26.03.2023

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Historie

Burgwälle der Slawenzeit auf Rügen

Zeugnisse früher Besiedelung Pommerns

Brigitte Klesczewski
12.02.2023

Nachdem die germanischen Stämme im 3. bis 4. Jahrhundert nach Chr. Rügen verlassen hatten, begann im 6. Jahrhundert die Besiedlung durch die Ostseeslawen. Bis ins 12. Jahrhundert hatten sie mindestens 26 Burgwälle gebaut, deren wichtigste die Tempelburg auf Arkona und Fürstenburgen in Garz und auf dem Rugard waren.

Garz

Garz ist die älteste Stadt auf Rügen. Am Nordende des Garzer Sees finden sich die Reste der Tempelburg Charenza, einer Wallanlage, die im 11. und 12. Jahrhundert die Tempel der Götter Rugevit, Porevit und Porenut in sich barg. Nach der Eroberung von Arkona ergab sich diese zweitwichtige Tempelburg Rügens sofort und die Tempel wurden zerstört. Die im Jahre 1928 von Carl Schuchhardt aus Berlin vorgenommenen Grabungen haben Berichte des dänischen Geschichtsschreibers Saxo Grammaticus auch für Charenza bestätigt. Der Burgwall blieb auch ferner befestigter Platz und hat im Rügenschen Erbfolgekrieg 1326 bis 1328 noch eine Rolle gespielt. Auf dem Rande des Walles befand sich ein Birnbaum mit 2,70 Metern Stammumfang, schon seit Jahrhunderten wird er erwähnt. Auf dem Burgwall steht ein Ehrenmal für die Gefallenen.

In Anlehnung an einen Burgwall hat sich Garz zu einem etwa dreieckigen Grundriss entwickelt. Der im Süden von Garz angrenzende Burgwall Charenza war rügenscher Fürstensitz. 1168 zerstörten König Waldemar I. von Dänemark und Bischof Absalom von Roskilde den Tempel der Kriegsgötter Rugevit und Porevit und des Friedensgottes Porenut auf dem Burgwall. Auf dem Burgwall wurde 1234 die Gründungsurkunde von Stralsund unterzeichnet.

Arkona

Wenn über Kap Arkona geschrieben wird, ist viel über die Slawen zu lesen. Aber offensichtlich waren auf Rügen auch auf dem Kap die Wikinger. Der Hiddenseer Goldschmuck, Funde auf dem Kap Arkona und bei Trent zeugen davon. Die Fundstücke konnten dem legendären Dänenkönig Harald Blauzahn 910 bis 987 zugeordnet werden. Blauzahn, als Wikinger geboren, gilt als Begründer des dänischen Reiches. Der auf Englisch auch Bluetooth genannte König einte das Land, führte das Christentum ein und setzte Reformen durch.

Die äußerste Spitze wird zur Landseite von einem acht bis zwölf Meter hohen und 262 Meter langen Erdwall abgeschirmt. Es ist die landseitige Begrenzung der Jaromarsburg mit dem letzten heidnischen Tempel des Swantewit. Nach der Zerstörung Rethras am Ende des 11. Jahrhunderts wurde es zum Hauptheiligtum der Slawen zwischen Elbe und Oder. Im Jahr 1168 zerstörten der Dänenkönig Waldemar I. und Bischof Absalom von Roskilde Burg und Götterbild. Von der Tempelanlage gibt es keine Funde.

Inmitten dieser einst von Palisaden und hölzernen Türmen überragten Umwallung stand der kunstvoll aus Holz erbaute Tempel des vierköpfigen Swantewits, der Swantewittempel nahe dem Steilhang, er war 20 Meter lang und breit. Der Geschichtsschreiber Saxo Grammaticus, der die Eroberung durch die Dänen überlebte, war also am 15. Juni 1168 dabei.

Bergen

Eine Kreisstadt nahe dem 91 Meter hohen Rugard: Auf diesem befand sich in spätwendischer Zeit ein Burgwall, der später zum Fürstensitz wurde. Der ehemalige Burgwall, teilweise noch heute erhalten, bestand aus dem Hauptwall und einem Vorwall, der den ersteren in einem Halbkreis nach Osten und Nordosten umschließt. Nach dem anschließenden Höhenzug im Westen zu ist der Wall zehn Meter hoch. Archäologen fanden hier arabische Münzen von 763 bis 822 nach Christi. Im 9. Jahrhundert war der Rugard eine wendische Fürstenresidenz.

Nationalpark Jasmund

Im Nationalpark Jasmund gibt es Reste der slawischen Herthaburg. Ein natürlicher Höhenrücken und die Lage direkt am nordöstlichen Ufer des Herthasees, nahe der Stubbenkammer, bot einen natürlichen Schutz gen Westen. Die Gesamtfläche der Wallburg ist zirka zwölf mal 60 Meter groß, die Breite der gesamten Anlage beträgt mehr als 180 Meter.

Bei Ausgrabungen wurde stellenweise ein Steinpflaster entdeckt. Um Herthaburg, Herthasee und Herthabuche ranken sich auf Rügen viele Sagen. Hertha soll eine eigentlich Nerthus geheißene germanische Göttin gewesen sein, die auf der gleichnamigen Burg wohnte und im See badete. Die beim Bad anwesende Dienerschaft wurde getötet, damit sie nichts von der Zeremonie verraten konnten. Deren Geister versammeln sich oft noch heute am Ufer. Der See war wohl Kultstätte sowohl der germanischen Rugier als auch der wendischen Ranen.

Unweit des Seeufers besteht auch ein sogenannter Opferstein. Es wird vermutet, dass die Kultstätte der germanischen Göttin Nerthus gewidmet war. Der Stein wurde in dem Roman „Effie Briest“ von Theodor Fontane erwähnt. Auch rankt sich eine Sage um die Herthabuche, deren abgestorbener Stamm heute noch steht. Kurgäste der von 1795 bis 1830 betriebenen „Brunnen-, Bade- und Vergnügungsanstalt“ in Sagard waren sehr empfänglich für solche geheimnisvollen Geschichten.


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