20.05.2024

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Gastronomie

Das Restaurantsterben geht weiter

Vor allem der Gästeschwund wegen der Steuer sowie die Personalnot fordern immer mehr Opfer

Frank Bücker
10.04.2024

Kaum hatte das große Ausflugslokal „Loretta“ am Wannsee geschlossen (die PAZ berichtete), folgten nun gleich drei weitere traditionsreiche Lokale in der Nähe des Tegeler Sees. Das „Fisherman's“, das „Aarju“ und das „Haxnhaus“ haben im März dicht gemacht. Felix Schönebeck, Bezirksverordneter der CDU: „Dass diese drei Restaurants plötzlich schließen, war schon ein großer Hammer ... Diese Restaurants gibt es teilweise Jahrzehnte hier in Tegel, die Betreiber sind mittlerweile bekannte Persönlichkeiten in unserem Bezirk.“

Als Gründe geben die Wirte steigende Energiekosten und die wieder heraufgesetzte Mehrwertsteuer an. Auch Personal ist schwerer zu finden. Viele Kellner, die infolge der Corona-Anordnungen arbeitslos wurden, sitzen heute bei Aldi an der Kasse und wollen nicht zurück kommen. Farid Jaddou vom „Aarju“: „Alle, die sich mittlerweile vorstellen, kommen vom Jobcenter und wollen nur noch einen Minijob.“ Oder sie wollten gar nicht erst angemeldet werden. „80 Prozent der Bewerber wollen schwarz arbeiten.“ Die stetig steigende Abgabenlast führe dazu, dass vermehrt Menschen lieber gegen „netto-cash“ arbeiten. Zudem könnten sich Familien seltener Restaurantbesuche leisten, weil sie weniger Geld in der Tasche haben.

Früher war der Laden immer voll
Auch das französische Restaurant „Vogelweide“ in Tegel ist mittlerweile geschlossen, obwohl die Inhaber gern einen Nachfolger gehabt hätten. Die schlechten wirtschaftlichen Aussichten führen offenbar dazu, dass sich weniger Leute finden, die ein Lokal übernehmen wollen. Die Entwicklung in den Ausflugsquartieren Wannsee und Tegel ist kein Einzelfall. Die Bekanntheit der Lokale rückt sie nur besonders in den Fokus der Öffentlichkeit.

Im bevorzugten Wohnquartier Lichterfelde machen ebenfalls traditionsreiche Restaurants zu. Direkt am S-Bahnhof Lichterfelde West – mitten im Einkaufsviertel – lag das „Litehouse“. Schon Ende Februar musste es schließen. Es bot seit 1997 gutbürgerliche Küche. Von Frühstücksplatten über internationale Klassiker wie Burger bis hin zu DDR-Spezialitäten – der Laden war fast immer voll. Manch einer musste weiterziehen, weil es keinen freien Sitzplatz mehr gab.

Die Schließung begründete der Betreiber so: „Die angespannte Arbeitsmarktsituation, die stark gestiegenen Kosten von Energie und Lebensmitteln“ sowie krankheitsbedingte Personalausfälle und schließlich auch „Absagen von Reservierungen“ in dem sonst so gut besuchten Lokal hätten zum Kollaps geführt. Aber auch in Kreuzberg schließen Lokale wie die „Minibar“ in der Graefestraße – allerdings offenbar wegen einer Mieterhöhung. Der Wirt nahm es zunächst mit Humor und taufte einige seiner Getränke um in „Der bittere Nachgeschmack des Spätkapitalismus“, „Eigenbedarf Espresso“ und „Luxussanierung“.

Anderen Wirten geht es trotz allem gut. Björn Swanson vom Sterne-Restaurant „Faelt“: „Ich kann das Gejammer nicht mehr hören.“ Er hat den Menü-Preis von 134 Euro auf 99 Euro gesenkt, lässt das Fleisch weg, um einzusparen. Das scheint bei einer bestimmten Klientel, die angesichts dieser immer noch stolzen Preise überdurchschnittlich verdienen muss, gut anzukommen.


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