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Am 8. April 1525 beendete der Vertrag von Krakau den Reiterkrieg. Darin nahm Albrecht aus der Hand des polnischen Königs  Sigismund den vormaligen Ordensstaat als Herzogtum Preußen zum Fahnenlehen
Bild: WikimediaAm 8. April 1525 beendete der Vertrag von Krakau den Reiterkrieg. Darin nahm Albrecht aus der Hand des polnischen Königs Sigismund den vormaligen Ordensstaat als Herzogtum Preußen zum Fahnenlehen

Nach vielen Schlachten und zähen Verhandlungen

Das Reiterkriegsende war der Anfang Preußens

Ordenshochmeister Albrecht von Brandenburg-Ansbach verweigerte den Eid und marschierte stattdessen gegen Polens König

Wolfgang Kaufmann
26.01.2026

Im Dreizehnjährigen Krieg, der von 1454 bis 1466 währte, erlitt der Deutsche Orden eine empfindliche Niederlage gegen das damalige Königreich Polen sowie gegen eine Allianz etlicher Städte und weltlicher Adliger innerhalb des Ordensstaates im heutigen Ostpreußen. Danach musste der Orden im Zweiten Frieden von Thorn vom 19. Oktober 1466 massiven Gebietsabtretungen zustimmen. Hinzu kam die Verpflichtung für den jeweiligen Ordenshochmeister, dem polnischen König einen formellen Treueeid zu leisten. Um diese Abhängigkeit von Polen zu beenden, verfiel der Hochmeister Johann von Tiefen 1496 auf die Idee, nach seinem Tod deutsche Reichsfürsten als Nachfolger zu berufen. Denn diese seien aufgrund der Rückendeckung durch das Heilige Römische Reich eher in der Lage, den Eid zu verweigern. Und so wurde dann auch tatsächlich verfahren: Sowohl der von 1498 bis 1510 amtierende Hochmeister Friedrich von Sachsen als auch der danach eingesetzte Albrecht von Brandenburg-Ansbach legten den Schwur nicht ab. Im Gegenteil – Albrecht ging sogar noch einen Schritt weiter.

Am 31. Dezember 1519 ließ er seine Truppen ins ermländische Braunsberg einmarschieren, das zum damaligen Preußen Königlichen Anteils gehörte und daher der polnischen Krone unterstand. Hiermit eröffnete Albrecht den sogenannten Preußischen Reiterkrieg, dessen Name daher rührt, dass der Orden in diesem militärischen Konflikt zunächst auf schnelle Schläge durch berittene Abteilungen setzte. Der polnische König Sigismund der Alte wusste allerdings, wie schwach die Position seines Gegenspielers war. Immerhin hatte der römisch-deutsche Kaiser Karl V. Albrecht im Juni 1519 aufgefordert, den in Thorn vereinbarten Lehnseid zu leisten, und der Landmeister des Deutschordens-Ablegers in Livland, Wolter von Plettenberg, weigerte sich, den Hochmeister mit Rittern zu unterstützen. Derart ermutigt befahl Sigismund Anfang 1520 den Gegenangriff.

In der Folgezeit vermieden die Heere offene Feldschlachten, stattdessen verwüsteten Söldner Ermland beziehungsweise den Südwesten des Ordensstaates. Dabei deutete zunächst alles auf einen polnischen Sieg hin – insbesondere als die Landsknechte von Sigismund auch nach Nordosten vorstießen und kurz vor Königsberg standen. Im Juni 1520 nahm Albrecht daher Verhandlungen mit dem polnischen König auf. Dann erfuhr der Hochmeister jedoch von der Ankunft eines dänischen Hilfskontingents, woraufhin er die Friedensgespräche wieder abbrach.

Scharmützel statt Entscheidung
Im weiteren Verlauf des Jahres 1520 verschlechterte sich die Position von Sigismund spürbar. Einige deutsche Fürsten hatten Albrecht die Anwerbung von 10.000 weiteren Kämpfern ermöglicht, während im Osten und Südosten Angriffe des Großfürstentums Moskau und des Khanats der Krimtataren auf Polen drohten. Vor diesem Hintergrund gelang es dem Deutschen Orden, das polnische Heer bis an die Weichsel zurückzudrängen, wo es in der Falle steckte, weil der Fluss Hochwasser führte und nicht überschritten werden konnte. Dennoch verzichtete Albrecht auf eine Entscheidungsschlacht und startete stattdessen weitere Scharmützel in Ermland, während seine Söldner immer unkontrollierbarer wurden, bevor sich ihre Haufen schließlich mangels Hoffnung auf Beute auflösten.

Damit geriet der Orden nun erneut ins Hintertreffen, wurde aber durch Karl V. und den böhmisch-ungarischen König Ludwig II. gerettet. Die beiden wollten angesichts der Gefahr erneuter Türkeneinfälle Preußen befrieden und vermittelten deshalb einen Waffenstillstand, der am 5. April 1521 in Kraft trat und immerhin für vier Jahre gelten sollte.

In den folgenden zwei Jahren reiste Albrecht, der Sigismund nach wie vor den Lehnseid verweigerte, im Reich herum, ohne aber nennenswerte Unterstützung zu finden, während der polnische König sich mit Moskau arrangierte. Danach schickte er den Marienburger Woiwoden Achaz von Zehmen nach Nürnberg, wo er Albrecht im Beisein des Kaisers aufforderte, sein Amt an Sigismund abzutreten.

Säkulare Umwandlung
Inoffiziell ließ der Gesandte den Hochmeister aber wissen, dass Polen ein weltliches Herzogtum unter Albrecht in den Grenzen des Ordensstaates von 1466 akzeptieren würde, wenn der Herzog endlich den Lehnseid leiste. So kam es zu zähen Verhandlungen, die erst eine Woche vor Ablauf des Waffenstillstandes mit der Unterzeichnung des Friedensvertrages von Krakau endeten: Der Ordensstaat wurde in das säkulare Herzogtum Preußen umgewandelt. Zudem gestand Sigismund Albrecht im Gegenzug für den Schwur eine jährliche Leibrente von 4.000 rheinischen Gulden sowie die Vererblichkeit seines Herzogstitels und Lehens an einen legitimen männlichen Nachkommen zu. Dieser Vertrag, mit dem der Reiterkrieg dann 1525 auch auf dem Papier endete, markierte den Beginn Preußens als eigenständiger Staat, stieß jedoch auf die entschiedene Ablehnung von Kaiser Karl V. und Papst Clemens VII. Ebenso wurde Albrecht von den Ordensoberen in Livland und dem Heiligen Römischen Reich als Verräter angesehen, der einen Staatsstreich gegen den Deutschen Orden unternommen habe.


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