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Um 1910:  Im Unterschied zur  Bauakademie, die Karl Friedrich Schinkel nicht nur schuf, sondern in der er auch starb, ist der davor liegende nach ihm benannte Platz mit den drei Denkmalen für seinen Freund Peter Beuth, ihn selbst und Albrecht Thaer (v.l.)
Bild: ullstein bildUm 1910: Im Unterschied zur Bauakademie, die Karl Friedrich Schinkel nicht nur schuf, sondern in der er auch starb, ist der davor liegende nach ihm benannte Platz mit den drei Denkmalen für seinen Freund Peter Beuth, ihn selbst und Albrecht Thaer (v.l.)

Karl Friedrich Schinkel

Der Erschaffer der Berliner Bauakademie

Der preußische Architekt, Stadtplaner, Denkmalpfleger und bildende Künstler hat den deutschen Klassizismus und den Historismus entscheidend mitgestaltet

Manuel Ruoff
29.01.2026

Karl Friedrich Schinkel wurde noch zu Zeiten Friedrichs des Großen, im Jahr 1781, in eine bildungsbürgerliche Familie geboren. Sein Vater war Archidiakon und Superintendent der Kirchen und Schulen des Kreises seiner Geburtsstadt Neuruppin. In seinem Elternhaus gingen Bildungsreformer ein und aus. Früh zeigte sich bei ihm eine künstlerische Ader. Er war musikalisch, konnte zeichnen und entwickelte eine Vorliebe für theatralische Darstellungen.

Nach dem Besuch einer Ausstellung mit Architekturzeichnungen des Baumeisters Friedrich Gilly stand für ihn fest, ebenfalls diesen Beruf ergreifen zu wollen. 1798 verließ Schinkel das Gymnasium und ließ sich von Gilly, mit dem er sich anfreundete, und dessen Vater David, Mitglied der Obersten Baubehörde, ausbilden. Auch besuchte er die Berliner Bauschule, an denen Vater und Sohn Gilly unterrichteten.

1800 machte er das Kondukteurexamen, das es ihm erlaubte, eigenständig Bauausführungen zu leiten. Im selben Jahr starb sein Freund und Mentor Friedrich Gilly. Der hinterließ ihm seine unvollendet gebliebenen Projekte. Mit diesen konnte Schinkel sich profilieren.

Undogmatischer Klassizismus
1803 begann Schinkel mit seinem Studienfreund Gottfried Steinmeyer, einem Baumeistersohn, eine zweijährige Studienreise mit dem Schwerpunkt Italien, auf der er in Rom den Gelehrten, Schriftsteller und Staatsmann Wilhelm von Humboldt, der ihm zum Freund und Förderer wurde, sowie den Landschaftsmaler Joseph Anton Koch kennenlernte. Auf dieser Reise wurde Schinkel zusätzlich zum Maler und begann sein Verständnis von Klassik zu entwickeln, das sich an dem nicht mehr ganz so strengen Baustil in Italien am Übergang von der Spätantike zum frühen Mittelalter orientierte.

Kaum, dass Schinkel von seiner Reise zurück war, brach 1806 der vierte Koalitionskrieg aus, der für Preußen mit einer schweren Niederlage endete. An größere Staatsbauten war vorerst nicht mehr zu denken. Der Architekt machte das Beste aus der maroden Auftragssituation und nutzte seine Zeit und sein Talent nun, um seine Reiseeindrücke in großen Ölgemälden zu verarbeiten. Als Maler war Schinkel ähnlich erfolgreich wie als Baumeister.

1810 vermittelte ihm sein Freund Humboldt eine Stelle als Geheimer Oberbauassessor bei der Oberbaudeputation. In dieser Funktion war Schinkel für die Schönheit öffentlicher Neubauten, „für den künstlerischen Teil der Baukunst“ zuständig. Wieder stieß Schinkels Arbeit auf positive Resonanz. 1811 wurde er ordentliches Mitglied der königlichen Akademie der Künste zu Berlin, vier Jahre später zum Geheimen Oberbaurat.

1815 waren die napoleonischen Kriege beendet, Preußen gehörte zu den Kriegssiegern. Nun war wieder Großes möglich. Kaum, dass Köln als Ergebnis des Wiener Kongresses preußisch geworden war, wurde Schinkel 1816 mit der denkmalpflegerischen Aufsicht und Betreuung des Weiterbaus von dessen Dom betraut. Denkmalpflege wurde ihm ein Anliegen.

Daneben wurde er mit diversen mehr oder weniger repräsentativen Neubauten für Staat, Kirche und Hochadel beauftragt, wie der heutigen Neuen Wache, der Friedrichwerderschen Kirche, dem Schloss Klein-Glienicke, der Potsdamer Nikolaikirche, der Bauakademie in Berlin oder dem Gärtnerhaus und den Römischen Bädern in Potsdam. Nebenbei war der vielseitig talentierte Künstler auch noch als Bühnenbildner und Innenarchitekt tätig.

Nützlichkeit und Schönheit
Eines der größten staatlichen Neubauprojekte, mit denen Schinkel betraut wurde, war die Museumsinsel. Hierfür unternahm er 1824 extra in Begleitung von Gustav Waagen, dem Kunsthistoriker und späteren Direktor der Gemäldegalerie in Berlin, erneut eine Studienreise nach Italien, um sich von den dortigen Museumsbauten inspirieren zu lassen. Sechs Jahre später wurde Schinkels Königliches Museum, das heutige Alte Museum, als erster Bau auf der Museumsinsel und erstes öffentliches Museum Preußens eröffnet. Schinkels Name ist insbesondere mit den Anfängen der Museumsinsel untrennbar verbunden.

Neben diesem Einsatz für die klassische Hochkultur kümmerte sich Schinkel auch um die Industriekultur, die im Rahmen der Industrialisierung zunehmend an Bedeutung gewann. 1826 unternahm er mit dem Ministerialbeamten, Politiker und Gründer des Gewerbeinstituts Berlin Peter Beuth eine Studienreise zu den seinerzeit führenden Industrienationen Frankreich und Großbritannien. Bis 1837 gaben die beiden Freunde die Musterbücher „Vorbilder für Fabrikanten und Handwerker“ heraus. Wie bei seiner Arbeit in der Oberbaudirektion sah Schinkel auch auf dem Gebiet der Industriekultur wieder die Herausforderung darin, Nützlichkeit mit Schönheit zu verbinden.

1839 erreichte Schinkels Karriere formal ihren Höhepunkt. Er wurde zum Oberlandesbaudirektor ernannt und erhielt damit das höchste Amt des Staates im Bereich Architektur und Bauen.

Doch das Ende war nahe. Nach längerer körperlicher Schwäche und verschiedenen Kuraufenthalten machten ihn 1840 vermutlich mehrere Schlaganfälle zum arbeitsunfähigen Pflegefall. Nach mehrmonatigem Siechtum starb er im Folgejahr in seiner Dienstwohnung in der Berliner Bauakademie.


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