19.06.2024

Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung

Suchen und finden

Zweiter Weltkrieg

Das blutige Ende im Westen

Seit einigen Wochen ist das Kriegsgeschehen in Frankreich 1944 in den Fokus des öffentlichen Interesses gerückt. Eine unvoreingenommene Betrachtung ergibt, dass von allen Parteien schwere Kriegsverbrechen begangen wurden

Wolfgang Kaufmann
07.07.2023

Als der 98 Jahre alte Franzose Edmond Réveil vor einigen Wochen öffentlich machte, dass seine Résistance-Gruppe am 12. Juni 1944 47 kriegsgefangene Wehrmachtssoldaten in einem Waldgebiet unweit des Dorfes Meymac kaltblütig ermordet hatte, wurde dieses Geständnis umgehend historisch „eingeordnet“. Man müsse den Fall vor dem Hintergrund deutscher Übergriffe sehen. Immerhin seien nur zwei Tage zuvor in Oradour-sur-Glane 643 Franzosen, darunter auch zahlreiche Frauen und Kinder, von Angehörigen der 2. SS-Panzer-Division „Das Reich“ massakriert worden.

Allerdings nahm die Kriegführung in Frankreich bereits seit dem Tag der alliierten Landung in der Normandie auf allen Seiten höchst brutale Züge an. Was die diesbezüglichen Unterschiede zwischen den Kriegsgegnern angeht, kam der deutsche Militärhistoriker und Autor der 2014 bei C.H. Beck in München erschienenen Monographie „Unternehmen Overlord. Die Invasion in der Normandie und die Befreiung Westeuropas“, Peter Lieb, zu dem Schluss, dass sich die westalliierten und deutschen Streitkräfte zwar fundamental darin unterschieden, wofür sie kämpften, aber „kaum darin, wie sie kämpften“.

Westalliierte Völkerrechtsverstöße
Am D-Day, dem Tag der alliierten Landung in der Normandie, bombardierten Flugzeuge der britischen Royal Air Force (RAF) und der United States Army Air Forces (USAAF) etliche Städte in der Region wie Caen, was zum Tod von rund 15.000 französischen Zivilisten führte. Dazu kamen im weiteren Verlauf der Operation Overlord mehrere Tausend Opfer unter der Bevölkerung in der Normandie durch Luftangriffe der Alliierten.

Und auch bei den Kämpfen am Boden wurde das Kriegsvölkerrecht von Anbeginn an mit Füßen getreten. Wie der britische Historiker Antony Beevor in seinem Buch „D-Day. Die Schlacht um die Normandie“ nachweist, erschossen abgesetzte alliierte Fallschirmjäger vielfach deutsche Soldaten, die sich in Gefangenschaft begeben wollten. So geschehen unter anderem am Tag der Landung in der Ortschaft Audouville-la-Hubert auf der Halbinsel Cotentin.

Ähnlich ging es an den Stränden der Normandie zu. Beispielsweise meldeten die Stabsoffiziere der 1. US-Infanteriedivision im Verlaufe des 6. Juni 1944 die Gefangennahme von 130 Wehrmachtsangehörigen am Omaha Beach. Am Abend des D-Day war deren Zahl dann aber plötzlich auf 66 geschrumpft.

Dem folgten während des alliierten Vormarsches diverse weitere Kriegsverbrechen. Nicht zuletzt gilt als sicher, dass Angehörige des II. Kanadischen Korps Anfang August 1944 in der Schlacht um Falaise eine unbekannte Anzahl von gefangenen Angehörigen der 12. SS-Panzer-Division „Hitlerjugend“ töteten.

Viel Aufmerksamkeit erregte zudem der Fall des französischen Offiziers Robert Galley von der 2. Panzerdivision der Forces françaises libres (FFL). Diesem wird vorgeworfen, am 12. September 1944 in Andelot den Befehl erteilt zu haben, deutsche Soldaten nach ihrer Kapitulation zu erschießen. Darüber hinaus soll er für einige weitere Massaker verantwortlich gewesen sein, wie das von Herbsheim im Elsass, wo es am 2. Dezember 1944 zur Ermordung von rund 200 Angehörigen der Waffen-SS kam. Galley wurde dafür nie zur Verantwortung gezogen, sondern machte im Frankreich der Nachkriegszeit eine steile Karriere als Politiker. So war er unter anderem Minister für Wohnungsbau, Postminister, Verkehrsminister und Verteidigungsminister.

Deutsche Völkerrechtsverstöße
Die deutsche Seite beging ab dem D-Day vergleichbare Kriegsverbrechen. Als Beispiele hierfür seien die Erschießung von sieben entwaffneten US-Fallschirmjägern bei Hémevez und das Massaker an 18 kanadischen Kriegsgefangenen in der Abbaye d'Ardenne in Villons-les-Buissons bei Caen genannt.

