern, einen Vertrauten Martin Luthers, dafür, eine neue Kirchenordnung für das geteilte Herzogtum im Sinne des Luthertums zu schaffen.

Bugenhagen und Luther
Nun ging es Schlag auf Schlag. Bugenhagen erarbeitete eine neue Kirchenstruktur. Die Herzöge zogen die bisherigen Kirchengüter ein. Das erwies sich als lukrative Zusatzeinnahme für die Staatskasse. Barnim IX. gründete in einem solchen vormaligen Kirchenobjekt in Stettin das herzogliche Pädagogium zur Ausbildung von Nachwuchskräften und holte zunächst Paul von Rhoda und dann Fabian Timäus als Hofprediger in seine Residenz.

Timäus war von Valentin Trotzendorf, Luther und Philipp Melanchthon geprägt worden. 1536 traten die Pommernherzöge als nunmehrige Lutheraner dem Schmalkaldischen Bund der deutschen Protestanten bei, der die gemeinsamen Interessen vertrat. Das brachte zunächst Vorteile, aber nach Ausbruch des Schmalkaldischen Krieges mit dessen Niederlage gegen den katholischen Kaiser auch erhebliche Nachteile. Der Kaiser drohte den Pommernherzögen zusätzlich zur Infragestellung des Lehnsbriefes mit Sanktionen. Das konnten Barnim IX. und Philipp I. durch Zahlung einer Geldbuße zulasten der Bevölkerung abwenden.

Dann starb ebenfalls früh Philipp I. Er hinterließ minderjährige Söhne, für die Barnim IX. die Amtsgeschäfte für viele Jahre realisierte. Faktisch war Pommern in dieser Zeit wieder ein Staat. Doch die Uhren tickten gegen Barnim IX. Er hatte in seiner Ehe für fünf Kinder gesorgt. Das waren vier Mädchen und ein Junge, der aber schon wenige Tage nach der Geburt verstarb. Barnim hatte keinen männlichen Erben. Deshalb kam es 1569 zum Erbvertrag von Jasenitz, der die erneute Teilung unter Johann Friedrich und Ernst Ludwig vorsah. Das Greifenhaus zog einfach keine Lehren aus dieser ungünstigen Teilungspraxis. Barnim IX. fügte sich den Wünschen der Neffen, ließ die Telung geschehen und starb am 2. November 1573 in Stettin, vier Jahre nach seiner Gemahlin. Seine letzte Ruhe fand er zuerst in der Stettiner Marienkirche und nach deren Abriss in der Stettiner Schlosskirche.


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