26.05.2024

Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung

Suchen und finden

Nationalfeiertag

Der 3. Oktober ist der Krampftag deutscher Eliten

Der diesjährige Tag der Einheit zeigte einmal mehr die innere Distanz der politischen und gesellschaftlichen Führung zu ihrem Volk. Dabei gibt es durchaus Grund zur Freude

René Nehring
04.10.2023

Schon lange ist unter den Gedenk- und Feiertagen unseres Landes der 3. Oktober einer der unehrlichsten. Zumindest im Hinblick auf diejenigen, die ihn seit Jahren in den offiziellen Festakten von Bund und Ländern begehen: die Vertreter von Staat und Parteien, Kirchen und Verbänden. Seit der unerwarteten – und von vielen Politikern erklärtermaßen ungewollten – staatlichen Einheit von 1990 zelebrieren sie den amtlichen Nationalfeiertag regelmäßig vor allem als einen Anti-Gedenktag. 

Auch in diesem Jahr gab es nichts, was dem Anspruch einer Feier der Nation auch nur entfernt gerecht würde. Die „Promis“ der offiziellen Einheitsfeier in Hamburg waren der Komiker Otto und der Travestiekünstler Oliver Knöbel, besser bekannt unter dem Künstlernamen Olivia Jones. Inhaltliche Botschaften zur Lage der Nation sind weder vom Kanzler noch vom Bundespräsidenten überliefert.

Probleme wälzen statt feiern

Das Schema der Einheitsfeiern ist im Grunde immer das gleiche: Wo andere demokratische Länder ganze Orte in ihre Nationalfarben kleiden und die führenden Repräsentanten des Staates das Selbstverständnis der Nation beschwören, werden in Deutschland einschläfernde Reden gehalten und allenfalls Probleme gewälzt. Die Klassiker dabei sind das „immer weitere Auseinanderdriften von Ost und West“ sowie die Warnungen vor einem angeblich dramatisch wachsenden Nationalismus. Zwar werden die deutschen Nationalfarben Schwarz-Rot-Gold – die zu keinem Zeitpunkt unserer Geschichte Symbole von Unterdrückung und Despotie waren, sondern stets von Freiheit und Demokratie – an Behörden und öffentlichen Gebäuden gehisst, doch wird zugleich jedes wärmende Gefühl vermieden. Freude herrscht allenfalls darüber, wenn der Feiertag kalendarisch so fällt, dass er ein langes Wochenende ermöglicht, am besten wie diesmal mit einem Brückentag.

Gewiss lehren die Höhen und Tiefen unserer Geschichte, vor allem die Brüche des 20. Jahrhunderts, es mit patriotischem Übermut nicht zu übertreiben. Doch anders als von Skeptikern 1989/90 befürchtet, ist das vereinte Deutschland nicht zu einem „Vierten Reich“ geworden, das nach innen unfrei ist und nach außen andere Nationen bedroht, sondern ein Land, das auf vielen Politikfeldern weltweit Achtung und ein hohes Ansehen genießt. Zumindest, solange deutsche Regierungsvertreter und Aktivisten darauf verzichten, wie in jüngster Zeit als Oberlehrer aufzutreten und andere Nationen permanent darüber belehren zu wollen, was sie zu tun und zu lassen haben. Wobei interessanterweise ausgerechnet die Nachfolger derjenigen, die vor 33 Jahren vor neuer deutscher Großmannssucht warnten, heute diejenigen sind, die am deutschen Wesen wieder einmal die Welt genesen lassen wollen.

Entgegen allen Unkenrufen haben die Deutschen aus den Trümmern zweier Diktaturen ein leistungsfähiges Gemeinwesen aufgebaut, das – trotz aller unbestreitbar vorhandenen Probleme im Alltag – fast überall seinesgleichen sucht. Der Lebensstandard hierzulande ist einer der höchsten der Welt und die staatlichen Institutionen genießen bei der großen Mehrheit der Bevölkerung ein hohes Ansehen. Insofern haben die Deutschen allen Grund zur Freude – und das keineswegs nur zum Jahrestag der staatlichen Einheit.

Apropos Freude: Großereignisse wie das „Sommermärchen“ der Fußballweltmeisterschaft 2006 haben gezeigt, dass „die Welt“ keineswegs erschüttert ist, wenn ganz Deutschland in seinen Nationalfarben leuchtet, sondern dies im Gegenteil als etwas völlig Normales begrüßt. Wenn es also überhaupt ein Problem mit deutschem Patriotismus gibt, dann liegt es somit keineswegs bei denjenigen, die sich positiv zu diesem Land und seinen Menschen bekennen.

Diejenigen Deutschen, die ihrem eigenen Land noch immer negativ gegenüberstehen, sollten sich freilich fragen, warum gerade so viele Migranten aus aller Welt zu uns streben. Und sie sollten sich fragen, wie und wohin sie diejenigen, die zu uns kommen, integrieren wollen, wenn sie selbst kein Bewusstsein für unser Land und seine Menschen haben.


Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie die PAZ gern mit einer

Anerkennungszahlung


Kommentare

Michael Holz am 07.10.23, 17:05 Uhr

sitra achra am 05.10.23, 11:43 Uhr:
Es war kein Rechtschreibfehler!

sitra achra am 05.10.23, 11:43 Uhr

@ Michael Holz
Ich bin mir nicht sicher, ob Ihre "Widervereinigung" ironisch gemeint oder nur als versehentlicher Rechtschreibfehler einzuordnen ist. Auf jeden Fall trifft diese Version ins Schwarze!
Zum Titelbild fällt mir Adenauers Diktum ein, jenseits der Elbe beginne die Mongolei. Als genetischer Erbe authentischer Ostdeutscher und anerkannter Flüchtling aus Opr. erwacht in mir tatsächlich der Mongole, wenn ich mir diese handverlesene schw... Personengruppe betrachte.
Zumindest in Gedanken hätte das ein eindrucksvolles Gemetzel ergeben. Aber die Gedanken sind ja bekanntlich frei.