Und auch im späteren Verlauf des Jahres 1944 exekutierten Einheiten der Wehrmacht und Waffen-SS gegnerische Soldaten nach deren Kapitulation. Besondere Bekanntheit erlangte hier die Tötung von 82 Angehörigen der US-Armee am 17. Dezember 1944 unweit der belgischen Stadt Malmedy durch die Kampfgruppe Peiper innerhalb der 1. SS-Panzer-Division „Leibstandarte SS Adolf Hitler“. Ein zentraler Befehl, alliierte Kriegsgefangene zu erschießen, die an regulären Kampfhandlungen teilgenommen hatten, existierte nicht. Lieb weist darauf hin, dass im Operationsgebiet der Waffen-SS-Division „Hitlerjugend“ nach dem D-Day mindestens 187 gegnerische Soldaten im Anschluss an ihre Gefangennahme getötet wurden, während zwei andere Großverbände der Waffen-SS keine derartigen Kriegsverbrechen begingen.

Hohe Verluste auf beiden Seiten
Die beiderseitige Verrohung im Zuge der Kämpfe in Frankreich korrespondierte mit hohen Opferzahlen auf beiden Seiten. So waren die deutschen Verluste im Westen in der zweiten Hälfte des Jahres 1944 prozentual doppelt so hoch wie bei den Gefechten an der Ostfront. Zu konstatieren ist auch die folgende Korrelation: Je geringer die eigene Verwicklung in Gefechte, desto härter das anschließende Auftreten gegenüber gefangengenommenen Gegnern.

Die hohen Verluste waren aber nicht der einzige Grund für die Gewaltausbrüche. Mit Beginn der Landung in der Normandie kam es in einigen Teilen Frankreichs zu einem regelrechten Partisanenaufstand. Zehntausende Mitglieder der Résistance erhoben sich, um die alliierten Truppen zu unterstützen und den deutschen Nachschub für die Invasionsfront zu blockieren. In diesem Zusammenhang begingen sie vor allem Sabotageakte, töteten aber auch deutsche Soldaten im Gefecht oder nach deren Gefangennahme. Letzteres passierte nicht nur in Meymac, sondern ebenso in Vieugy in der Region Auvergne-Rhône-Alpes, Les Rousses im Département Jura, Saint-Julien-de-Crempse in der Dordogne und an anderen Orten. Nach Schätzungen von Lieb ermordeten französische Widerstandskämpfer allein im Spätsommer 1944 um die 350 deutsche Gefangene. Anschließend schändeten sie teilweise noch deren Leichen.

Brutalität des Partisanenkriegs
Dem gegenüber stehen die Strafaktionen gegen die Résistance, bei denen es zahlreiche Opfer unter der unbeteiligten Zivilbevölkerung gab, weil diese fälschlich mit dem Widerstand in Verbindung gebracht wurde oder einfach ein drastisches Exempel statuiert werden sollte, um die Franzosen zu entmutigen, gegen die Besatzer aufzubegehren. Das war sowohl in Oradour der Fall, als auch beispielsweise in Issendolus, Tulle, Argenton-sur-Creuse, Mussidan, Valreas, Vassieux-en-Vercors, Buchères, Maillé und im Tal der Saulx, wo Wehrmachts- und Waffen-SS-Einheiten zwischen dem 8. Juni und 29. August 1944 insgesamt nochmals um die 650 französische Zivilisten massakrierten.

Am 21. Januar 1945 endete das letzte Aufbäumen der Deutschen, die am 16. Dezember 1944 begonnene Ardennenoffensive, mit einem strategischen und operativen Sieg der Westalliierten. Der Kriegssieg der Alliierten war klarer denn je – und dass sie die Vergeltung eines deutschen Siegers nicht mehr zu befürchten hatten.

Zäsur der Ardennenoffensive
Der Anfang des Jahres 1945 stellte auch insoweit eine Zäsur dar, als seitdem im Westen fast nur noch deutsche Soldaten Opfer von verbrecherischen Handlungen wurden. Gleich am Neujahrstag des letzten Kriegsjahres metzelten Angehörige der B-Kompanie des 21. Gepanzerten Infanteriebataillons der 11. US-Panzerdivision nahe dem belgischen Dorf Che­nogne, das in der Nähe von Bastogne liegt, zwischen 70 und 80 bereits entwaffnete Angehörige der 3. Panzergrenadierdivision der Wehrmacht nieder. Darunter befanden sich 21 Verwundete und Sanitäter mit Rot-Kreuz-Armbinden.

