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Auf dem Weg zum persönlichen Wohlbefinden: In den Waldkliniken Eisenberg kommen Therapie-Roboter zum Einsatz
Foto: paAuf dem Weg zum persönlichen Wohlbefinden: In den Waldkliniken Eisenberg kommen Therapie-Roboter zum Einsatz

Gesundheit

Das gesunde Krankenhaus

Klimamanager und Sterneköche sollen helfen, Kliniken attraktiver zu gestalten – Patienten, Ärzte und Pfleger freut es, aber wer zahlt’s?

Stephanie Sieckmann
12.11.2022

Was macht ein gutes Krankenhaus aus? Die Antwort hängt davon ab, an wen man diese Frage richtet. Die Ansprüche an Kliniken sind heute enorm hoch und vielfältig. Versuche, für Patienten und Personal attraktiver zu werden, gibt es viele. Während die eine Einrichtung einen Sternekoch engagiert, um die Patientenverpflegung aufzuwerten, setzt die andere auf einen großzügigen grünen Park im Innenhof und Patientenzimmer mit Wintergarten, ein drittes Klinikum entscheidet sich für eine Modulbauweise, die Flexibilität in der Versorgung grundsätzlich schneller umsetzbar machen soll.

Der Ruf nach verbesserten Bedingungen wird zunehmend lauter. Vor allem eine bessere Versorgung und mehr Personal wird gefordert. Personal ist schwer zu bekommen. Der Einsatz in einer Klinik, egal ob als Arzt oder Pflegekraft, ist anspruchsvoll. Die Arbeitsschichten sind lang. Der Verdienst in der Regel knapp bemessen. Und das, obwohl gerade bei dieser Arbeit viel Verantwortung übernommen wird.

Doch die Geschäftsführer der Klinikbetriebe schütteln bei Forderungen nach höheren Löhnen oder einer kostspieligen Patientenkost nur den Kopf. Nichts zu machen. Da fragt sich der Laie: wieso? Schließlich sind die Notaufnahmen ständig überfüllt, die Betten oft belegt. Es werden also Einnahmen erzielt.

Doch die Forderungen, die heute an Krankenhäuser gestellt werden, sind komplex. Alte Gebäude können den modernen Anforderungen oft nicht gerecht werden. Und das in vielen Belangen. Die Überlegung, Altbestand zu modernisieren, stößt schnell an Grenzen. Einen neuen Krankenhauskomplex zu bauen, ist dagegen eine finanziell oft nicht tragbare Entscheidung. Die Klinikbetreiber sind bemüht, die Gesundheitsversorgung an aktuellen Maßstäben auszurichten. Allen Aspekten können sie dabei nur selten gerecht werden. Was bleibt, ist, sich für einen Schwerpunkt zu entscheiden und diesen Weg konsequent zu verfolgen.

Treibhausgase sind dabei auch im Gesundheitsbereich ein heißes Eisen. Studien unter anderem der Weltgesundheitsorganisation WHO haben gezeigt, dass der Gesundheitssektor mehr Kohlendioxid (CO₂) verursacht als Flugverkehr oder Schifffahrt. Weltweit sollen die Kliniken 4,4 Prozent der gesamten CO₂-Emissionen produzieren. Beim Projekt KLIK green – Krankenhaus trifft Klimaschutz – haben sich deshalb mehr als 250 Kliniken und Reha-Betriebe engagiert. Das Ziel: Unter anderem Umstellung auf 100 Prozent Ökostrom, weniger Fleisch in der Patientenverpflegung und das Angebot von Job-Fahrrädern – all diese Faktoren sollen zur Reduzierung der Umweltbelastung beitragen.

Wichtiger Faktor ist der Einsatz und das Wiederverwerten von Narkosegasen. Sie verursachen rund 35 Prozent der Emissionen im Krankenhaus. So soll das Narkosegas Desfluran eine 2540-fach so hohe Treibhauswirkung wie CO₂ haben. Das Amalie-Sieveking-Krankenhaus in Hamburg hat deshalb eine Anästhesistin als Klimamanagerin eingesetzt, die auf die Reduzierung der Emissionen achtet.