Letz Daens am 05.10.23, 08:53 Uhr

"Warum gerade so viele Migranten aus aller Welt zu uns streben?"

Weil unsere Vollkasko-Republik inzwischen in der Welt als das "El Dorado für Faulenzer und Nichtstuer" gilt.

Kersti Wolnow am 05.10.23, 07:17 Uhr

Als Flüchtling über Ungarn 1989 war für mich der Mauerfall etwas ganz Großes, nicht umsonst sind wir von Ostberlin nach Hamburg geflüchtet, um die Schikanen der dDR nie mehr erleben zu müssen. Zur Feier 1990 waren wir anwesend. An diesem 3. Oktober sagte mein Mann, daß er sich schämt, an diesem Tag nach Berlin gefahren zu sein. Ich stimmte zu, denn keiner ahnte damals, wie sich die bRD in eine Diktatur gegen uns Deutsche entwickeln würde. Es gibt keinen Anlaß zur Feier, alles ist im Niedergang, die Bildung, das Gesundheitswesen, die Rentenkassen, das Handwerk und der Wissenschaften bemächtigten sich bescheuerte Ideologen. "Wir haben keinen Staat zu errichten" waren die Worte von Carlo Schmid vor dem Parlamentarischen Rat 1949, und daran änderte auch der Einigungsvertrag nichts. Ich sehe auch in den Scharen von Ausländern nichts Positives.
Das Foto mit dem großen Promi verursacht bei mir Übelkeit und das Bewußtsein, wie hier alles auf dem Kopf steht.

Chris Benthe am 05.10.23, 06:19 Uhr

Und wo wir schon dabei sind: wo sind denn die Migranten, die an diesem "Verwaltungsfachtag für Vereinigungsfragen" dankbar deutsche Fähnchen wedeln ? Mit einer deutschlandhassenden Machtelite ? (Claudia Roth: "Deutschland, du mieses Stück Sch...") Und: glaubt irgendwer mit Restverstand noch daran, dass wir dieses hohe Sozialniveau werden halten können ? Deindustrialisierung, Zerstörung der sicheren Energiebasis und Bildungsstandards bei gleichzeitiger Masseneinwanderung von minderbemittelten Hasardeuren aus aller Welt: wir gehen stürmischen Zeiten entgegen. Und die werden nicht mehr friedlich sein. Und wenn der alternde Komiker aus Ostfriesland noch so viele Faxen macht und sich bei einem Verkleidungskünstler einhakt. Umwertung aller Werte, Nietzsche war ein weiser, weitblickender Mann.

Gregor Scharf am 04.10.23, 14:28 Uhr

Es wäre zu wünschen, wir hätten eine Wiedervereinigung. Das Bauchgefühl der allermeisten Menschen, die dabei waren und sämtliche Umwälzungen am eigenen Leibe erfahren haben, ist ein anderes.
Der Termin entspricht auch nicht dem Ablauf unserer friedlichen Revolution von 1989 hier in Leipzig. Richtiger wäre der 09.November! Aber daran wollen die Genossen und ihre Freunde nicht erinnert werden, waren sie doch nachweislich gegen einen Zusammenschluss. Das ist es und nicht mehr, ein Zusammenschluss.
Eine Wiedervereinigung haben wir dann, wenn alle in West- und Mitteldeutschland in ihren Herzen spüren, dass sie Deutsche sind, ohne Scheu der Zukunft entgegenblicken und die permanente, lähmende und heuchlerische Rückspiegelschau beenden.
Dazu braucht es andere Führungskräfte. Denn die waren es nicht, die sich heute auf die Schultern klopfen, die tatkräftig das Beitrittsgebiet aufgebaut haben. Damit haben wir ein gewaltiges Stück Aufbauarbeit geleistet und gezeigt, wozu wir in kurzer Zeit fähig sein können.
Es liegt an der Motivation. Ergo die Trainer haben es nicht drauf, sonst wären wir schon weiter, weil sie es nicht draufhaben dürfen. Aber das ist dann ein noch gewaltigeres Thema. Diese Ketten schütteln wir auch noch ab! Woher die Zuversicht? Ganz einfach, ich war 1989 dabei.

Michael Holz am 04.10.23, 12:22 Uhr

" Doch anders als von Skeptikern 1989/90 befürchtet, ist das vereinte Deutschland nicht zu einem „Vierten Reich“ geworden, das nach innen unfrei ist und nach außen andere Nationen bedroht, sondern ein Land, das auf vielen Politikfeldern weltweit Achtung und ein hohes Ansehen genießt."
Von welchem Deutschland schreiben Sie Herr Nehring? Viele derer, welche schon länger hier leben, und ich sehen und erleben die BRD ganz anders. Ihr Artikel erweckt den Eindruck, dass Sie nun auch etwas bejubeln, was nicht bejubelswert ist. Für mich ist der 17. Juni immer noch der Tag der Deutschen Einheit und nicht der Tag des Verwaltungsaktes der "Widervereinigung"!

Kommentar hinzufügen

Captcha Image

*Pflichtfelder

Da Kommentare manuell freigeschaltet werden müssen, erscheint Ihr Kommentar möglicherweise erst am folgenden Werktag. Sollte der Kommentar nach längerer Zeit nicht erscheinen, laden Sie bitte in Ihrem Browser diese Seite neu!

powered by webEdition CMS