17.04.2024

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Moscheen in Deutschland

Den Anfang machte Kaiser Wilhelms „Halbmondlager“

Tausende islamische Gotteshäuser verteilen sich mittlerweile über die Bundesrepublik. Ihre Namen verraten einiges über die Einstellungen ihrer Betreiber

Wolfgang Kaufmann
20.02.2024

Nach der Schlacht am Kahlenberg bei Wien am 12. September 1683, in der die osmanischen Belagerer eine vernichtende Niederlage im Kampf gegen das deutsch-polnische Entsatzheer erlitten hatten, kamen die ersten Muslime nach Deutschland. Allerdings assimilierten sich diese kriegsgefangenen und später freigelassenen „Beutetürken“ sehr schnell. Das galt gleichermaßen für die „Kammertürken“ Ali, Hassan und Marusch, die dem späteren preußischen König Friedrich I. ab 1686 dienten. Deshalb brauchten sie auch keine Moscheen oder andere Örtlichkeiten fürs islamische Gebet.

Trotzdem schrieb Friedrich der Große im Juni 1740 mit Blick auf die Bevölkerungsverluste infolge der Großen Pest, er wäre durchaus bereit, solche errichten zu lassen: „Alle Religionen seindt gleich und guht, wan nuhr die Leüte, so sie profesieren (ausüben), erliche Leüte seindt, und wen Türken und Heiden kähmen und wolten das Land pöbplieren (besiedeln), so wollen wier sie Mosqueen und Kirchen bauen.“ Dies tat er selbst dann nicht, als während des Siebenjährigen Krieges tatsächlich hunderte muslimische Angehörige des russischen Heeres in die Armee des „Alten Fritz“ wechselten und ab 1762 im Husaren-Regiment „Bosniaken“ für Preußen kämpften.

Die erste Moschee auf preußischem und deutschem Boden entstand erst 1915 auf Order von Kaiser Wilhelm II. im „Halbmondlager“ von Wünsdorf bei Zossen und diente kriegsgefangenen Angehörigen der britischen und französischen Kolonialvölker, die sich zum Islam bekannten, als Gebetshaus. Dem folgte 1928 eine Moschee in Berlin-Wilmersdorf, welche von der Lahore-Ahmadiyya-Bewegung für die Verbreitung des Islam errichtet wurde und dem Taj Mahal in Indien ähnelt. Dieses kleine Gotteshaus existiert noch heute, während die aus Holz bestehende Wünsdorfer Moschee 1925 wegen Baufälligkeit abgerissen werden musste.

Gebetshäuser für Gastarbeiter
Anschließend kamen zunächst keine neuen Moscheen hinzu, obwohl später zahlreiche muslimische Legionäre aus der Sowjetunion und vom Balkan in der Wehrmacht oder Waffen-SS dienten. Es dauerte nach dem Zweiten Weltkrieg noch mehr als zehn Jahre, bis in Hamburg und Frankfurt am Main zwei weitere Moscheen entstanden – und zwar wiederum auf Initiative der rührigen islamischen Reformgemeinschaft Ahmadiyya Muslim Jamaat (AMJ).

Dann führten Anwerbeabkommen mit der Türkei, Marokko und Tunesien sowie der daraus resultierende Zustrom von Gastarbeitern aus diesen Ländern in den 1960er Jahren zu einer Explosion der Zahl der Moscheebauten in der Bundesrepublik. Heute existieren in Deutschland knapp 3000 größere und mittlere islamische Gotteshäuser sowie ungezählte kleinere „Hinterhofmoscheen“, von denen insgesamt 90 vom Verfassungsschutz überwacht werden. Dabei könnte es auch in etlichen anderen Moscheen extremistische Bestrebungen geben. Darauf deutet nicht zuletzt die Benennung der Gotteshäuser hin, welche wohlüberlegten Schemata folgen. Dabei bestehen jedoch gravierende Unterschiede zwischen den einzelnen islamischen Strömungen.

