28.11.2022

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Vexillologie

Dasselbe in Grün

Vor 225 Jahren folgte auf die französische die italienische Trikolore

Manuel Ruoff
11.01.2022

Bikolore, also zweifarbige Flaggen mit gleichbreiten senkrechten oder auch waagerechten Streifen, haben in der Geschichte der Staats- und Herrschaftszeichen eine lange Tradition. Häufig leiten sie sich von entsprechenden Wappen ab, die in der Regel auch zweifarbig sind. Die Farbe des Motivs ist gemeinhin die obere, die des Untergrunds die untere. Preußens Flagge ist ein gutes Beispiel. Das Wappen zeigt einen schwarzen Adler auf weißem/silbernem Grund, die dazugehörige Flagge besteht aus einem oberen schwarzen und einem unteren weißen Streifen.

Wie auch die preußische sind die Bikoloren meist quergestreift. Das bietet sich an. Zum einen sieht bei waagerechten Streifen die Flagge von beiden Seiten gleich aus. Zum anderen werden in der Regel nicht die einzelnen Flaggenfarben, sondern die Kombination als spezifisches Symbol interpretiert, und diese Kombination tritt bei quergestreiften Flaggen, bei denen die Grenznähte zwischen den Streifen ungleich länger sind, viel stärker hervor als bei längsgestreiften.

Die französische Trikolore ist jedoch aus der Französischen Revolution hervorgegangen, und Revolutionen brechen gerne mit Althergebrachtem. So hat Frankreichs Trikolore, wie der Name schon verrät, drei statt zwei Farben, und diese sind auch noch senkrecht angeordnet.

Wenn nun ein weiteres Land drei senkrechte Streifen zur Flagge hat, liegt der Verdacht nahe, dass das postrevolutionäre Frankreich als Vorbild diente. Dieses gilt umso mehr, wenn eine Trikolore so sehr der französischen ähnelt wie die italienische. Man ersetze beim französischen Dreifarb das Blau durch Grün und schon hat man den italienischen. Und in der Tat spiegelt die italienische Flagge französischen Einfluss wider.

Als Folge von Napoleon Bonapartes Italienfeldzug des Jahres 1796/97 im Rahmen des Ersten Koalitionskrieges gelangte Norditalien unter den Einfluss Frankreichs. Die Französische Republik initiierte dort die Gründung von Tochterrepubliken. Am 15. November 1896 wurde nördlich des Po die aus der Lombardei mit Mailand und Mantua bestehende Transpadanische Republik ausgerufen. Am 27. Dezember des Jahres konstituierte sich südlich des Po die aus den Städten Modena, Reggio, Ferrara und Bologna samt Umland gebildete Cis­padanische Republik.

In der lombardischen Metropole Mailand entstand um diese Zeit eine Legione Lombarda. Am 6. November 1796 erhielt die 1. Kohorte dieses Militärverbandes auf dem Mailänder Domplatz eine grün-weiße-rote Truppenfahne. Angeblich setzte sich diese Farbkombination zusammen aus den Stadtfarben Mailands, Weiß und Rot, und der Uniformfarbe der Mailänder Stadtmiliz seit 1782.

Diese Farbkombination wurde aufgegriffen, als es nach der Gründung der Cis­padanischen Republik im Saal des Stadtrats von Reggio Emilia darum ging, für den neuen Staat eine Flagge zu finden. Vor 225 Jahren, am 7. Januar 1797 gegen elf Uhr, wurde auf Vorschlag des Abgeordneten Giuseppe Compagnoni aus Lugo die grün-weiß-rote Trikolore als Flagge der Republik beschlossen. Aus dem Grunde ist der 7. Januar in Italien heute ein staatlicher Gedenktag. Insbesondere im Stadtratssaal von Reggio Emilia, dem Sala del Tricolore, wird der Feiertag der Trikolore (Festa del Tricolore) jedes Jahr feierlich begangen.

Allerdings unterließen es die Abgeordneten an jenem 7. Januar vor 225 Jahren, die Ausrichtung der drei Streifen festzulegen. In der Praxis entschied man sich in der Cispadanischen Republik für eine konventionelle horizontale Anordnung.

In der Transpadanischen Republik griff man die Farbkombination auf, allerdings in der französischen senkrechten Variante. Am 29. Juni 1797 wurden die Transpadanische und die Cispadanische Republik zur Cisalpinischen Republik zusammengelegt, welche die senkrechte, französische Anordnung der drei Farben übernahm. Diese Cisalpinische Republik ging 1802 in der Italienischen Republik auf. Sowohl die Italienische Republik als auch das 1805 folgende Königreich Italien hatten eine grün, weiß und rote Flagge, aber mit einem völlig anderen Muster. Nach dem Ende der napoleonischen Zeit verschwanden im Zuge der Restauration auch die drei Farben erst einmal in der Versenkung.

Ab der 48er Revolution nutzte das Königreich Sardinien-Piemont die grün-weiß-rote Trikolore, um Italien unter diesem Zeichen und seiner Führung zu einen. Die Flagge des 1861 gegründeten Königreichs Italien bildete dann die Trikolore mit dem Wappen des Königshauses Savoyen im Zentrum.

1946 wurde Italien Republik und folgerichtig das Wappen des vormaligen Herrscherhauses aus der Flagge entfernt, ein Vorgang, den wir in ähnlicher Form aus der Zeit des zusammenbrechenden Ostblocks kennen, als aus vielen traditionellen Nationalflaggen die sozialistischen Nachkriegsstaatssymbole aus deren Zentrum entfernt wurden.

Im Artikel 12 der 1948 in Kraft getretenen Verfassung der Italienischen Republik heißt es: „Die Flagge der Republik ist die italienische Trikolore: grün, weiß und rot, in drei senkrechten Streifen von gleichem Ausmaß.“

Die genauen Farbtöne definiert erstmals die Regierung Berlusconi. Die drei Farben waren nun etwas gedämpfter, moderater als vor der Festlegung. Das gefiel der Linken gar nicht. Nach deren Regierungsübernahme 2006 wurden noch im selben Jahr kräftigere, grellere, leuchtendere Farbtöne festgeschrieben. Diese Regelung vom 28. Juli 2006 gilt noch heute.



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