27.11.2020

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Kolumne

Der etwas andere Philosoph

Florian Stumfall
15.09.2020

Gegen Ende April des Jahres 2011 traf sich im Kairoer Hotel Shep­herd's der mittlerweile verewigte US-Senator John McCain mit einigen Potentaten aus der Golfregion zu wichtigen Gesprächen. Welcher Art diese waren, konnte man aus McCains Ruf als der hartnäckigste Kriegstreiber der damaligen politischen Elite der USA schließen. Tatsächlich ging es darum, letzte Absprachen bezüglich des Krieges zu treffen, mit dem man den libyschen Präsidenten Muammar al-Gaddafi überziehen und so aus dem Amt verjagen wollte.

Teilnehmer der Konferenz war auch der französische Philosoph Bernard-Henri Lévy, jedoch ohne politisches Amt, sondern ganz allein auf Grund seiner persönlichen Eignung für politische Kabalen, die ihn unter anderen in die nächste Nähe des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy geführt hatte. Lévy also war mit dabei in Kairo, und als die Gespräche geführt, die Einigkeit festgestellt und die anderen Teil­nehmer wieder abgereist waren, begab er sich in das nahegelegene libysche Bengasi, das Zentrum des Aufmarsches gegen Gaddafi.

Auch dort waren schon alle Vorbereitungen getroffen, CIA und Blackwater-Söldner hatten Posten bezogen, die Libyan Islamic Fighting Group (LIFG, Libysche Islamische Kampfgruppe) war gegründet. Letztere setzte sich aus Taliban-Kämpfern aus Afghanistan, Guantanamo-Häftlingen und frei vagabundierenden Desperados zusammen. Dazu kamen die Harabi und andere örtliche Stämme, die Gad­dafi und dessen Stamm von jeher feindlich gesinnt waren. So weit war alles vorbereitet und hat schließlich, wie man weiß, zum gewünschten Ziel geführt.

Schlachtfeld Öffentlichkeit

So weit also alles in Ordnung – nur, so fragt man sich, wozu bedarf es bei einem derartigen Aufmarsch und dem Ziel, einen gewaltsamen Putsch durchzusetzen, eines Philosophen? Ist es nicht deren Art, fern von allem Kriegsgeschrei in tiefen Bibliotheken und in der Fülle des eigenen Geistes den Welträtseln nachzuforschen, der Gegenwart oft ferne, die Gewalt verachtend und die Erfüllung in der Erkenntnis suchend?

Im Allgemeinen mag das zutreffen, doch nicht bei Bernard-Henri Lévy. Sein Zuschnitt ist von diesem Bild völlig verschieden. Er ist im Jahre 1948 als Sohn eines reichen Industriellen zur Welt gekommen. Das enthob ihn von vornherein der täglichen Sorgen. Fast folgerichtig wurde er, zumindest vorübergehend, Kommunist, versteht sich als 68er und wird als Erbe von Jean-Paul Sartre inszeniert. Philosoph ist er insofern, als er ein einschlägiges Studium absolviert hat; von großen Werken, bahn­brechenden Ideen oder beglückenden Erkenntnissen des Bernard-Henri Lévy ist zumindest seit den frühen 90er Jahren nichts bekannt. Er lehrt an keiner Universität und hat keine geistige Schule ins Leben gerufen. Gut – er war dabei, als die Gruppe „Nouvelle Philosophie" gegründet wurde, die sich aber gegen Sartre wendete, wie überhaupt Lévys philosophische Ausrichtung nicht klar zu erkennen ist.

Die „Welt" hat über ihn geschrieben, er sehe „Öffentlichkeit als ein Schlachtfeld, auf dem nicht die Wahrheit oder auch nur das bessere Argument zählen, sondern gelungene Kampagnen und Manöver". Dazu passt, dass er Miteigentümer der linken Pariser Zeitung „La Libération" ist, die überwiegend dem Baron Edouard de Rothschild gehört.