Die AMJ, welche 1989 das Ziel proklamierte, einhundert eigene Moscheen in Deutschland zu errichten und am 11. September 2023 bei der Hälfte angekommen war, tritt vergleichsweise wenig provokativ auf. Sie gibt ihren Gebetsstätten weitgehend neutrale Namen wie „Moschee des göttlichen Lichtes“, „Haus des Würdigen“, „Moschee der frohen Botschaft“, „Haus des Friedens“ oder „Moschee der Guten“. Dazu kommen Namenspaten aus den Reihen der Ahmadiyya-Bewegung wie Mirza Tahir Ahmad, Mirza Baschir ud-Din Mahmud Ahmad und Mirza Nasir Ahmad. Diese ehemaligen spirituellen Führer der AMJ waren allesamt keine Scharfmacher oder „Glaubenskrieger“. Außerdem trägt die 2008 eingeweihte Ahmadiyya-Moschee in Berlin-Heinersdorf den Namen von Chadidscha bint Chuwailid, der ersten Frau des Propheten Mohammed, welche auch als erste Muslimin der Geschichte gilt.

Christenschlächter als Namensgeber
Noch gleichförmiger ist das System der Bezeichnung der schiitischen Moscheen auf deutschem Boden. Dieses basiert auf dem Brauch der Schiiten, Gotteshäuser nach einem der zwölf „unfehlbaren Imame“ zu benennen, wobei der erste in der Reihe, Ali ibn Abi Talib, der Schwiegersohn Mohammeds war und von diesem eingesetzt wurde, und der Letzte, Muhammad ibn al-Hasan al-Mahdi, eine fiktive Erlösergestalt ist, deren Rückkehr erst noch bevorsteht. Also gibt es beispielsweise eine Imam-Ali-Moschee in Hamburg und eine Imam-Mahdi-Moschee im sauerländischen Menden.

Im Vergleich dazu ist das Spektrum der Namen der sunnitischen Gotteshäuser hierzulande deutlich breiter und reicht vom banalen „Merkez Camii“ für „Zentralmoschee“ über religiöse Floskeln wie „Tauhid“, welche für die Einzigartigkeit Allahs steht, bis hin zur Erinnerung an ganz unterschiedliche Personen aus der islamischen Welt. So zählt man knapp 30 Moscheen in Deutschland, die den Namen des noch heute verehrten Mystikers Dschalal ad-Din Muhammad Rumi alias Maulani tragen, der im 13. Jahrhundert lebte.

Auffällig viele Gotteshäuser der von der Regierung in Ankara kontrollierten Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (DİTİB) sind aber auch nach religiösen Eiferern benannt, die sich vor allem durch die Vernichtung angeblicher Ungläubiger hervorgetan oder als brutale Eroberer und Machtmenschen erwiesen haben. Hierzu gehören die ersten beiden Kalifen Abu Bakr und Umar sowie die osmanischen Sultane Bayezid I. Yildirim (Der Blitz), Mehmed II. Fatih (Der Eroberer) und Selim I. Yavuz (Der Grausame). Allein an den Brudermörder und Christenschlächter Mehmed II. erinnern mittlerweile mehr als 50 Moscheen in Deutschland.

Dazu kommen Dutzende von al-Quds-Moscheen, die für den islamischen Alleinanspruch auf die heilige Stadt Jerusalem stehen, sowie rund 25 Ayasofya-Moscheen. „Ayasofya“ ist die türkische Form von „Hagia Sophia“. Die Ayasofya-Moscheen sollen die gewaltsame Umwandlung des einstigen Zentrums der christlichen Orthodoxie in eine Moschee nach der osmanischen Eroberung Konstantinopels im Jahre 1453 würdigen.


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Kommentare

sitra achra am 26.02.24, 18:23 Uhr

Diese wundervollen Bauten, wertvoll schon anhand ihrer Anzahl und mit Hinblick auf ihre bauliche Kapazität, ließen sich doch beschlagnahmen und zu Flüchtlingsunterkünften umfunktionieren. Der moslemische Teil der Neuankömmlinge würde sich dort gleich wie zu Hause fühlen! Yallah.

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