26.10.2020

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Geschmack der Heimat

Der Pommersche Krummstiel, eine wunderbare alte Apfelsorte

Karl-Heinz Engel
26.09.2020

Er war einst der Lieblingsapfel aller Kinder und Erwachsenen im Pommerland, der Pommersche Krummstiel. Mit seinem süß-mildsäuerlichen Aroma, seinen auffallend rot-gelbgestreiften Backen, vor allem aber wegen seines Duftes, der in der Advents- und Weihnachtszeit die Stuben füllte, übertraf ihn keine andere Apfelsorte. Typisch für die Früchte ist die wulstige Stielgrube mit dem schräg herausragenden Stängel. Heute ist der Pommersche Krummstiel, nicht zu verwechseln mit dem Rheinischen Krummstiel, selten geworden. Die hohen Bäume mit dem ausladenden Astwerk passen in keinen Kleingarten, auch für die Plantagenbewirtschaftung eignen sie sich nicht. Wer sich die Mühe macht, vergessene Guts- und Bauerngärten vor allem in Vorpommern nach ihnen zu durchstöbern, kann jedoch fündig werden.

Die Bäume sind häufig weit älter als 100 Jahre, lassen sich durch Obstschädlinge kaum beeindrucken und tragen oft reichlich. Es sei denn, die Eisheiligen setzten der Blüte ein vorzeitiges Ende. Die meisten Krummstielveteranen haben kaum jemals einen Pflegeschnitt erdulden müssen und sind nie mit chemischen Pflanzenschutzmitteln behandelt worden. Dennoch reifen an ihnen nahezu makellose Äpfel, was für die Robustheit der Sorte spricht. Seinen Ursprung hat der Pommersche Krummstiel, wie der Name andeutet, im Pommerschen, wahrscheinlich auf der Insel Rügen. Obstbauexperten vermuten, dass er dort schon vor 1800 gezogen worden ist. Einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde er aber erst durch Ferdinand Jühlke (1815-1893), seit 1866 königlich-preußischer Hofgartendirektor in Potsdam und damit der Nachfolger des bedeutenden Garten- und Landschaftsarchitekten Peter-Joseph Lenné.

Jühlke, im Küstenstädtchen Barth als Sohn eines Tischlers geboren und damit ebenfalls ein Pommer, hatte seine gärtnerische Ausbildung im Botanischen Garten der Universität Greifswald bekommen. 1834 ernannte man ihn zum akademischen Gärtner im benachbarten Eldena. Er studierte im Privatunterricht Nationalökonomie, Chemie und Physik und unternahm zahlreiche Studienreisen. Der Lehrmeister sitze in einem selbst, lautete einer seiner vielen Merksätze. Er verfasste unzählige wissenschaftliche Abhandlungen und Aufsätze, in denen er revolutionierend und fördernd auf den gesamten deutschen Gartenbau einwirkte. Dabei bezog er breite Teile der Bevölkerung ein, um in ihr Freude am Gedeihen der Kulturen zu wecken und die eigene Versorgung mit Obst und Gemüse zu verbessern.

1856 widmete er auch dem Pommerschen Krummstiel einen Aufsatz in einer Fachzeitschrift, wodurch die Sorte rasch größere Popularität erlangte. Jühlke schrieb unter anderem über seinen Heimatapfel: „Der Krummstiel, auch Römerapfel, welcher in Neuvorpommern und auf Rügen den Garten des ärmsten Katenmannes ziert und auch wiederum in jenen reichen Gärten mit feineren Obstsorten gehegt und gepflegt wird: er verdient in Norddeutschland eine um so größere und allgemeinere Verbreitung, als er selten fehlschlägt und die auf seine Pflege verwendete Mühe in sehr reichlichem Maße lohnt."
Karl-Heinz Enge



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Kommentare

H. Schinkel am 29.09.20, 23:07 Uhr

Danke für diesen Tipp. Ich bin schon lange auf einer robusten und leckerern Apfelsorte. Das was man im Supermarkt bekommt, bezeichne ich ich nicht als Apfel.

Allein was an Pestiziden gespart werden könnte mit den alten Sorten, die auch zum großen Teil auch wesentlich gesünder sind als die Laborsorten, sollte auch den Lobbyisten und Klimaschützern aufgehen.

Ich werde mich aktiv auf die Suche nach dieser Apfelsorte machen.

Marilys Eschenbach am 26.09.20, 13:41 Uhr

Danke, dass hier solchen herausragenden Menschen wie Ferdinand Jühlke gedacht wird. Er war sehr gebildet.
Er hätte einen sehr guten Umweltminister abgegeben.
Besser als die unwissenden Politiker von heute.

sitra achra am 26.09.20, 10:42 Uhr

Vielen herzlichen Dank für den Gartentip! Suche nämlich noch einen klimatisch angepaßten Apfelveteranen für meinen hinterpommerschen Garten. Vielleicht gibt es noch weitere landestypische Arten?
Wie ich eben sehe, wird die Art über Gärtnereien im Netz angeboten. ("Internet" auf neugermanisch natürlich!)

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