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Degussa Goldhandel auf neuem Kurs

Nach dem Tod des Milliardärs August von Finck macht die Firma eine Wende nach links. Früherer Chef Markus Krall wurde abgehört

Thorsten Meyer
12.09.2023

Das Unternehmen Degussa Sonne/Mond Goldhandel GmbH war linken Kreisen schon länger ein Dorn im Auge. Unter dem früheren Eigentümer, dem konservativ-liberalen Milliardär August Baron von Finck, hatte sich die Gesellschaft nämlich erlaubt, auch in der rechts-libertären Szene ihre Netze auszuwerfen. Seit dem Tod des alten Barons ändert sich das aber. Sein Sohn August François von Finck, genannt François von Finck, hat Ende 2022 den damaligen Degussa-Geschäftsführer Markus Krall entlassen.

Dessen Nachfolger, Christian Rauch, hat nun der Politik abgeschworen und ist dabei, die Firma von Konservativen zu säubern. Nach Krall mussten im August weitere Manager und der Chefökonom gehen. Ein Eingeweihter spricht sogar davon, dass Degussa zu einem „woken Unternehmen“ werde, das einen Kotau vor dem linken Zeitgeist mache.
Rauch, der früher Luxusmarken wie Montblanc in Italien leitete, sagte gegenüber dem „Handelsblatt“, Degussa wolle „offen sein für Menschen, unabhängig von Religion, Geschlecht, politischer Orientierung und Hautfarbe“. Dass er es überhaupt für nötig erachtet, das zu betonen, liegt am Druck, unter dem das Unternehmen stand.

François v. Finck und Christian Rauch
Der aus einer Bankiers- und Unternehmerfamilie stammende August von Finck (1930–2021) war bekannt dafür, dass er neben Spenden für die FDP und die CSU auch weiter rechts stehende Gruppierungen unterstützte. Ein offenes Geheimnis war beispielsweise, dass er in den frühen 1990er Jahren den Bund freier Bürger, die Anti-Euro-Partei des bayerischen FDP-Renegaten Manfred Brunner, finanzierte.

Die „Süddeutsche Zeitung“ kolportierte gerne ein angebliches Zitat über den alten Baron von Finck, genannt „Gustl“, rechts von diesem stehe „bloß noch Dschingis Khan“. Später wurde die FDP wegen einer Großspende von Finck, dem auch die Mövenpick-Hotelgruppe gehört, scharf angegriffen. 2018 behauptete der „Spiegel“, dass der in der Schweiz lebende Milliardär auch die AfD in ihrer Anfangszeit finanziell unterstützt habe.

François von Finck, Jahrgang 1968, hat offenbar wenig von den liberal-konservativen Ansichten seines Vaters geerbt und will Degussa politisch zeitgeistkonformer halten. Dafür sorgt der neue Geschäftsführer Rauch. Ihm liege besonders die Digitalisierung des Geschäfts am Herzen, sodass Kunden über einen Online-Shop Gold ordern können. Bei Degussa soll es zudem künftig Gold-Sparpläne geben. Im Jahr 2021, unter Vorgänger Krall, machte das Handelshaus mit Gold und Silber rund 1,4 Milliarden Euro Umsatz, kam auf 57 Millionen Euro Rohertrag und knapp 16 Millionen Euro Gewinn, schreibt das „Handelsblatt“. Damit ist Degussa kleiner als das Münchner Edelmetallhaus Pro Aurum, das doppelt so viel umsetzt, indes kaum mehr Gewinn macht.

