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Eine Einsendung aus Köslin: So sahen die Beiträge aus. Wunderbar, dass sie jetzt Anerkennung finden
Foto: Žan Vidmar Zorc, 2025Eine Einsendung aus Köslin: So sahen die Beiträge aus. Wunderbar, dass sie jetzt Anerkennung finden

Brauchtum

Dem Vergessen entrissen

Pommersches Volksliedarchiv erzählt von dem Leben „im Land am Meer“

Torsten Seegert
18.02.2025

Die Sensation liegt bereits etwas zurück. 2014, also vor über zehn Jahren, wurde das Pommersches Volksliedarchiv auf einem Dachboden geborgen. Der damals gehobene Schatz umfasst nach dessen Aufarbeitung und Registrierung etwa 14.000 Volks- und Tanzlieder aus Vor- und Hinterpommern. In Kisten verpackt, mit handschriftliche Notizen versehen war es ein unglaublicher Fund pommersches Kulturerbes. So auch aus dem größten Dorf im Kreis Naugard, in Hackenwalde.

Zu der heutigen Sammlung steuerte der Lehrer Martin Wege im Jahr 1935 drei Texte bei: „Fastelabend, Fastelabend up'n witten Schimmel“ sowie „Hippel den bippel“ und „Ich bin der kleine König“. Wege, der einst als junger Soldat das Grauen des Ersten Weltkrieges erlebte und davor warnte, starb in den ersten Wochen des Zweiten Weltkrieges.

Doch wie kam es überhaupt zu der Sammlung? 1926 begann unter dem Initiator und wissenschaftlichen Mentor Lutz Mackensen das Pommersche Volksliedarchiv mit der systematischen Sammlung des regionalen Liedgutes. Durch die dafür gegründete Arbeitsgruppe wurden zirka 16.000 pommersche Volkslieder aus etwa 450 Orten zusammengetragen – aufgerufen dazu wurde in Zeitungen – und die Resonanz war großartig.

Diese kulturelle Sammeltätigkeit endete im Jahr 1938. Und ab 1945, durch Flucht und Vertreibung der Deutschen aus Teilen von Vor- und Hinterpommern und der sich anschließenden Teilung Pommerns, wurden nicht nur Landesname, sondern auch pommersches Kulturerbe aus dem Alltag ausradiert, um es vergessen zu machen. Auch die jahrhundertealten gewachsenen und bedeutungsvollen Ortsnamen jenseits der Oder sollten verschwinden.

Seit 1950 galt das Volksliederarchiv als „verschollen“. Darum ist das Wiederauffinden 2014 durch den Leiter des Universitätsarchivs Dirk Alvermann ein wahrer Glücksfall, wobei sich auch einige Lücken zeigten. Die Sammlung spiegelt humorvoll, spielerisch und manchmal bissig den Alltag und die Sehnsüchte der Pommern wider, denn Volkslieder entstanden zumeist aus bestimmten Lebenssituationen heraus.

Die Universität Greifswald digitalisiert die Bestände des Pommerschen Volksliedarchivs – in Zukunft werden sie vollständig online abrufbar sein. Bereits jetzt lassen sich einige Lieder im Original anhören.

pommersches-volksliedarchiv.de 


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