Für diese Untat wurde bis heute niemand zur Verantwortung gezogen. Das verwundert nicht, wenn man den persönlichen Tagebucheintrag des Oberkommandierenden der 3. US-Armee, Generalleutnant George S. Patton, vom 4. Januar 1945 kennt. Darin heißt es über das Massaker von Chenogne: Die 11. Division „ist sehr grün und hat unnötige Verluste hinnehmen müssen, ohne dass diese Erfolge bewirkt hätten. Ermordete außerdem etwa 50 deutsche Ärzte. Ich hoffe, wir können das verheimlichen.“ Dies gelang dann auch zunächst.

Morden mit und ohne Befehl
Wie heute bekannt ist, hatten einige US-Verbände den offiziellen Befehl, keine Angehörigen der Waffen-SS oder überhaupt keine Soldaten und Offiziere des Gegners gefangen zu nehmen, sondern diese sofort zu töten. Das galt nachweislich für das 180. und 328. Infanterieregiment sowie die 101. Luftlandedivision. Andere US-Soldaten handelten aus eigener Initiative.

Über Massentötungen deutscher Soldaten nach ihrer Gefangennahme informiert unter anderem eine Auflistung des evangelischen Geistlichen Wilhelm Feldner für den Zeitraum vom 15. März bis 1. Mai 1945. Laut Feldner verübten US-Truppen damals allein im Raum zwischen dem Saargebiet und dem Alpenvorland 21 Massaker mit teilweise oft mehreren Dutzend Opfern.

Das meiste Aufsehen erregten hier die Erschießung von bis zu 30 gefangenen Pionieren durch das 254. Infanterieregiment bei Jungholzhausen am 15. April 1945 und die Ermordung von 36 wehrlosen jungen Deutschen, die einem Waffen-SS-Ausbildungsbataillon angehörten, in Lippach am 22. April 1945. In letztgenanntem Falle gehörten die Täter zur 12. US-Panzerdivision. Nicht selten schossen die GI die gefesselten Opfer ins Genick oder sie erschlugen sie mit ihren Gewehrkolben.

Später komplettierte der ehemalige Inhaber des Lehrstuhls für Zeitgeschichte an der TU Dresden und Autor des 1995 bei Oldenbourg in München erschienenen Buches „Die amerikanische Besetzung Deutschlands“, Klaus-Dietmar Henke, Feldners Liste. Er fand Hinweise auf insgesamt 92 Kriegsverbrechen der Amerikaner in Süddeutschland.

Tötung von KZ-Wachpersonal
Nach der Befreiung einiger Konzentrationslager kam Selbstjustiz an den Bewachern von der SS als Kriegsrechtsverstoß hinzu. Ein typischer Fall dieser Art ist die systematische Erschießung von 39 SS-Männern, welche die Waffen gestreckt hatten, im Zuge der Einnahme des Konzentrationslagers Dachau durch die I-Kompanie des 157. Infanterieregiments unter Leutnant William Walsh am 29. April 1945.

In diesem Falle empfahl der Stellvertretende Generalinspekteur der 7. US-Armee, Joseph Whitaker, die Eröffnung eines Kriegsgerichtsverfahrens gegen die Täter. Das wurde jedoch durch Patton verhindert. Als erster US-Militärgouverneur von Bayern seit dem 9. Mai 1945 war er dazu in der Lage.


Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie die PAZ gern mit einer

Anerkennungszahlung


Kommentare

Chris Benthe am 17.07.23, 11:46 Uhr

@ Kersti Wolnow am 07.07.23, 06:58 Uhr:
Danke für Ihren überaus wertvollen Beitrag.

Chris Benthe am 16.07.23, 09:49 Uhr

Die Propaganda wirkt bis heute. Habe gestern eine an sich hochinteressante Doku über die Geschichte des Rheinhotels Dreesen im TV verfolgt (öfftl.-rechtl., 15.7.2023)
Darin war doch tatsächlich, den 1. Weltkrieg betreffend, die Rede von den Deutschen, "die die Völker Europas mit Tod und Leid" überzogen hätten (sinngemäß). Diese alten, einseitigen Märchen sind offenbar noch immer virulent und nützlich. Wann endlich gelingt den Deutschen ihre Emanzipation von der anerzogenen, verlogenen Selbstbezichtigung ?

sitra achra am 10.07.23, 10:43 Uhr

Und dann hat Sam nach Beendigung des Krieges bis auf den heutigen Tag munter weitergemordet, äh, "befreit".
Er hat eben die historische license to kill.

Alex Lund am 10.07.23, 08:31 Uhr

Wenn die Alliierten wirklich für die Menschenrechte eingetreten wären, dann hätten Sie sich denselben Gesetzen unterworfen und danach richten lassen, wie sie auf die Deutschen angewendet wurden.

