18.06.2024

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Kirchengemeinde

Das Christliche Zentrum in Stettin

Feierliche Wiedereinweihung brachte das christliche Licht in die historische Baptistenkapelle

Friedemann Gillert
29.01.2023

An Verzögerungen im Zeitplan sind wir in den vergangenen Monaten alle schon gewöhnt. Doch am 15. Januar war es endlich soweit. Es fand ein erster Eröffnungsgottesdienst mit etwa 235 Teilnehmern in der alten, von Johann Oncken einst persönlich eröffneten Baptistenkapelle in der ehemaligen Johannisstraße 4 [Ul. Stoislawa 4] in Stettin statt.

Weil die obere Etage mit Wohnungen, Gästezimmern und dem Sitz eines christlichen Senders noch nicht ganz fertig ist, wird die feierliche Übergabe aller Räumlichkeiten mit Vertretern von Stadt und Marschallamt am 26. Februar um 11 Uhr stattfinden. Nach der endgültigen Fertigstellung können in sieben Doppelzimmern Jugendtreffen, Klausurtagungen und private Übernachtungen stattfinden.

Ein erstaunliches Geschehen zeigte sich in den vier Jahren Bauzeit (die Pommersche Zeitung berichtete vom Stand der Bauarbeiten in der Ausgabe 48/2020). Trotz enormer Arbeitsbelastungen wuchs die kleine Baptistengemeinde weiter und konnte auch mehrere Taufen feiern.

Probleme und Erfolge

Natürlich gab es auch immer wieder Rückschläge durch Probleme mit ausscheidenden Baufirmen, aber auch viel Segen. Dankbar konnten wir bemerken, dass keine ernsthaften Unfälle geschahen, dass durch die Spendenfreudigkeit, auch aus Deutschland, immer genug Geld vorhanden war, um die fälligen Rechnungen zu bezahlen.

Selbst das städtische Denkmalschutzamt half weiter, als in kritischer Situation alle „Felle davonzuschwimmen“ drohten. Das Denkmalschutzamt bestand auf der einen Seite darauf, alle noch vorhandenen Baudetails, auch die deutschen Beschriftungen, zu erhalten, gab aber auch sonst Unterstützung.

Die Spenden aus der Gemeinde und die Arbeit des Förderkreises in Deutschland reichten in der Hochphase des Baubetriebes nicht mehr aus, um die Finanzen zu konsolidieren. Doch Gemeinden und Einzelpersonen übergaben zinslose Darlehen an die Baptistengemeinde in Stettin, sodass der Bau weiterwachsen konnte. Kein Fleiß allein hätte aber ausgereicht. Das alles konnte nur durch die intensive Gebetsunterstützung erreicht werden.

Wieder baptistische Chormusik

Im Sonntagsgottesdienst am 15. Januar, der auch vom polnischen Fernsehen aufgezeichnet wurde, erlebte die Gemeinde mehrere Höhepunkte. Neben der gewohnten modernen Anbetungsmusik sang der gemischte Projektchor der EFG Eberswalde, verstärkt durch Sänger und Sängerinnen der Chöre der Evangelischen Stadtkirchengemeinde Eberswalde mit Kantor Siegfried Ruch und der Barnimer Musikschule mit Leiterin und Sopranistin Carola Reichenbach.

Pastor Dr. Robert Merecz bat darum, dass die altehrwürdigen Gemäuer, die fast 100 Jahre „baptistische Chormusik“ gewohnt waren, aus ihrem „Schlaf“ durch Musik des 19. Jahrhunderts „geweckt“ werden sollten. So sang der aus 35 Personen gebildete Chor zwei Kompositionen von Franz Schubert und Ludwig van Beethoven.

An die finanzielle Unterstützung aus dem „goldenen Amerika“ erinnerte eine Komposition von G. F. Root „Der Herr ist mein Licht und mein Heil“. Aus dem Jahr 1944 stammt das Gedicht des Theologen Dietrich Bonhoeffer, „Von guten Mächten wunderbar geborgen“, vertont von S. Fietz, das alle Teilnehmer in zwei Sprachen mitsingen konnten.

Staffellauf des Glaubens

Die Festpredigt hielt der Präsident des polnischen Baptistenbundes, Marek Glodek aus Warschau, in dem er den Gedanken des „Staffellaufs“ des Glaubens aufgriff. Von den deutschen Glaubensvätern von einst erhielten wir den „Stab“ für den Lauf. Von diesen Generationen das Licht des Glaubens weiterzugeben, soll unser Auftrag sein.

Zu dieser gedanklichen Reise durch die Gemeindegeschichte der Baptisten in Stettin hatte auch Pastor Merecz schon in seiner Moderation die Zuhörer eingeladen. Welche Etappenziele wurden in der Vergangenheit erreicht? Robert Merecz erinnert:

1844 – Eine Gruppe von Christen trifft sich zum gemeinsamen Lesen der Bibel;

1846 – Aus dieser Gruppe heraus kommt es zu der ersten Taufe von glaubenden Erwachsenen;

1855 – Die „Kapelle“, das baptistische Stadthaus in der Johannesstraße, wird eingeweiht;

1879 – Familie Hackmann wandert in die USA aus und gründet in Wisconsin und Iowa deutsche Baptistengemeinden. Zur Wiedereinweihung am 15. Januar kamen zwei Ururenkel, um sich die „Auferstehung der Kapelle“ anzusehen;

1940 – Die Gemeinde hat in der Zahl der Gemeindeglieder einen Höhepunkt der Entwicklung erreicht. Sie hat jetzt fast 650 Mitglieder und hat als „Muttergemeinde“ etwa 20 neue Gemeinden gegründet;

1946 – Die deutschen Baptisten wurden, wie alle Bewohner Stettins, durch die Kriegsfolgen vertrieben und eine sehr kleine Gruppe polnischer Baptisten trifft sich in dem Gemeindehaus zu ihren Gottesdiensten. Ein zarter Neuanfang beginnt. Ab dem Jahr 1989 ändert sich das politische System in Polen, die Gemeinde wächst und gründet zwei Gemeinden;

2023 – Wiedereinweihung der Kapelle in der ul. Stoisława als Christliches Zen­trum mit diakonischer Ausrichtung.

Viele Gratulanten erschienen am 15. Januar. Die Grüße des deutschen Baptistenbundes überbrachte Udo Herrmann. Karl-Heinz Schlag, Leiter des Förderkreises, erinnert an die Jahre der Baufinanzierung und die bevorstehenden Jahre der Abzahlung der Darlehen.

Doch schließlich hoffen wir weiterhin auf Gottes Gnade und Unterstützung. So wie einst der „kleine Junge, der seine zwei Brote und fünf Fische zur Verfügung stellte“, vertrauen wir auf weitere Wunder Gottes. Gottes Kraft ist in den Schwachen mächtig, wird uns in der Bibel zugesagt. In dem Lied von Root heißt es „... ich fürchte mich nicht, auf IHN allein verlass ich mich ...“ Warum sollte Gott seine Zusage nicht auch heute verwirklichen?


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