03.08.2021

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Der Dom zu Cammin – die erste christliche Kirche Pommerns
Foto: Erwin RosenthalDer Dom zu Cammin – die erste christliche Kirche Pommerns

Hinterpommern

Cammin – einst Herzogs- und Bischofssitz

Kleine Stadt mit großer Geschichte wartet auf Entdecker

Erwin Rosenthal
20.07.2021

Das Sol- und Moorbad Cammin [Kamień Pomorski] (zirka 9000 Einwohner) liegt östlich der Dievenow auf dem zu Hinterpommern gehörenden Festland. Im Jahre 1882 hatte man in einer Tiefe von 600 Metern eine Solquelle erschlossen, Cammin wurde Sol- und Moorbad. Die alten Kurgebäude haben den Zweiten Weltkrieg überdauert, und der Kurbetrieb wird heute weitergeführt.

Großer Stein gab den Namen

Der Name der Stadt soll von jenem großen Stein hergeleitet worden sein, der sich vor der Nordküste der Insel Gristow im Camminer Bodden befindet. Cammin hat eine große Geschichte: Im 12. Jahrhundert residierte hier der Pommernherzog Wartislaw I., im Jahre 1176 wurde die Stadt Bischofssitz. Das Bistum umfasste den größten Teil Pommerns sowie die Uckermark und die Neumark und reichte im Westen bis nach Güstrow. Im Osten hatte es keine feste Grenze. Die Camminer Bischöfe wurden vom Papst wie unabhängige Reichsfürsten behandelt.

Die größte Sehenswürdigkeit der Stadt ist zweifellos der Dom St. Mariae et Johannes baptista, die heutige Kathedrale St. Johannes. Der Dom war die erste christliche Kirche Pommerns. Sie wurde erbaut, nachdem Otto von Bamberg seine Missionstätigkeit in Pommern erfolgreich abgeschlossen hatte. Baubeginn für die im spätromanischen Stil errichtete und im 15. Jahrhundert im gotischen Stil umgebaute Kirche war 1175. Sein heutiges Äußeres erhielt der Dom im Jahre 1936. Nach einem alten pommerschen geflügelten Wort waren die drei bedeutendsten Kirchen in Pommern die Stargarder „Hohe“, die Kolberger „Weite“ und die Camminer „Schöne“. Eingeweihte kennen mit Sicherheit auch jene schmale Treppe, die vom nördlichen Seitenschiff des Doms zum einzigen erhaltenen Kreuzgang Pommerns führt. Der Dom soll zudem über die schönste Orgel Pommerns verfügen. Liebhaber wissen den ausgezeichneten Klang des Instruments zu schätzen, das 1669 vom Stettiner Orgelbaumeister Michel Birgel geschaffen wurde. Das hier jährlich stattfindende Internationale Festival der Orgel- und Kammermusik findet stets großen Anklang.

Sehenswert sind in der mit viel Grün aufwartenden Stadt der neben dem Dom erbaute Bischofspalast und das für die niedere Geistlichkeit bestimmte Dekanat (auch Kleisthaus genannt), das heute als katholisches Kulturzentrum genutzt wird.

Am nahen Markt befinden sich das Hoefssche Fachwerkhaus und das attraktive Rathaus. Das Rathaus wurde im
14. Jahrhundert im spätgotischen Stil errichtet und in den 1960er Jahren wieder aufgebaut. Der Ostgiebel datiert aus dem 15. Jahrhundert. Das Fachwerkhaus Hoefs, erbaut im 17. Jahrhundert, hat den Krieg ohne größere Schäden überstanden. Es beherbergt heute eine ziemlich gemütliche Gaststätte und gehört zum Hotel „Zu den Musen“.

Einen Besuch wert sind das Wolliner Tor (das Bautor), im Süden der Stadt gelegen, die Nikolaikirche (die frühere Bergkirche) und die Marienkirche. Im genannten Stadttor ist das Museum untergebracht. Die im Jahre 1755 erbaute Marienkirche war eine Tochterkirche des Doms. Das Gotteshaus hatte ein sehr wechselhaftes Schicksal. Es wurde vor 1945 mehrfach zu profanen Zwecken genutzt und erst vor wenigen Jahren wieder in die Hand der Kirche übergeben.

Eine Erfindung, die eher in die Physik eingeordnet werden muss, zeugt davon, dass Domherren auch naturwissenschaftlich gebildet waren. Der Dechant des Dom-Kapitels zu Cammin, Ewald Georg v. Kleist, Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Berlin, hatte – nachweislich als erster – im Jahre 1745 die elektrische Verstärkerflasche (später als Leidener Flasche bezeichnet) und somit den Kondensator erfunden, der heute ein unverzichtbarer Bestandteil elektronischer Geräte ist.

Von der Stadt aus führt eine Brücke zur neun Quadratkilometer großen Insel Gristow mit ihren drei kleinen Bauerndörfern. Der hier zwei Meter aus dem Wasser aufragende „große Stein“, ein bereits im Jahre 1426 erwähnter Findling, hat heute – obwohl bereits durch Sprengungen verkleinert – immer noch einen Umfang von 20 Metern.



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Kommentare

Chris Benthe am 22.07.21, 08:15 Uhr

Für solche schönen Beiträge liebe ich die PAZ, danke.

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