Gregor Scharf am 07.07.23, 09:37 Uhr

Man kann es nicht oft genug wiederholen: Der Krieg ist das Verbrechen. Die beschriebenen Taten sind Reaktionen auf vorhergehende Taten des jeweiligen Gegners. Unter damals geltendem Kriegsrecht waren die Vergeltungsaktionen gerechtfertigt. Durch die Siegerjustiz wurden sie rückwirkend zu Verbrechen erklärt, nicht aber die eigenen. Dass sich im Krieg Sadisten austoben können, kommt noch hinzu.
Was würde ich tun, wenn mir die Eingeweide meiner Kameraden um die Ohren fliegen oder ihre Leichen verstümmelt aufgefunden werden? Ganz einfach: Keinen am Leben lassen, nicht einen - das ist Krieg und darin will ich nicht auch noch zum Besten werden.
Die Geschichtsfälschungen und das propagandistische Ausschlachten deutscher Kriegsverbrechen bilden die Grundlage für das weltpolitische System nicht erst seit Nürnberg. Wenn davon abgewichen wird, zerfällt das Lügengebilde wie ein Kartenhaus und es ist aus mit der Macht über die Völker. Ergo muss der Deutsche weiter als das Schreckgespenst herhalten und mit ihm die „weiße Rasse“.
Um das zu untermauern, werden sogar Kriege geführt und Deutschland darf munter weiter ausgeplündert werden,
Recherchieren Sie mal, weshalb die SS-Division „Das Reich“ nach Frankreich abkommandiert wurde, was in der Region alles geschah und wie es zu dem Massaker kam. Die Zivilisten wurden zuvor durch die Résistance rücksichtslos missbraucht und in die Lage getrieben. Menschenleben galten denen noch nie etwas.
„An ihren Werken sollt Ihr sie erkennen.“

Kersti Wolnow am 07.07.23, 06:58 Uhr

Das große Morden an Deutschen begann nach 1945, denn die Weltpresse hetzte damals die Völker zum Mord auf. So ließen die Dänen willentlich und wissentlich Tausende Flüchtlinge (Frauen und Kinder) in ihren Lagern verhungern, die Amis ließen entgegen der Haager Landkriegsordnung Gefangene in den Rheinwiesenlagern verrecken, die Russen ließen junge Menschen in ihren sibirischen Arbeitslagern zu Tode schuften, ehemalige KZs dienten den Sowjets als Straflager, wo noch einmal viele umkamen. Ich habe noch kein Wort über die sinnlosen Morde bei der Vertreibung überall geschrieben. Für mich ist es seit Jahrzehnten paradox, daß medial auf den angeblichen Verbrechen der Deutschen gebetsmühlenartig herumgehackt wird, die Verbrechen der Kriegstreiber und die der Kriegsgegner regelmäßig vertuscht werden. Auch die Russen betreiben ihre Propaganda über die glorreiche Rote Armee, über deren unbeschreiblichen Verbrechen hört man nichts. Daß die deutsche Politik nichts dagegen unternimmt und mitkuscht, zeigt mir, von wem sie ihre Befehle bekommen. Mir sagte vor gut 10 Jahren eine junge Bäuerin, daß sie das Mantra von der Kriegsschuld nicht mehr hören kann. Damals huschte noch der Propagandist Knopp jeden Abend mit seinen zusammengeschnippselten Geschichtslügen über die Bildschirme.
Und mein Vater, der in amerikanischer Kriegsgefangenschaft war, wiederholte immer wieder, daß sie bei ihrer Strafarbeit (wofür?) die Amis absichtlich hungern ließen.
Es würde nach den vielen Büchern, die erschienen sind und die Propaganda widerlegen, der Vernunft geschuldet, unsere Geschichte seit 1914 richtigzurücken, vor allem in den Schulbüchern. Eingewanderte Orientale wissen es besser und lachen sich in den Schulen beim Thema Schuldkult scheckig, habe es selbst erlebt. Junge Afghanen erzählten mir, daß sie die Angloamerikaner seit mehr als 100 Jahren in Kriege verstricken und ausrauben. Und auch die Chinesen werden die Opiumkriege nicht vergessen haben. Wann kommt die Wahrheit auf den Tisch?

Kommentar hinzufügen

Captcha Image

*Pflichtfelder

Da Kommentare manuell freigeschaltet werden müssen, erscheint Ihr Kommentar möglicherweise erst am folgenden Werktag. Sollte der Kommentar nach längerer Zeit nicht erscheinen, laden Sie bitte in Ihrem Browser diese Seite neu!

powered by webEdition CMS