Der Ökonom und Buchautor Krall hatte sich öfter mit düsteren Wirtschaftsprognosen hervorgetan und galt als „Crash Prophet“. Viele Feinde machte er sich mit seinem Bestseller „Die bürgerliche Revolution“. Darin warnte er, dass Freiheitsrechte und Marktwirtschaft erodierten, das Geldsystem kollabieren werde und die Eliten versagten. Jüngst geriet er abermals in die Schlagzeilen. Er wird nämlich als Zeuge im Prozess gegen Heinrich XIII. Prinz Reuß geführt, der mit einer Gruppe sogenannter Reichsbürger mutmaßlich einen Putsch gegen die Bundesregierung geplant hatte. Krall sagt, mit dem 72-Jährigen habe ihn eine längere geschäftliche Beziehung verbunden. Der Prinz soll Krall indes bei einem Essen mit zwei anderen Männern auch gefragt haben, was er als Wirtschaftsminister machen würde. Das will Krall aber als hypothetische Frage aufgefasst haben.

Degussa-Museum vor dem Aus
Obwohl Krall nur als Zeuge in dem Verfahren geführt wird, hat die Polizei in seiner Abwesenheit, als er Urlaub auf Mallorca machte, seine Wohnung durchsucht. Zudem wurde sein Telefon abgehört. Dabei hörten die Ermittler einen Anruf beim früheren Verfassungsschutzpräsidenten Hans-Georg Maaßen nach der Durchsuchung mit. Ein Mitschnitt dieses kurzen Gesprächs wurde – rechtswidrig – an die Presse, namentlich den „Spiegel“ durchgestochen, der daraus eine Verbindung von Maaßen zu Reichsbürgern herbeikonstruieren wollte.

Degussa hat mit Krall nichts mehr am Hut. Das Unternehmen wird künftig ein unpolitisches Profil fahren. Vor dem Aus steht auch das in Frankfurt errichtete Degussa-Museum Goldkammer, an dem der alte Baron von Finck Freude gezeigt hatte. Angeblich hat die Einrichtung damals einen zweistelligen Millionenbetrag gekostet. Besucher konnten Goldbarren und Münzen bestaunen. Seit Corona ist die Goldkammer geschlossen. „An dieser Stelle möchten wir Sie darüber informieren, dass sich die Degussa Goldhandel GmbH dazu entschlossen hat, die Räumlichkeiten des Goldkammer Museums zukünftig intern anders zu nutzen. Ein klassischer Museumsbetrieb in der bisherigen Art wird daher nicht mehr stattfinden“, heißt es nun auf der Homepage.


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Kommentare

sitra achra am 15.09.23, 09:51 Uhr

Da er sich kontaktschuldig mit Hans-Georg Maaßen gemacht hat und beste Beziehungen zu unserem legitimen Souverän, seiner Hoheit Heinrich XIII, Prinz Reuß, unterhielt, sah sich der zuständige Staatsanwalt sehr zu seinem Bedauern gezwungen, in Markus Kralls Abwesenheit, sein Heim in Begleitung dreier Mannschaftswagen nachts um vier Uhr zu stürmen. So gelang es ihnen, seine Schwiegertochter sowie die vierjährige Enkeltochter, die nichtsahnend in ihrem Bettchen schlummerte, erfolgreich zu überwältigen. Mutter und Tochter wurden im Anschluss daran stundenlang voneinander getrennt. Verursachtes Trauma hin oder her, es mußte im Sinne der staatlichen Selbstlegitimation gehandelt werden. Wo gehobelt wird ...
Danach wurde die "Bude" auf den Kopf gestellt, Computer und private Unterlagen beschlagnahmt. Goldbarren der Degussa wurden leider nicht entdeckt. Solche Helden braucht das Land! Das Aufräumen der Spuren dieses siegreichen Feldzugs dauerte wochenlang.
Das sollte dem aufmüpfigen Krall eine ernste Warnung sein.
Sollte er es dennoch wagen, diesen wunderbaren Staat etwa als "Drecksstaat" zu denunzieren, würgt man ihm noch eine saftige Geldstrafe rein, siehste woll!
Da kann er doch ohnmächtig die Fäuste in der Hosentasche ballen und mit seinen Molaren knirschen, papperlapapp.
Es lebe diese herrliche Demokratie!

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