28.05.2020

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Geschichte

„Den Massenterror sofort einführen“

Vor 150 Jahren wurde Wladimir Iljitsch Lenin, Führer der russischen Oktoberrevolution und des jungen Sowjetstaates, in Simbirsk an der Wolga geboren

Wolfgang Kaufmann
19.04.2020

Nachdem im Jahre 1887 sein älterer Bruder Alexander wegen der Vorbereitung eines Attentates auf den russischen Zaren Alexander III. gehängt worden war, wandte sich Wladimir Iljitsch Uljanow der Politik zu. Dabei zeigte der am 22. April 1870 in Simbirsk an der Wolga geborene Sohn eines adligen Schulinspektors schon sehr früh terroristische Neigungen, die er mit Hinweisen auf die Lehren von Karl Marx zu legitimieren versuchte. Ab 1893 verbrachte der von Hause aus wohlhabende Rechtsanwalt viel Zeit im europäischen Ausland – mit Unterbrechungen infolge von Inhaftierungen und einer dreijährigen Verbannung nach Sibirien wegen illegaler Agitation. 

1895 weilte er in einem Schweizer Sanatorium. Medizinhistorikern zufolge versuchte er dort die neurologischen Folgen der Syphilis auszukurieren, die er sich wohl bei Pariser Prostituierten zugezogen hatte. Jedenfalls plagten ihn später eindeutige Symptome einer progressiven Paralyse, die typischerweise im fortgeschrittenen Stadium der Geschlechtskrankheit auftritt. 

Hinrichtung des Bruders Alexander 

1902 veröffentlichte der seit dem Februar 1900 unter dem Kampfnamen „Lenin" auftretende und in München residierende Revolutionär seine programmatische Schrift „Was tun?". Darin skizzierte er das Konzept einer straff organisierten kommunistischen Kaderpartei – garniert mit Lobeshymnen auf den revolutionären „Massenterror". Im Ergebnis dessen kam es 1903 zur Spaltung der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands in die Fraktionen der gemäßigten Menschewiki und der radikalen Bolschewiki nach Leninschem Muster. 

Nach dem misslungenen Moskauer Aufstandsversuch der Letzteren im Dezember 1905 ging Lenin erneut ins Ausland und verfasste im Schweizer Exil weitere theoretische Schriften. In die Heimat kehrte er erst im April 1917 zurück – und zwar mit Hilfe der deutschen Reichsregierung, die auf diese Weise den russischen Kriegsgegner zu destabilisieren und aus der antideutschen Koalition herauszubrechen trachtete. Und das funktionierte auch, wie sich im November 1917 zeigen sollte, als die Bolschewiki die sozialistisch-liberale Regierung Kerenski stürzten und die Macht im Lande übernahmen. 

Lenin wurde als Vorsitzender des Rates der Volkskommissare Regierungschef des neuen Sowjetrussland. Dem folgten die Auflösung des provisorischen Parlaments sowie der Friedensvertrag von Brest-Litowsk mit dem Deutschen Reich und den anderen Mittelmächten. 

Damit machte sich der bolschewistische Anführer viele Feinde. Einer von diesen war die Sozialrevolutionärin und Anarchistin Fanny Kaplan, die am 30. August 1918 zweimal auf den „Verräter an der Revolution" schoss. Von den beiden Treffern an Schulter und Hals sollte sich Lenin nie wieder richtig erholen. 

Grundstein für das Gulag-System 

Der um diese Zeit losbrechende „Rote Terror" war jedoch keine Folge dieses Attentates. So hatte Lenin bereits am 9. August mit Blick auf den Bürgerkrieg zwischen den Bolschewiki und deren zahlreichen Gegnern an die Behörden von Nischni Nowgorod geschrieben: „Man muss alle Kräfte spannen, eine Troika von Diktatoren zusammenstellen, den Massenterror sofort einführen." 

Am selben Tage schickte er ein Telegramm nach Pensa, in dem es hieß: „Der gnadenlose Massenterror gegen Kulaken, Popen und Weißgardisten ist durchzuführen; zwielichtige Elemente sind in einem Konzentrationslager außerhalb der Stadt einzusperren." Damit legte er den Grundstein für das berühmt-berüchtigte Netz von sowjetischen Straflagern, genannt Gulag-System. Dem folgte am 22. August der Befehl, „die Verschwörer und Schwankenden zu erschießen, ohne um Erlaubnis zu bitten und den idiotischen Amtsschlendrian zuzulassen". 

Schon im Juli 1918 hatte der von Lenin geführte Rat der Volkskommissare den letzten Zaren Nikolaus II. und dessen Familie ermorden lassen. Später kamen die Massaker an den Teilnehmern des Kronstädter Matrosenaufstandes von 1921 hinzu, der sich gegen die Diktatur der Kommunisten richtete. 

Der Schreibtischtäter erließ zwischen 1917 und 1922 insgesamt 676 Gesetze und Dekrete zur Etablierung und Festigung der Terrorherrschaft der Bolschewiki, aus denen die Liquidierung von 250 000 bis möglicherweise einer Million Personen resultierte. Nicht zu vergessen sind in diesem Zusammenhang die zehn Millionen Zivilisten, die im Bürgerkrieg starben. 

Nach dem Abflauen der Kämpfe in den verschiedenen Teilen des vormaligen Zarenreiches wurde am 30. Dezember 1922 auf maßgebliche Initiative Lenins die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR) gegründet. Da war der Berufsrevolutionär gesundheitlich bereits schwer angeschlagen. Außer den Symptomen der progressiven Paralyse und den Folgen des Attentats von 1918 machten Lenin nun auch die Auswirkungen der insgesamt wahrscheinlich acht Schlaganfälle zu schaffen, die er zwischen dem 26. Mai und 15. Dezember 1922 erlitten hat. 

Und es sollte noch schlimmer kommen. Am 10. März 1923 ereilte Lenin ein neunter Schlaganfall. Die Ursache hierfür lag in der fortschreitenden Verkalkung vieler Arterien im Gehirn des erst 52 Jahre alten, angeblich so „genialen Theoretikers des wissenschaftlichen Kommunismus". Ab diesem Zeitpunkt war Lenin ein absoluter Pflegefall und unfähig zu sprechen, was vor der Öffentlichkeit geheim gehalten wurde. Das Politbüro des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei versteckte den Parteiführer im vormaligen Herrenhaus des Landgutes der Adelsfamilie Durassow in Gorki bei Moskau. Dort starb Lenin am frühen Morgen des 21. Januar 1924 infolge seines zehnten Schlaganfalls. 

Terrorherrschaft der Bolschewiki 

Zum Nachfolger des Revolutionsführers, dessen konservierter Leichnam noch heute auf dem Roten Platz in Moskau in einem Sarg aus Panzerglas zur Schau gestellt wird, stieg Josef Stalin auf. Dieser etablierte ein Terrorregime, das noch unmenschlichere Züge trug als das von Lenin begründete.



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Kommentare

sitra achra am 23.04.20, 12:46 Uhr

Man hat den Eindruck, dass nicht nur Lenin an Gehirnverkalkung litt. Die hiesige linke Mischpoche scheint auch massenhaft darunter zu leiden.
War es nicht so, dass sie politische Gegner exekutieren oder wenigstens in Gulags stecken wollten?
Wurde natürlich als Scherz deklariert. Haha, was haben wir gelacht!

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