Hygiene auf dem Prüfstand

Um Infektionen zu vermeiden und die dafür notwendige Hygiene bestmöglich sicherzustellen, hat es sich im medizinischen Bereich etabliert, auf Einweg-Produkte zu setzen. Das hat Folgen. Pro Krankenhausbett werden auf diese Weise pro Tag sechs Kilogramm Abfall produziert. In Deutschland belegen die Gesundheitsbetriebe auf der Liste der Abfallerzeuger Platz fünf. Dazu kommt: Für ein Bett in einem deutschen Krankenhaus werden rund 300 bis 600 Liter Wasser pro Tag verbraucht. Auch das ist ein Wert, der reduziert werden muss. Das Wassermanagement ist deshalb ein weiteres wichtiges Puzzleteil bei der Gestaltung eines modernen, grünen Krankenhauses.

Was Reinigung und Desinfektion angeht, gibt es innovative Wege, die aber bislang in Deutschland nicht im Gesundheitsbereich genutzt wurden. Seit 2020 werden zunehmend Patientenzimmer und Isolierstationen durch Hygiene-Roboter gereinigt und desinfiziert. Es handelt sich aber nicht um kleine Maschinenwesen, die mit Eimer und Wischmopp unterwegs sind. Desinfektions-Roboter bringen UV-Licht zum Einsatz, mit dem in den USA, Asien und Großbritannien bereits seit Längerem Operationssäle desinfiziert werden. Die Technik ist nicht neu. Die Lebensmittelindustrie setzt schon länger auf ultraviolettes Licht, um Viren, Bakterien und Pilze zu beseitigen.

Beim Bau neuer Klinikkomplexe ist die klimafreundliche Architektur deshalb ein wichtiger Aspekt. Das Helmut-G.-Walther-Klinikum Lichtenfels ist ein bayerisches Musterbeispiel für Grüne Krankenhäuser. Im Passivhaus-Stil entworfen, wurden nachhaltige Materialien verbaut und Lärmminimierung angestrebt. Zu den wegweisenden Elementen gehören zwischen den Fenstern angebrachte Solarpaneele an der Außenfassade. Die CO₂-Emission konnte durch den Neubau um drei Viertel gesenkt werden, der Stromverbrauch im Bereich der Beleuchtung wurde durch Einsatz von organischen Leuchtdioden um 60 Prozent gesenkt. Doch so viel Innovation hat ihren Preis. 116 Millionen Euro hat es gekostet, die neue Klinik zu errichten. Geld, das der Landkreis Lichtenfels in den Neubau investiert hat. Und ein Preisrahmen, der nicht bei allen Klinik-Neubauten zur Verfügung steht.

Grün fördert Gesundheit

Erste Auswertungen zeigen, dass sich ein klimafreundliches Krankenhaus positiv auf die Gesundheit der Patienten auswirkt. Ein Beispiel sind die Waldkliniken Eisenberg in Thüringen. Das Hauptgebäude mit seiner runden Form und einer Holzfassade wurde unter dem Aspekt entworfen, den Patienten als Gast zu empfangen. Die Auswahl der Baumaterialien und das Ambiente machen einem Fünf-Sterne-Hotel Konkurrenz. Genau das ist gewollt. Jedes Patientenzimmer hat einen Wintergarten. So können die Patienten auf allen Seiten einen Blick in den Wald genießen. Damit wird das Immunsystem gestärkt, und die Erfahrung zeigt, dass Patienten weniger Schmerzmittel nach einer Operation benötigen, wenn sie in die Natur schauen können.

Das Grüne Krankenhaus ist also keine Utopie. Verbesserte Luftqualität und ein verbessertes Wohlgefühl der Patienten sind nach Studien ebenso als positive Auswirkungen erkannt worden wie ein verringertes Auftreten von Allergien, Asthma und weiteren Atemwegserkrankungen. In Patientenbefragungen zeigte sich, dass die Zufriedenheit durch die Möglichkeit, sich in einem Garten oder Park aufzuhalten, deutlich gesteigert werden konnte.

Das positive Fazit muss sich allerdings auch finanziell rechnen. Denn Krankenhäuser sind heutzutage auch Wirtschaftsunternehmen, von denen verlangt wird, dass sich der Betrieb trägt. Sonst muss er Insolvenz anmelden. Das Fazit kann nur lauten: Das Grüne Krankenhaus ist erstrebenswert, aber kostspielig. Und deshalb nicht immer umsetzbar.



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