Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung
Seit dem 13. Jahrhundert bestimmt die Burg das Ortsbild – In früheren Zeiten sicherte sie eine wichtige Handelsroute
Man weiß nur von wenigen Dörfern in Vorpommern, die in ihrem Territorium auf eine echte mittelalterliche Burg oder das, was die Zeitläufe davon ließen, verweisen dürfen. Löcknitz, gelegen an der B 104, etwa 20 Kilometer vor Stettin, gehört dazu. Ein wuchtiger Burgfried, umgeben von Resten uralten Gemäuers, steht da, nicht zu übersehen rechterhand der 104 am westlichen Ortsrand. Es ist ein Bau- und Geschichtszeugnis aus dem 13. Jahrhundert, das eine gehobene Stellung von Löcknitz in slawisch-pommerscher Zeit und später vermuten lässt. Und tatsächlich: Die Lage der Burg am Randow-Fluss, der sich bescheiden in einer breiten, ehemals sumpfigen Niederung nach Norden windet, bot Handelsleuten und Reisenden eine sichere Übersetzgelegenheit, eine Furt. Diese ermöglichte Handel und Wandel, was auch im Mittelalter ein Garant für Wohlstand war.
Das „castrum lokenitze“ diente zudem als Grenzfeste, denn es ging in jener Zeit keineswegs friedlich zu. Immerhin stießen die Besitzungen der umtriebigen Brandenburger an das Pommernland. Der sich auf einem quadratischen Fundamentsockel erhebende achteckige „Aufpasser“ aus Backstein bewahrte Löcknitz aber nicht davor, sich den Begehrlichkeiten auf Dauer zu widersetzen. 1250 wurden Burg und Dorf schließlich uckermärkisch und damit brandenburgisch. Allerdings nicht infolge eines militärischen Handstreichs, sondern durch einen Gebietstausch, besiegelt im Vertrag von Landin. Die gewieften Brandenburger waren zuvor durch Heirat an ein ordentliches Stück Wolgaster Landes (Pommern), 70 Kilometer weiter nördlich, gelangt. Mit dem Vertrag von Landin gaben sie das an Pommern zurück, nahmen dafür aber Löcknitz und Umgebung. Beides gehörte fortan zur Uckermark.
140 Jahre später kehrte Löcknitz zwar heim in den pommerschen Schoß, allerdings nicht für lange. In den 800 Jahren seiner Existenz gehörte der Ort sodann vorwiegend zu Brandenburg. Im Dreißigjährigen Krieg und noch sieben Jahrzehnte danach bestimmten indes die Schweden die Geschicke an der Randow-Furt. Damit war erst 1720 durch den Frieden von Stockholm Schluss. Burg und Dorf Löcknitz fielen damit aber nicht an Pommern zurück, sondern blieben uckermärkisch und damit brandenburgisch-preußisch.
Die Burg indes hatte ihre militärisch-strategische Bedeutung längst eingebüßt, war 1715 jedoch, wie Chronisten belegt haben, noch mit 18 Kanonen ausgestattet. Kanoniere sollen jedoch bereits gefehlt haben. Erst 1818 trennte sich die Mark im Zuge einer Verwaltungsreform von Löcknitz und gab es an Pommern zurück. Und da ist es geblieben. Die Burg verfiel allmählich, fand aber immer wieder die eine oder andere Art der Nutzung. Das, was auf dem Gelände mit dem dicken Wehrturm die Zeiten überdauerte, hat die heute 3.300 Einwohner zählende Gemeinde in den vergangenen Jahren liebevoll restaurieren lassen. So haben in den Gemäuern an der einstigen Randow-Furt der Heimat- und Burgverein und die Tourismusinformation ihre Domizile. Ein Teil befindet sich aber in Privatbesitz.
Die Burg nimmt als wichtiges Geschichtsdenkmal einen Platz im Ortswappen ein. Ebenso ein Eichenblatt, ein Hinweis auf die so genannte Irmtrudseiche, ein 1.000-jähriger Baum am Löcknitzer See. Um das seltene Naturdenkmal ranken sich bis ins Mittelalter reichende Legenden. Sie ist im Ostdeutschen Baumarchiv aufgeführt und hat einen Umfang von 6,73 Metern.
Durchreisenden sei empfohlen, an der Burg eine Pause einzulegen, um sich mit ihrer wechselvollen Geschichte und dem Schicksal des am Ende des Zweiten Weltkriegs zu zwei Dritteln zerstörten Dorfes Löcknitz vertraut zu machen – ein Rundblick vom Turm lohnt allemal.