16.04.2024

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Pascha Johann Friedrich Weitsch

Das Militär entdeckte das künstlerische Talent

Vor 300 Jahren kam der deutsche Landschaftsmaler und Zeichner aus kleinen Verhältnissen in Hessendamm zur Welt

Martin Stolzenau
12.10.2023

Unter „Hessendamm“ versteht man einerseits den westlichsten von drei historischen Verkehrswegen über den Großen Bruch, der heute ein Teilstück der B 79 bildet, nach 1945 im innerdeutschen Grenzgebiet lag und heute Sachsen-Anhalt und Niedersachsen verbindet. Andererseits gibt es auf dem gleichnamigen Verkehrsweg eine einst kleine Ansiedlung, die damals Sitz einer Zollstation war. In dieser Siedlung kam Pascha Johann Friedrich Weitsch am 16. Oktober 1723 als Sohn eines Ziegeldeckers und dessen Ehefrau zur Welt.

Der Vorname Pascha geht auf einen Taufpaten zurück und gilt als Abkürzung von Paschalis. Die Mutter des Jungen verstarb, als er 14 Jahre alt war. Deshalb musste er wohl den Besuch der Lateinschule im Fachwerkstädtchen Osterwieck, in dessen Umgebung er die Natur erkundete, vorzeitig beenden und danach eine Anstellung als Schreiber in Wolfenbüttel übernehmen. Es folgten die Anstellung bei einem Braunschweiger Hauptmann, 1744 der Eintritt ins Militär des Herzogs von Braunschweig und parallel entsprechend seinen zunehmenden künstlerischen Interessen die autodidaktische Weiterbildung auf diesem Gebiet. Weitsch brachte es schnell zum Korporal, heiratete die Bedienstete eines Stiftsfräuleins zu Wienhausen und fiel beim Kriegszug nach Holland seinen Vorgesetzten durch seine Zeichenkunst auf. Er beeindruckte die Offiziere bis hinauf zum Feldmarschall Prinz Moritz von Nassau mit Festungsskizzen und auch Landschaftsbildern.

Arbeit als Porzellanmaler ab 1756
Das machte ihn über das Regiment hinaus bekannt, sorgte für einige Nebeneinkünfte und trug ihm nach der Rückkehr ins heimische Herzogtum die Gunst des kunstsinnigen Ministers Heinrich Bernhard Schrader von Schliestedt ein, der ihn an den Herzog Karl I. vermittelte. Der Welfe staunte bei Ansicht der Arbeiten von Weitsch über die künstlerische Naturbegabung seines Untertanen. Er entließ ihn in Ehren aus dem Soldatenstand und beschäftigte ihn zu verbesserten Konditionen bei der Braunschweiger Buntmalerei für die Fürstenberger Porzellanmanufaktur. Weitsch schuf dabei ein Tafelservice für seinen Herzog mit Darstellungen der braunschweigischen Landschaft, von Städten und Dörfern. Das Service gefiel, erregte weiteres Aufsehen und trug ihm einige Freiheiten für seine persönliche Weiterbildung ein.

Weitsch kam mit dem Galerieinspektor von Schloss Salzdahlum in Kontakt, studierte die Bilderschätze des damals berühmten Schlosses und konnte sich in seiner Ölmalerei erheblich verbessern. Dazu kamen zwischendurch Studienreisen nach Kassel, Nürnberg, Ansbach und Düsseldorf, wo ihn die Akademie mit einem lukrativen Angebot umwarb. och Weitsch blieb seiner Heimat treu, erkundete auf einer weiteren Reise noch die Niederlande und konnte sich bei seiner Rückkehr über eine erhebliche Erhöhung seiner Besoldung freuen. Es waren bald 200 Taler. 

Der Herzog wollte seinen Vorzeigemaler nicht an fremde Höfe verlieren. Dazu bekam Weitsch einen alten Festungsturm als Wohnung und Atelier zur Verfügung gestellt, den er auch für eine Zeichenschule für Gebildete nutzte. Der Akademie in Düsseldorf schickte er als Trost für seine Absage ein treffliches Ölbild mit einem Eichenwaldmotiv. Das wiederum trug ihm sofort eine Professur, die Akademiemitgliedschaft und das Verlangen nach mehr Waldlandschaften von seiner Hand ein. Das kam einem künstlerischen Ritterschlag gleich.

Ölbilder kamen ab den 60ern hinzu
Weitsch entwickelte im letzten Lebensviertel vielgestaltige Aktivitäten. Die bisherigen Motivtouren durch den Harz wurden intensiviert. Daraus war schon 1769 das Bild „Bodetal mit der Roßtrappe“ hervorgegangen, das heute zum Bestand des Herzog-Anton-Ulrich-Museums gehört. 1780 war er gemeinsam mit dem Malerkollegen Johann Heinrich Ramberg im Harz unterwegs. So gab es bald immer mehr „Ansichten aus dem Harz“ von seiner Hand, die ihm eine volle Kasse bescherten.

Weitsch fungierte nebenbei auch als Kunsthändler, stand zusätzlich in Diensten der Stobwasserschen Lackwarenmanufaktur in Braunschweig und wurde 1789 zum Galerieinspektor im Schloss Salzdahlum ernannt. Er hatte nach dem Tod seiner ersten Frau 1783 Sophie Helmkampf geheiratet, die Tochter des Oberinspektors der Hüttenwerke im Unterharz, überzeugte nun auch mit gekonnten Radierungen und sorgte für die erste Ausbildung seiner ebenfalls künstlerisch begabten Söhne Friedrich Georg und Johann Anton August.

Der Maler, der 1795 auch noch zum Mitglied der Preußischen Akademie der Künste erhoben worden war, gehörte nun zum Bildungsbürgertum des Herzogtums und stand im Kontakt mit Ludwig Gleim und Gotthold Ephraim Lessing. Sein Sohn Friedrich Georg porträtierte den Vater 1797 auf einem Ölgemälde, das jetzt zum Bestand des Herzog-Anton-Ulrich-Museums gehört.

Als anerkannter Künstler starb Weitsch am 6. August 1803 in seinem Arbeitsort Salzdahlum. Seine überlieferten Arbeiten befinden sich heute außer in Privatbesitz vor allem in den Museen der Braunschweiger und Harzregion sowie im Hallwyska-Museum in Stockholm.

Annedore Müller-Hofstede widmete dem Künstler die 1973 in Braunschweig als Band 48 der „Braunschweiger Werkstücke“ erschienene Monographie „Der Landschaftsmaler Pascha Johann Friedrich Weitsch 1723–1803“.


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