Ein Mann wie Bernard-Henri Lévy, der sich gerne „BHL" nennen lässt, begnügt sich nicht mit einer einzigen Revolution. Als Gaddafi gestürzt und ermordet war und sich Kampfgruppen in Tobruk in Richtung Syrien einschifften, um dort das nächste Feuer zu entzünden, schrieb Lévy im Jahre 2012 folgerichtig: Das „Bengasi von heute ist Homs" – das Zentrum der versuchten Farbrevolution gegen den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad. Libyen kann als Blaupause für Syrien dienen, so Lévy, der damit mehr über die Ursachen der syrischen Revolte preisgab, als den Westmächten lieb sein kann.

Zwei Jahre später konnte man BHL in der Ukraine treffen. Auf dem Hauptplatz in Kiew hatten sich Spitzenvertreter der westlichen Politikelite mit den Aufrührern zusammengetan, unter ihnen der deutsche Außenminister und die US-amerikanische Assistant Secretary of State Victoria Nuland, die sich später damit brüstete, die USA hätten in den Putsch fünf Milliarden Dollar investiert. Lévy baute sich am 9. Februar 2014 auf dem Majdan auf und rief zur Menge: „Ich bin Europäer, aber heute bin ich Ukrainer ... Eure Stärke ist diese große Zivilisation, von der ihr ein Teil seid ... Aus diesem Grund werdet ihr gewinnen ..." Das war zehn Tage, bevor die ersten Schüsse fielen.

Zuletzt in Weißrussland

Zuvor schon hatte BHL die Separatisten in Tschetschenien aufgehetzt, den damaligen georgischen Präsidenten Michail Saakaschwili, ein Geschöpf der CIA, gerühmt. BHL betätigte sich im Konflikt um Südossetien als Scharfmacher und hatte Jahre zuvor die albanische paramilitärische Befreiungsarmee des Kosovo (UCK) unterstützt. Auch in den Streit um Venezuela mischte er sich ein. Den Präsidenten Nicolás Maduro nannte er eine „Mischung von Castro und Pinochet".

Bei jeder Farbrevolution, welche die USA anzetteln, taucht BHL auf. Dieses Zusammentreffen ist derart prompt und regelmäßig, dass sich der Schluss aufdrängt: Wo sich BHL ins Mittel legt, um einen Putsch, eine Invasion oder einen kriegerischen Überfall zu schüren, stecken die CIA, das Pentagon oder beide dahinter. Und eben dies scheint auch in Weißrussland zuzutreffen.

So hat sich Lévy kürzlich in der litauischen Hauptstadt Wilna mit der weißrussischen Oppositionspolitikerin Swetlana Tichanowskaja getroffen, die dort Asyl gefunden hat. Dieses Treffen kam angeblich auf Betreiben eines deutschen Magazins zustande. BHL nannte die Weißrussin die „Muse der Revolution in Weißrussland" und das „Gesicht der Opposition gegen den Tyrannen Lukaschenko". Man sehe hier, „wie die Sache der Frauen eine groteske und blutrünstige Diktatur erschüttern" könne. BHL hat schon recht: Ein bisschen Feminismus macht sich gut in seinem Geschäft.

• Der Autor ist ein christsoziales Urgestein und war lange Zeit Redakteur beim „Bayernkurier".



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Kommentare

Wolfgang E. am 16.09.20, 18:13 Uhr

Bernard-Henri Lévy , ist wohl das übelste wqs man in der Welt finden kann. Reiner Terroristen, Nazis, Mord Promotionen schon in Bosnien, Tschetenien usw.. Kopfabschneider willkommen. Passt zu Sarkozy, der Verwandten vom Ex-CIA Direkto Wisner sen. bzw. jun

sitra achra am 15.09.20, 09:54 Uhr

Ich bin erschüttert. Ist der Autor dieses Artikels Anhänger der von den Medien, u.a. von dem erwähnten Magazin, gebrandmarkten Verschwörungstheorie, der zufolge die CIA und ihre Nasen überall ihre Finger im Spiel haben?
Hat er sich etwa mit den Machenschaften eines gewissen Coudenhove-Kalergi befasst, oder noch schlimmer, die Protokolle verinnerlicht?
Ich mag es nicht glauben. Der Schoß ist fruchtbar noch.
(Satire) Der Philanthrop Soros wird es schon richten.

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