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Schon jetzt Europas größtes Universitätsklinikum: Forschung an der Berliner Charité
imagoSchon jetzt Europas größtes Universitätsklinikum: Forschung an der Berliner Charité

Medizin

Das unbeachtete Wirtschaftswunder

Mit dem Projekt „Gesundheitsstadt Berlin 2030“ strebt die Hauptstadt zur Weltspitze der Forschung

Norman Hanert
27.03.2020

Als US-Präsident Donald Trump Anfang März Manager aus der Pharma-Industrie ins Weiße Haus lud, um mit ihnen über Therapien und einen Impfstoff gegen die Lungenkrankheit Covid-19 zu reden, war unter den Geladenen auch der Vertreter eines deutschen Unternehmens.

Auf der Suche nach einem Impfstoff gegen das Coronavirus ist die US-Regierung auf das Tübinger Pharma-Unternehmen CureVac gestoßen. Die Biotech-Firma forscht seit Januar an einem Impfstoff. Dietmar Hopp, der Haupteigentümer von CureVac, gibt sich zuversichtlich, noch in diesem Jahr einen Impfstoff vorlegen zu können. „Ich denke aber, zum Herbst müsste das verfügbar sein, und dann käme möglicherweise die nächste Welle erneuter Infektionen", so der SAP-Mitbegründer Hopp.

Das Beispiel der Tübinger Firma kann als Beispiel für eine Erfolgsgeschichte gesehen werden, die von der Öffentlichkeit bislang kaum richtig wahrgenommen wurde. Im Schatten der jahrzehntelangen Exporterfolge deutscher Autohersteller und Maschinenbauer spielen nämlich deutsche Wissenschaftler und Firmen auch bei der Forschung an neuen Impfmitteln, Medikamenten und Therapien mit an der Weltspitze. Gleiches gilt für die medizinische Forschung, etwa auf Gebieten wie der Dermatologie, der Immunologie oder beim Kampf gegen den Krebs.

Mehr als Bayer, Siemens, Fresenius

Geht es um Pharmahersteller und Medizintechnik, sind dem Normalverbraucher häufig Namen großer Hersteller wie Bayer, Siemens oder Fresenius bekannt. Typisch für die heimischen Pharmafirmen und Medizintechnikhersteller sind jedoch kleine Unternehmen und Mittelständler wie eben der Tübinger Impfmittelhersteller CureVac.

Wie dies auch schon in anderen Branchen zu sehen war, haben auch deutsche Medizintechnikhersteller mit ihren spezialisierten Produkten oftmals hohe Anteile am Weltmarkt erobert. Im Schnitt exportieren die deutschen Medizintechnikunternehmen gut 70 Prozent ihrer Produkte ins Ausland.

Auf dem Weltmarkt ist der Bedarf für Medizintechnik riesig: Bereits im Jahr 2015 betrug das weltweite Marktvolumen 371 Milliarden US-Dollar. Noch lange vor der Corona-Krise wurde ein Weltmarktvolumen für Medizintechnik für das Jahr 2022 von über einer halben Billion Dollar prognostiziert.

Mit seiner gut aufgestellten Gesundheitsindustrie hat Deutschland sogar eine echte Trumpfkarte in der Hand: Den Autobau und andere klassische Industriezweige plagen derzeit Zukunftsängste. Fraglich ist, ob die über Jahrzehnte erfolgreichen Branchen künftig überhaupt noch ihre bisherige Bedeutung behalten werden. Bei der Medizin ist Deutschland jedoch ausgerechnet auf Gebieten gut aufgestellt, die Zukunftsforscher als Schlüsselressourcen der Zukunft sehen: Der Ökonom Leo A. Nefiodow vertritt als Anhänger der sogenannten Kondratjew-Zyklen sogar die These, dass die Medizin und das Gesundheitswesen insgesamt die neue Leitindustrie der nächsten Jahrzehnte werden.

Als Antriebsmotor sieht Nefiodow dabei Basisinnovationen in der Biotechnologie. Tatsächlich haben Wissenschaftler in den vergangenen Jahren gerade in der Gen-Forschung große Fortschritte erzielt. Hinzugekommen ist die Entwicklung in der Robotik, dem 3D-Druck und der Künstlichen Intelligenz.

Forscher sieht Deutschland vorn

Deutschland hat gute Chancen, mit seinem Gesundheitssystem, den Forschungseinrichtungen und den vielen innovativen Unternehmen bei vielen dieser Entwicklungen einen Beitrag zu leisten oder sogar den Maßstab zu setzen. Bereits vor einigen Jahren hat diese Zukunftschance Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller erkannt. Der SPD-Politiker will Berlin mit dem Konzept „Gesundheitsstadt Berlin 2030" zu einem Spitzenstandort der medizinischen Forschung machen, der es mit der Stanford University und Medizinmetropolen wie Zürich aufnehmen kann.

Berlin bietet für Müllers Plan tatsächlich gute Voraussetzungen: Die Charité ist Europas größte Universitätsklinik. Zudem verfügt die Stadt sogar noch mit dem „Benjamin Franklin" über ein zweites Universitätsklinikum und zusätzlich noch über den landeseigenen Vivantes-Klinikkonzern. Dies macht den Medizinstandort Berlin allein schon durch seine hohe Anzahl an Klinikbetten und die vorhandenen Millionen Patientendaten für die Forschung oder die Praxiseinführung von Projekten wie der elektronischen Patientenakte interessant. Sollte Müllers Plan für die „Gesundheitsstadt" aufgehen, würde Berlin an eine glanzvolle Rolle in der Medizingeschichte anknüpfen, für die Namen wie Robert Koch, Paul Ehrlich und Rudolf Virchow stehen. Gleich der erste Nobelpreis für Medizin ging 1901 an Emil von Behring, dessen Name eng mit dem preußischen Institut für Infektionskrankheiten in Berlin verbunden ist.



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