01.10.2022

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In einem der Ausstellungsräume: Die ersten Interessenten statten dem neuen Museum einen Besuch ab
Foto: J.T.In einem der Ausstellungsräume: Die ersten Interessenten statten dem neuen Museum einen Besuch ab

Tapiau

Das Lovis-Corinth-Museum ist eröffnet

Nach langjährigem Umbau – Vier Ausstellungsräume berichten über den deutschen Impressionisten

Jurij Tschernyschew
15.09.2022

Lange Zeit gehörte Tapiau [Gwardejsk] nicht zu den Städten, die bei Touristen besondere Aufmerksamkeit erregten. Seit Kurzem gibt es hier jedoch eine Sehenswürdigkeit, die in der Region bereits gut bekannt ist. In dem Geburtshaus des berühmten Malers Lovis Corinth, der zu den bedeutenden deutschen Impressionisten gehörte, wurde eine Zweigstelle des Königsberger Museums der Schönen Künste eröffnet.

Lovis Corinths Elternhaus in der Wasserstraße wurde 1825 erbaut und gehörte der Mutter des Künstlers, Amalia Wilhelmine Buttcher, die auch eine Gerberei und ein an das Haus angrenzendes Grundstück besaß. Im Erdgeschoss des Hauses befanden sich Wohnräume und eine Küche mit Räucherkammer; eine steile Treppe führte von der Vorderseite in das Dachgeschoss, wo Knechte und Mägde schliefen. Von der steinernen Veranda aus konnte man die Ställe, den Hühnerstall und die Scheune überblicken – ihre Bewohner waren die ersten Motive des Künstlers Lovis Corinth.

Standort Geburtshaus in Tapiau

Von 1866 bis 1873 besuchte Corinth das Kneiphöfische Gymnasium in Königberg und lebte während dieser Zeit bei seiner Tante. Später nahm er an der Kunstakademie in München ein Studium auf, kehrte aber zeitlebens oft in seine Heimat Tapiau zurück, wo er viele schöne Werke schuf.

Das 1825 erbaute Geburtshaus des Künstlers in Tapiau hat die Zeit überdauert. Während der Sowjetzeit und nach dem Zerfall der Sowjetunion war das Elternhaus des Malers ein Wohnhaus, das aber nach und nach verfiel. Schließlich wurde es als einsturzgefährdet eingestuft und die dort lebenden Menschen wurden umgesiedelt. Dennoch beschloss man, es nicht abzureißen, sondern in ein Museum umzuwandeln.

Im Frühjahr 2020 begann der Wiederaufbau, bei dem jedoch ein Teil des Gebäudes einstürzte. Die Regionalregierung erklärte daraufhin, dass nun ein „großer“ Umbau mit dem „Rückbau einiger Elemente“ Teil des Bauprojekts sei. Schließlich musste das ursprüngliche Haus fast vollständig abgerissen werden. Anschließend wurde eine Nachbildung errichtet.

Das Königsberger Gebietsmuseum der Schönen Künste verfügt über eine bedeutende Sammlung von Grafiken von Lovis Corinth, die ins neue Corinth-Museum überführt wurden und nun dort in der Ausstellung zu sehen sind.

Im Erdgeschoss befinden sich vier Ausstellungsräume, in denen ein fünfzehnminütiger Einführungsfilm über den Künstler Lovis Corinth gezeigt wird. Der zweite Raum ist der Kindheit des Künstlers und der Geschichte von Tapiau zu dieser Zeit gewidmet. Ein separater Raum beherbergt Corinths grafische Arbeiten. Es gibt daneben noch einen Raum, in dem verschiedene Ausstellungen von Werken zeitgenössischer Künstler ausgestellt werden. Im Dachgeschoss befindet sich ein Kunstatelier für Kinder.

Das Selbstporträt von Corinth gilt als ein wichtiges Exponat des neuen Museums. Der deutsche Professor Volker Kreier hatte das Gemälde auf einem Markt in der Bundesrepublik gekauft und es der Stadt Tapiau im Jahr 2017 geschenkt unter der Bedingung, dass dieses Selbstporträt bei der Eröffnung des Corinth-Museums seinen Platz in der Ausstellung einnimmt. Das Werk stammt aus dem Jahr 1918 und trägt den Titel „Selbstbildnis vor der Staffelei“.

Selbstporträt als Geschenk

Nachdem die Museumseröffnung erfolgt ist, muss noch das Grundstück des Museums neu gestaltet werden. Geplant ist vor allem ein Skulpturenpark, in dem Werke aus den Sammlungen des Museums der Schönen Künste ausgestellt werden sollen.



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